Montag, 19. Oktober 2009

Aken an der Elbe: der Brunnen von Frank Sobirey











Aken an der Elbe, ja diese unsere Nachbarstadt ist manchmal Ziel von kurzen Ausflügen meinerseits. Meistens beschränkt sich der Besuch auf den Aufenthalt am Elbufer, dort wo sich die Fähre und die Ausflugsgaststätte „Fährhaus“ befinden, eben wegen dem dortigen schönen Blick auf die Elbe. Interessant aber auch der Akener Marktplatz wo es sich an dem Brunnen gut sitzen lässt. Dieser Brunnen des Künstlers Frank Sobirey gefällt mir, denn er behandelt gesellschaftskritisch die Akener Geschichte (z.B. der auf einem nackten Körper sitzende Bischof - Sinnbild der damaligen Unterdrückung der Menschen durch die Geistlichkeit), dies aber so, daß dennoch die einzelnen Figuren eine große Ästhetik haben (z.B. die Figur des Frauenaktes welche den Brunnen krönt). Diese klassische Ästhetik vermisst man oft bei modernen Plastiken, doch die Akener Brunnenfiguren erinnern an gute Vorbilder von Bronzen die um 1900 entstanden, die sich diesem Ideal verstanden wissen wollten.

Meine heutigen Fotos zeigen die Gegend an der Elbfähre, besagten Brunnen auf dem Marktplatz und ein Gebäude des Marktplatzes welches mir besonders gefällt, da es einen großen nostalgischen Charme hat - die ehemalige Buchhandlung von Kurt Große. Dieses Haus ist eines der wenigen wo noch die alten originalen Beschriftungen erhalten sind.

Sonntag, 18. Oktober 2009

B.N. und Hobusch


„Mark der deutschen Notenbank“, so hieß eine zeitlang die Mark in der DDR. Dies kam mir wieder in Erinnerung als ich gestern in meinen Sammlungen kramte und mir ein altes Etikett unseres Dessauer Kräuterlikörs „Hobusch“ anschaute, denn dort war der Preis so ausgezeichnet. Dieser „Hobusch“ ist eines der wenigen Dessauer Erzeugnisse die es zum Glück auch jetzt noch gibt. Es wäre ja auch zu schade gewesen wenn dieser Traditionslikör von der Bildfläche verschwunden wäre. Nicht daß ich gerne Alkohol trinke – dies sehr selten mal – sondern wegen dem Etikett, welches ein berühmtes Dessauer Original zeigt, eben besagten Hobusch, ist es schön, daß es immer noch „Hobusch“ gibt. Der Hersteller des Hobusch-Likörs zu DDR-Zeiten war Max Schulze. Ich kann mich noch gut daran erinnern wo er wohnte, nämlich in einem großbürgerlichen Haus schräg gegenüber der Bäckerei Veit. Mit einer seiner Töchter, der Marion Schulze, war ich früher befreundet, gehörte sie doch zu der Musikszene Dessaus der auch ich angehörte, siehe meinen Beitrag über meine Rockband „Yoyo´s“.

Der historische Christoph Hobusch war eigentlich ein Opfer der großen Klassenunterschiede im 19. Jahrhundert und viele seiner Schnurren sind im reellen Lichte gesehen nur Ergebnis seiner Armut. Sei es wie es sei, im Gedächtnis der Dessauer ist Hobusch tief verwurzelt, auch ohne besagten Kräuterlikör. Ich persönlich sehe Hobusch mehr als einen leicht anarchistischen Dessauer Schwejk an, welcher der damaligen ausbeuterischen heuchlerischen Klassengesellschaft einen Spiegel vorhielt.

Für die Leser des Blogs heute ein Scan meines alten Hobusch-Kräuterlikör-Etiketts und zwei neue Aufnahmen von der Gaststätte in Dessau die seinen Namen trägt, der „Hobuschstube“. Auf dem Ecksims des Gebäudes wurde Hobusch durch eine Steinfigur verewigt und eine Wandplatte macht ebenfalls auf ihn aufmerksam. Diese Platte ist besonders gelungen, zeigt sie doch das stilisierte Gesicht von Hobusch als Sonnenkopf. In guter alter anhaltischer Mundart heißt es natürlich „Sonnenkopp“ und alte traditionsbewußte Dessauer bezeichnen sich gern selber als „Sonnenköppe“.

Von Hobusch sind viele Schnurren überliefert und diese natürlich in anhaltischer Mundart. Leider ist diese Mundart am Aussterben, was ich bedauere, da ich sie sehr mag. Gern habe ich immer zu DDR-Zeiten in der „LDZ“ Beiträge in Mundart gelesen, doch leider ist es seit der Wende damit vorbei, in der lokalen Tagespresse wird diese Tradition nicht mehr gepflegt. Zu dem letzten großen Dessauer Heimatdichter der in anhaltischer Mundart schrieb, Willibald Krause, hatte ich ein gutes Verhältnis. Wen es interessiert hier noch einmal der Link zu einem Scan aus meinem Gästebuch wo sich auch Willibald Krause mit Foto verewigt hat:
http://barrynoa.blogspot.com/2008/02/altes-aus-dem-gstebuch-von-bn.html

Nun noch zwei Hobusch-Anekdoten (teilweise in anhaltischer Mundart) die ich für besonders symptomatisch halte, zeigen sie doch klar auf, daß Hobusch ein Opfer der Klassengesellschaft war, der aber sich nicht knechtisch beugte, sondern einen alternativen Lebensstil pflegte und der damit fast ein Bürgerschreck war, denn es war zu dieser Zeit z.B. mehr als verpönt nackt in einem Fluß zu baden, was allerdings Hobusch tat, wie nachfolgende Anekdote zeigt. Das ganze Ausmaß seiner Armut, und Hobusch stand ja da nicht allein, sondern breite Bevölkerungsschichten waren bettelarm, dies zeigt sich an der zweiten von mir ausgesuchten Anekdote, wo Hobusch seinen Kindern aus Armut nichts zu Weihnachten schenken konnte und er aber den spießbürgerlichen Frager bewußt mit der Story des Pinkelns einer Eisbahn für seine Kinder schockte, da derart „unsittliche“ Handlungen gegen die prüden Anstandsbegriffe der herrschenden Gesellschaft verstießen. Heutige Geschichtsschreiber wollen diese gesellschaftlichen Hintergründe gern ausblenden und sie zeigen Hobusch als einen kuriosen Außenseiter der an seinem Schicksal selbst schuld war oder sie reduzieren ihn auf einen Witzbold, beides lehne ich ab!



HOBUSCH HAT DE HARRZOGIN NACKTICH JESÄHN

Einmal vertraute Hobusch mitten im heißesten Sommer unter dem Siegel der Verschwiegenheit seinem Freund Nante an: "Ob d'es jloowest odder niche, heite hawwich de Harrzorin nackich jesähn." - Nante guckt ganz erschrocken: "Um Jotteswilln, Christoph, seik vorsichtig, un rede dich nischt uffn Hals."Hobusch grinst listig: "Wiso denne? - Is doch wahr. Ich hawwe de Frau Harrzorin nacktich jesähn, un das kam so. Ich badete wie immer, ohne Hose, unner de Jaljnbricke, un in dän Moment fuhr se mit de Kutsche iwwer de Bricke. Hawwich se nu nacktich jesähn odder nich?"


DIE JEPINKELTE SCHLIDDERBAHNE

Kurz nach Weihnachten begegnet Hobusch dem Kommerzienrat Ziegler, und der fragt leutselig: "Na, Hobusch, was haste denn in diesem Jahr deinen Kindern geschenkt?"Hobusch zögert nicht lange und sagt:"Ach wissn se, Herr Kommarzjnrat, bei uns arme Leite isses doch immer dasselwe. De Ludersch krien jedes Jahr 'n Paar neie Holzpantin'n, un was meen'n se, die frei'n sich wie de Schneekeenije, wenn se denn ihr Vater noch ne Schlidderbahne dorzu pinkeln tut!"

Samstag, 17. Oktober 2009

B.N. und Otto Mueller (mit einem Exkurs über westliche Geschichtsklitterei)










Was mich seit der Wende empört, dies ist die Arroganz von Westdeutschen, die meinen, in der DDR wäre die Kultur von Staats wegen nur eine Kultur der Parteipropaganda gewesen. Ulkig wenn ich im Wörlitzer Park spazieren gehe und mich mit westdeutschen Touristen unterhalte, dann sind die der Meinung, daß seit der Wende nun wir doch Parkanlagen und Gebäude wieder in altem Glanz hätten und wir nun endlich wieder generell Kultur genießen dürften. Daß gerade in der DDR die Kultur, trotz klammer Staatseinnahmen, eine hohe Priorität hatte und es mit der Kultur im Vergleich zu heute besser stand, dies wird ungläubig belächelt. Allein, daß eben breite Massen aufgrund der subventionierten Eintrittspreise an der Kultur teilhaben durften und dies heute leider nicht mehr der Fall ist, wo fast alle Kultur für den Konsumenten horrend teuer ist, dies wird gern übersehen. Allein die verschiedensten Zirkel des volkskünstlerischen Schaffens (Malerei, Töpferei, Musik usw.), alles dies war damals kostenlos und muß jetzt bezahlt werden. Und gerade solche Stätten des nationalen Kulturerbes, wie eben der Wörlitzer Park, wurden in der DDR im Rahmen des möglichen und darüber hinaus stark gefördert.

Wo ich aktiv werde, dies ist, wenn man von westlicher Seite versucht Geschichtsklitterei zu betreiben und man Falschmeldungen verbreitet. Leider ist die bürgerliche heutige Presse so gestrickt, daß sie gern Falschmeldungen verbreitet, diese aber nicht korrigiert. Die Menschen sollen systematisch verblödet werden. Nun wer den deutschen bürgerlichen Medien den geringsten Glauben schenkt, der ist selber schuld!

Ein Beispiel: Ich bin ein großer Freund des Expressionisten Otto Mueller (1874-1930), nicht zuletzt da er der arkadischste Vertreter des Expressionismus ist, habe mich also kunstwissenschaftlich intensiv mit Mueller beschäftigt. In der Nummer 24 vom 15. Dezember 1996 der „Weltkunst“ wurde eine Otto-Mueller-Ausstellung in Leipzig als „Erstmals seit 1945 wird in Ostdeutschland eine solche Anzahl von Werken dieser Kunstrichtung gezeigt.“ angekündigt. Die „Weltkunst“ ist nun nicht irgendeine Zeitschrift, sondern „die“ Fachzeitschrift der Kunstwissenschaft und des Kunsthandels. Also man müsste es eigentlich besser gewußt haben, denn der Expressionismus wurde in der DDR immer hoch geschätzt und auch die offizielle Kunstwissenschaft tat viel in die Richtung der Verbreitung durch Ausstellungen, Schriften und Bücher. Was sollte dieser Unsinn? Sollte der Anschein erweckt werden, der Expressionismus wäre den Bürgern der DDR vorenthalten worden und nun würden sie durch den Westen erstmals mit dieser Kunstrichtung beglückt, ähnlich wie ein paar Wilde in entlegenen Bergdörfern Papua-Neuguineas, die in der Steinzeit leben, denen man nun endlich mal Goethe und Schiller nahe bringt?

Eines ist doch Fakt, schon die sowjetischen Besatzer förderten schon seit 1945 Kunst und Kultur wo sie nur konnten. Trotz der verheerenden Zerstörungen wurden Theater, Museen und Galerien wieder geöffnet und diese Politik setzte sich 1949 mit Gründung der DDR fort. Schon 1947 gab es in Ostdeutschland eine große Otto-Mueller-Ausstellung, dies zu einer Zeit wo in den westlichen Besatzungszonen daran noch nicht zu denken war. Zum Glück konnte ich dies beweisen, denn durch meine Tätigkeit als Privatsekretär der Kunstwissenschaftlerin Charlotte Timmling kam ich an einen solchen Ausstellungskatalog und konnte alle Seiten kopieren. Frau Timmling war damals selbst in der grandiosen Ausstellung, eine große Kulturleistung der sowjetischen Militärverwaltung die so etwas erst möglich machte und dies in dem durch angloamerikanische Bomben total zerstörten Dresden. Diese Leistungen sollen nun unter den Teppich gekehrt werden, die Nachwelt soll ein falsches Bild des angeblich kulturlosen Sowjetrussen bekommen, der in seinem Herrschaftsbereich höchstenfalls nur Kalinkatanzen gestattete, desgleichen angebliche Kulturlosigkeit in der späteren DDR. Gerade die 50er Jahre waren eine Blütezeit von Kunst und Kultur in der DDR, erst in der Endphase der DDR, so ab den 80er Jahren ging alles den Bach herunter als die Cliquen an der Macht immer mehr verbürgerlichten und in den Führungsetagen von Partei und Staat fast nur noch gewissenlose opportunistische Karrieristen saßen.

Anbei mal Scans der Mitteilung in der „Weltkunst“, meines Schreibens und einer Antwort des Museums in Leipzig. Eine Richtigstellung in der „Weltkunst“ erschien allerdings nie, auch erwähnten die Ausstellungsmacher in den 90er Jahren die Vorgängerausstellung von 1947 mit keinem Wort. So geschah es erst dieser Tage, daß ich in einem Telefonat mit einem westdeutschen Doktor der Kunstwissenschaft gerade über Otto Mueller stritt. Auch der wußte nichts von einer Ausstellung schon 1947 in Ostdeutschland und bezog sich auf die Aussage in der „Weltkunst“. Erst durch die kompletten Scans des Ausstellungskataloges, die ich ihm per Email zusandte, konnte ich ihn eines besseren belehren. Für die Leser des Blogs deshalb auch ein paar Scans aus diesem Katalog. Die offizielle Kunstwissenschaft wird diese Beweise allerdings weiterhin nicht zur Kenntnis nehmen wollen, da sie nicht ins politische Weltbild passen. Egal, zumindestens meine Leser kann ich hiermit aufklären. Anbei noch ein paar weitere Scans von bekannten Oelbildern des begnadeten Malers Otto Mueller.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Blick in´s Land: Der "Stein" in Wörlitz


Oft kommt es ja nicht vor, daß man selber fotografiert wird und dann auch noch Abzüge bekommt. Zwei Fotografien aus dem Jahre 2008 zeigen mich auf dem künstlichen Miniaturvesuv, dem „Stein“, in Wörlitz. Auch im Herbst hat man eine wunderbare Aussicht von oben. Also, liebe Leser, einem Besuch von Wörlitz dürfte auch bei kälterem Wetter nichts entgegen stehen! Allerdings sollte die Sonne schon ein wenig scheinen, denn bei trübem Wetter ist der Park keine Freude, sondern stimmt eher melancholisch!

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Herbstimpressionen vom Dessauer Leopolddankstift





















Frosteinbruch Mitte Oktober und dies wenige Zeit nach einem Oktobertag sommerlicher Hitze (1. Oktober plus 29 Grad Celsius)! Als ich heute morgen mein Auto ansah, da war ich erstaunt, daß es zugefroren war und ich erst ewig kratzen mußte um die Scheiben eisfrei zu bekommen. Das Wetter ist wie das Leben, es ist wie eine Achterbahn, mal oben mal unten, mal warm mal kalt, ein einziges Wechselbad.

Gestern noch machte ich ein paar Herbstaufnahmen im Dessauer Leopolddankstift dem ich persönlich verbunden bin, viele Blüten werden die vergangene Nacht nicht überstanden haben. Wunderbar das Rot des wilden Weins an den Pergolen und Gebäuden, eine wehmütige Erinnerung an den wilden Wein am Haus auf dem Knarrberg wo ich so lange mein zuhause hatte. Im Garten des Leopolddankstiftes arbeitete wie so oft fleißig der Verwalter des Stiftes Herr Pohlandt. Die Arbeit auf dem großen Gelände hört nicht auf, es gibt immer viel zu tun, wie man sich denken kann. Zu würdigen weiß dies nur wer selbst einen Garten hat, der ahnt wie viel Arbeit alles macht.

Schön die Blumenpracht des herbstlichen Gartens, wenn auch über allem das Bewußtsein der Vergänglichkeit zu spüren ist. Jeden Tag kann alles vorbei sein, wie das Leben der Pflanzen so auch unser Leben.

Prediger Salomo – Buch Kohelet, Kapitel 12, 1-8

1Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht;
2ehe denn die Sonne und das Licht, Mond und Sterne finster werden und Wolken wieder kommen nach dem Regen;
3zur Zeit, wenn die Hüter im Hause zittern, und sich krümmen die Starken, und müßig stehen die Müller, weil ihrer so wenig geworden sind, und finster werden, die durch die Fenster sehen,
4und die Türen an der Gasse geschlossen werden, daß die Stimme der Mühle leise wird, und man erwacht, wenn der Vogel singt, und gedämpft sind alle Töchter des Gesangs;
5wenn man auch vor Höhen sich fürchtet und sich scheut auf dem Wege; wenn der Mandelbaum blüht, und die Heuschrecke beladen wird, und alle Lust vergeht (denn der Mensch fährt hin, da er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse);
6ehe denn der silberne Strick wegkomme, und die goldene Schale zerbreche, und der Eimer zerfalle an der Quelle, und das Rad zerbrochen werde am Born.
7Denn der Staub muß wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.
8Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, ganz eitel.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Nostalgie: Das Casino de Paris 1940/41







Ja, ja, das sündige Paris! Viele Menschen meinen während der deutschen Besetzung im 2. Weltkrieg hätte der Amüsierbetrieb dort zugemacht, wäre nationalsozialistischer Prüderiemief dort eingezogen, denn die Nazis hatten doch gegen angebliche Dekadenz auch einen sogenannten Sittenkrieg geführt – aber weit gefehlt, die Casinos und Varietés waren weiterhin geöffnet und die Programme waren im Gegensatz zu denen in Deutschland durchaus frivol. So gab es in Deutschland absolut keine Nackttänze in den Varietés seit der Machtergreifung der Nazis, im besetzten Frankreich duldete man aber dies. Sogar die deutschen Besatzer, ob nun Militärs oder Zivile, konnten die Vorstellungen besuchen, was diese auch mit Begeisterung taten, besonders natürlich die Männer.

Von meinem Großvater väterlicherseits, der in Paris 1940/41 einige Zeit stationiert war, habe ich noch ein Programmheft des Casino de Paris, welches in der Rue de Clichy seinen Sitz hatte. Er hatte dieses Programmheft samt Eintrittskarte aufgehoben, da er anscheinend sehr beeindruckt war ob der Freizügigkeit des Programms. Neben den Größen der französischen Unterhaltungskunst dieser Zeit trat auch die Nackttänzerin Gaby Robert dort auf und dies eben nackt! Das Publikum soll gemischt gewesen sein, neben den deutschen Besatzern auch viele französische Geschäftsleute und Kriegsgewinnler die mit den Deutschen kollaborierten.

Montag, 12. Oktober 2009

B.N. als Fotograf bei den Ballettwettbewerben der DDR




Ich bin kein Theatergänger und leider habe ich es zu DDR-Zeiten verabsäumt viel ins Theater zu gehen, denn Theatervorstellungen waren bekanntlich wahnsinnig preiswert im Verhältnis zu jetzt. Gerade heute schaute ich mal wieder auf die Seite des Dessauer Theaters http://www.www.anhaltisches-theater.de/preisuebersicht und war erschrocken - die billigste Karte 12,50 Euro für eine Vorstellung des Musiktheaters/Balletts? Die Zeiten wo die Kunst für alle Bürger erschwinglich war, die sind vorbei, ins Theater gehen können, heißt wieder, wie schon zu Kaisers Zeiten, zu den Betuchten zu zählen. Vergessen wird ja immer wieder, daß 12,50 Euro für den billigsten Sitzplatz 25,- Mark sind und vergleicht man dann mit den Preisen in der DDR, wo ein solcher Platz 1,- bis 2,- Mark kostete, dann wird das ganze Ausmaß der jetzigen Ausgrenzung breiter Bevölkerungsschichten von der Kultur deutlich.

Wer da nun meint, es würden nur Hartz-IV-Empfänger ausgegrenzt, der irrt, der hat wahrscheinlich nur die horrenden Gehälter der im öffentlichen Dienst tätigen oder deren Pensionen vor Augen. Nein, gerade gestern traf ich einen guten Bekannten, er Anfang 50 und ein hochqualifizierter fleißiger Facharbeiter, vor einigen Jahren verdiente er noch über 2000,- Euro netto, doch durch die vielen Firmenpleiten wurde er wieder und wieder gekündigt und musste immer mieser bezahlte Jobs annehmen. Jetzt hat er gerade mal 750,00 Euro netto monatlich in der Tasche und dies bei einem 12-Stundentag, bei zusätzlichen Bereitschaftsdiensten am Wochenende die nicht mal bezahlt werden. Dies ist die gesellschaftliche Wirklichkeit von der die Bourgeoisie dieses Landes nichts wissen will, stattdessen „tanzt der Kongress“ im übertragenen Sinne.

Nicht nur, daß die Eintrittspreise für Kultureinrichtungen in der DDR staatlicherseits gestützt wurden, unter der Maxime „allseits gebildete Bürger“ haben zu wollen, sondern es gab auch jede Menge an Vorstellungen die von Betrieben oder gesellschaftlichen Organisationen finanziell unterstützt wurden. So konnte günstigenfalls eine Theaterkarte unter einer Mark liegen, von den vielen verteilten Freikarten ganz abgesehen. Nun, ich selbst hätte in den 80er Jahren für die meisten Vorstellungen nichts bezahlen müssen, da ich Freikarten bekommen konnte, da ich freiberuflich als Fotograf tätig war und z.B. bei den Ballettwettbewerben der DDR, die aller zwei Jahre in Dessau am Landestheater ausgetragen wurden, Fotoserien anfertigte.

Ballett gefällt mir von allen Sparten des Theaters sowieso am besten, einmal wegen der Ästhetik und wegen der Kürze der meisten Aufführungen. Schon immer fand ich die meisten Stücke von Schauspiel, Oper oder Operette zu lang und dies schreckte mich deshalb vom Besuch ab. Lieber hörte ich Schallplatten zuhause von Oper, Operette und Musical.

Es war immer eine schöne Woche für mich wenn der Ballettwettbewerb in Dessau stattfand. Ich fotografierte ja nicht vom Zuschauerraum aus, sondern war bei den Proben dabei, stand mit den Tänzern, Tänzerinnen und Choreographen hinter der Bühne (der damalige Inspizient, Herr Morgenthal, machte vieles unbürokratisch möglich), interviewte sie dabei, aß mit ihnen in der Kantine und feierte mit ihnen wenn es etwas zu feiern gab. Diese Woche war zwar anstrengend, aber dennoch hätte ich mit keinem Arbeiter in einer Fabrik oder einem Angestellten in einem Büro tauschen wollen, weil ich diese Arbeit gar nicht als Arbeit ansah sondern als Vergnügen.

In punkto Tanz hatte ich ja schon einige Erfahrungen in früherer Zeit sammeln können, so war ich mit der Tänzerin des Landestheaters Gabriele Bernhard befreundet und einige Mädchen des Zusatzballetts standen ja des öfteren Modell bei meinen künstlerischen Erotikfotografien, die in Ausstellungen und Publikationen einen gewissen Erfolg hatten. 1979 arbeitete ich außerdem fast ein halbes Jahr als Mitarbeiter im Organisationsbüro des Bezirkstanzfestes des Bezirkes Halle. Dieses Büro hatte seinen Sitz im damaligen Dessauer Kreisjugendklubhaus „Majakowski“ und das Bezirkstanzfest fand dann erfolgreich im Dessauer Tiergarten statt. Irgendwann werde ich mal über diese meine Tätigkeit auch im Blog schreiben, schließlich habe ich aus dieser Zeit noch sehr viel an Dokumenten und Fotografien.

Ich habe mal ein paar Unterlagen des 8. Ballettwettbewerbs von 1983 eingescannt, bin mir aber nicht sicher ob die von mir gemachten obigen zwei Fotos aus dem 8. Wettbewerb oder einem anderen Ballettwettbewerb stammen, da ich nie auf der Rückseite das Datum vermerkt habe. Jedenfalls weiß ich noch, daß der abgebildete Tänzer Jörg Lucas den 2. Preis für ausgezeichnete Partnerleistung 1983 für die Darbietung bekam die mein linkes Foto zeigt.