Samstag, 7. März 2015

Dessauer Trauer-und Gedenktag: 7. März

Wie an jedem 7. März eines Jahres, gedenken anständige Dessauer der Zerstörung ihrer Stadt durch angloamerikanische Bomber, besonders der Toten und der für immer geschädigten, die dieses Kriegsverbrechen überlebten. Auch die nach 1945 geborenen Bürger litten noch Jahrzehnte unter den Folgen, die bis heute nicht geheilt sind, denn das alte geschichtsträchtige Dessau versank in Schutt und Asche und auch der jahrzehntelange mühevolle Neuaufbau der Stadt  vermochte nicht die alte Schönheit der Stadt auch nur annähernd wieder herzustellen. 
 

Dessau, Juni 1945, Fotografie von Henri Cartier-Bresson

Dessau am 7. März 1945 ( Auszug aus: http://www.nikoklausnitzer.de/luftkrieg/luftdt.html )

"Der 7. März 1945 und das brennende Dessau ist mir immer gegenwärtig. Diese völlige Zerstörung einer Stadt, der Häuser, Wohnungen und Menschen war schrecklich. Ich bin aus dem Keller meiner Schwester in der Wasserwerkstraße während des Angriffs herausgekommen und sah von einer Erhebung in der Nähe das Inferno. Der Grundriss der Stadt war in Flammen zu sehen, er spiegelte sich im Wolkenhimmel wider. Und überall schreiende und fliehende Menschen. Es war ein grauenhafter Anblick. […]
Arbeiterveteranin Maria Rentmeister-Rettmann" (Olaf Gröhler "Einsatz Nummer 1027 - der Luftangriff auf Dessau am 7.März 1945")

So oder so ähnlich muss es gewesen sein. Es war ein grausamer Anblick, eine Stadt sterben zu sehen. Der Angriff auf Dessau, bekannt unter dem Decknamen "Einsatz Nummer 1027", war einer der sinnlosesten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. So hoffte man, von Seiten der Briten, dass der Faschismus nach dieser Attacke in eine tiefe Krise stürzen würde. So war es schließlich auch kein Wunder, dass sich die Begründungen für die Angriffe auf Dresden, Chemnitz und Dessau in ihren Grundprinzipien sehr ähnelten. So geriet Dessau im Frühjahr 1945 ins Visier des britischen Bomber Command, weil es eine nahezu unberührte Stadt in Mitteldeutschland war, an der man mit neuen Bomben und neuer Technik experimentieren konnte.
Die offizielle Angriffsbegründung für Dessau lautete: "Mit diesem Angriff sollten die Versorgungsgrundlinien des Gegners unterbrochen werden und dazu beigetragen werden, seine Fluchtbewegung aus Berlin zu desorganisieren."(ebenda S. 5)
Der Angriff auf Dessau stand keineswegs in rüstungsindustriellen Zusammenhängen. Er sollte nur zur Unterstützung der Terrorangriffe dienen, die schon seit Anfang Februar auf deutsche Städte geflogen wurden. Die Entscheidung, Dessau anzugreifen, fiel am 7. März 1945. Bereits um 10.40 Uhr erhielten die 1., 3., 6. und 8. Bomber Group den Vorbefehl, sich auf einen Nachtangriff auf Dessau vorzubereiten. Um 11.05 Uhr wurde dieser Vorbefehl bereits bestätigt. Der vorausblickende Wetterbericht vom Mittag für die Nacht über Dessau prophezeite klare Sicht. Nachdem um 14.30 Uhr die Besatzungen der Bomber Group zusammengefasst wurden, ließ man jedes Flugzeug mit 2154 Gallonen (entsprechen 9788 Litern)Treibstoff betanken. Der Befehl für den Angriff auf Dessau kam von Mc Ewens. Er hat auch die Stadt Dessau für den Brandangriff ausgewählt. Das Verhältnis von Spreng- und Brandbomben betrug 45 : 55. Für diese Mission wurden vom Bomber Command 520 Lancaster und 6 Mosquitos gestellt. Der Angriff auf Dessau stand im engen Zusammenhang mit Angriffen auf Hamburg, Heide, Berlin, Frankfurt am Main und Münster. Zwischen 21.45 Uhr und 22.15 Uhr sollten alle Angriffe erfolgen. Der Beginn wurde bei Dessau auf 22.00 Uhr festgelegt, die Dauer sollte 12 Minuten nicht überschreiten. Zwischen 16.45 Uhr und 17.15 Uhr starteten die Bombenflugzeuge von ostenglischen Flugplätzen. Der Deckname dieser Operation lautete "Shad", was so viel wie Maifisch bedeutet. Der Angriff wurde durch die deutsche Luftverteidigung erheblich erschwert. Bereits 19.28 Uhr wurden die britischen Flugzeuge durch die Luftabwehr erfasst und ins Visier genommen. So verloren die Briten vor den Bombardierungen schon 18 Lancasters. Ab 20.20 Uhr leisteten die Deutschen erhebliche Gegenwehr. Mit 200 Flugzeugen der 13. Jagdgruppe wurden einige britische Bomber vom Himmel geholt. Letztendlich starteten vom Norden aus circa 500 Bomber den Direktanflug auf Dessau. Zunächst wurden Staniolstreifen abgeworfen, um die deutsche Radarabwehr zu schwächen. Bereits um 21.49 fielen die ersten Luftminen. Der eigentliche Angriff begann aber erst 21.56 Uhr mit dem Markierungsverfahren. So wurden rote Himmelsmarkierungen abgeworfen, die im Herabfallen grüne Funken ausstießen. Trotzdem war das Ausleuchtungs- und Markierungsverfahren ein totaler Misserfolg. Zum einen, weil das Wetter nur ein Blindmarkieren zuließ und zweitens, weil durch Scheinmarkierungen der Deutschen die britischen Leuchtzonen und Angriffspunkte verschoben wurden. Der einzige Vorteil der Briten bestand darin, dass die deutsche Luftabwehr den Angriffen kaum etwas entgegen zu setzen hatte. Als 22.04 Uhr die Wolkendecke aufriss trat eine Wende im Luftkampf ein. Die Stadt war durch mehrere lodernde Feuer und den Flussverlauf der Elbe nun deutlich zu erkennen. So ist es auch kein Wunder, dass der Angriff auf 45 Minuten ausgedehnt wurde. In dieser Zeit wurden 744 Tonnen Sprengbomben und 949 Tonnen Brandbomben auf die Stadt geworfen. Nach den Angriffen schickte man noch eine Mosquito zur "Sirenentour" über Dessau. Es sollte die deutsche Bevölkerung noch einmal verängstigen und in ihre Keller zurücktreiben und damit die Lösch- und Aufräumarbeiten behindern.
Insgesamt fanden in der Zeit vom 20.08.1940 bis zum 07.03.1945 18 Luftangriffe auf Dessau statt. Die Angriffe hinterließen 3.4 Millionen Kubikmeter Trümmer, was einem Zerstörungsgrad von 80% entspricht.

Bisherige Beiträge dazu:

http://barrynoa.blogspot.de/2009/03/das-bombeninferno-des-7-marz-1945-in.html     
http://barrynoa.blogspot.de/2009/03/nachtrag-zum-bombeninferno-des-7-marz.html 
http://barrynoa.blogspot.de/2010/07/dessau-torten-fotos-vom-bombeninferno.html  
http://barrynoa.blogspot.de/2012/03/erinnerung-den-bombenterror-des-7marz.html  
http://barrynoa.blogspot.de/2013/03/dessauer-trauertag-7-marz-1945.html  
http://barrynoa.blogspot.de/2014/03/7-marz-1945-85ige-zerstorung-der-stadt.html
http://axel-hausmann.de/sites_berichte/einsatz%201027.htm  
http://wetterschaf.blogspot.de/2014/03/69-jahre-sind-vergangen.html

Donnerstag, 5. März 2015

Landschaften von Paul Riess (1857-1933)

In Fortsetzung meiner kleinen Blogreihe über den Dessauer Maler Paul Riess (1857-1933), hier noch 4 weitere kleine Oelbilder des Malers. Wenn man bedenkt, daß Riess nach eigener Überlieferung weit über 400 Oelbilder erwähnte, die er gemalt hat, dann sind die wenigen Bilder die ich hier vorstellte, nur ein Bruchteil seines oelbildnerischen Schaffens.
 



 

Die bisherigen Beiträge über Paul Riess:
http://barrynoa.blogspot.de/2014/05/paul-riess-fruhling-im-anhaltland.html
http://barrynoa.blogspot.de/2014/05/paul-riess-alte-solitareiche-in-anhalt.html
http://barrynoa.blogspot.de/2014/05/paul-riess-der-sieglitzer-waldpark-und.html
http://barrynoa.blogspot.de/2014/10/paul-riess-anhaltische-winterlandschaft.html
http://barrynoa.blogspot.de/2015/01/herbstgold-von-paul-riess-1857-1933.html

Grete Köhler-Zille über ihren Vater Heinrich Zille

Beim Blättern in alten Atze-Heften, da fand ich nun auch noch den 2. Teil des Beitrages der Grete Zille über ihren Vater Heinrich Zille in der Reihe „Kämpfende Kunst“. Der Vollständigkeit halber habe ich diese 2 Seiten auch noch eingescannt, sie stammten aus dem Atze-Heft 9 von 1966. Der 1. Teil ist zu finden in diesem Blogbeitrag: http://barrynoa.blogspot.de/2015/02/heinrich-zille-in-der-kinderzeitschrift.html


 

Dienstag, 3. März 2015

Die "armen" Lehrer wollen um mehr Lohn streiken !!!



Haben Sie schon davon gehört, daß die Lehrer in Deutschland um mehr Lohn streiken wollen? Diese Berufsgruppe ist aber auch arm dran, oder? Es sind doch Hungergehälter, welche die Lehrer bekommen, oder? 

„Zum bundesweiten Durchschnittsgehalt hat die Kultusministerkonferenz (KMK) einen Schätzwert veröffentlicht. Demnach bekommen Lehrer, die an öffentlichen Haupt- und Realschulen unterrichten, am Berufsanfang durchschnittlich 45.000 Euro, nach 15 Jahren im Dienst knapp 55.000 Euro und am Ende ihrer Laufbahn fast 60.000 Euro im Jahr. Deutschland liegt damit deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. 
(Quelle: Spiegel-TV vom 27.3.2013)

Ach „nur“ durchschnittlich 55.000 Euro „nur“ im Jahr, nicht mal im Monat? Das ist ja wirklich erbarmungswürdig, das sind ja durchschnittlich „nur“ ein paar Kröten über 4.000 Euro im Monat! Ja, da muß natürlich gestreikt werden, denn das ist ja wirklich zum Verhungern, oder? 

Wer muß das Ganze bezahlen? Der Steuerzahler natürlich! Und da die Lehrer-Sippschaft es versteht so kräftig abzusahnen, da bleibt natürlich für die vielen Armen in unserem Land nichts mehr übrig vom großen Kuchen. Übrigens, auch die Pensionen der verbeamteten Lehrer müssen wir Bürger aus unserem Steueraufkommen bezahlen, alle, denn auch die Ärmsten der Armen werden durch die Mehrwertsteuer auf alle Waren zur Kasse gebeten. Was so ein Lehrer an Pension jeden Monat abkassiert, siehe hier:

Das Gehalt ist das eine - bei der Pension geht es weiter. Ein verbeamteter Gymnasiallehrer in Niedersachsen kann mit 2.800 Euro Pension im Monat rechnen - das ist mehr als mein Einstiegsgehalt BRUTTO!!! als Ingenieur war...
(Kommentar unter dem Spiegel-TV-Beitrag auf der online-Seite von Spiegel-TV)

Armes Deutschland kann man da nur sagen, in welchem solche Zustände der sozialen Ungleichheit herrschen. Wer da immer noch die widerliche Fahne Schwarz-Rot-Gold hochhält, der ist entweder einfältig oder er zählt zu den Profiteuren dieser Bundesrepublik Deutschland. Bei Demos gegen die Zustände in Deutschland sieht man zum Glück immer weniger die Schwarz-Rot-Gold-Fahne, sondern die:


Diese „neue“ deutsche Fahne wurde von Josef Wirmer, der zum Unterstützerkreis des Attentats auf Adolf Hitler durch Claus Graf Schenk von Stauffenberg gehörte, entworfen.  Er entwarf 1944 aus den Reihen des Widerstandes ein neues Nationalsymbol: Eine Flagge, die ein schwarzes, golden gefasstes Kreuz mit leicht zum Mast verschobenen Querbalken auf rotem Grund zeigte. Die Fahne ist auch als Widerstandsflagge oder Stauffenberg-Flagge bekannt. Die Farben stellen einen Bezug auf die Revolutionäre des 19. Jahrhunderts gegen Napoleon dar, die die Flaggenfarben, die sie "Dreifarb" nannten, als Kleidung trugen. Außerdem handelt es sich zudem um die gleichen Farben, die bereits die Reichsflagge des Heiligen Römischen Reiches besessen hatte.

Arme alte Frau mit großem Herzen für hungrige Tauben


Ein wunderbares Foto eines mir unbekannten Fotografen!

Daß dieses Foto nicht in Deutschland gemacht wurde, dies sieht man nicht nur an der Kleidung der alten Frau, sondern man erkennt es auch daran, weil das Taubenfüttern in dem tierfeindlichen Deutschland in vielen Städten verboten ist und dort wo es noch erlaubt ist, da ist es nicht mehr Sitte Tauben zu füttern, sondern es wird allgemein geächtet.

Ein Volk kann man auch danach beurteilen wie es mit Tieren umgeht und da kann man die Deutschen vergessen. Statt Tauben zu füttern, da tragen immer mehr Deutsche Pelzkragen und Bommel aus Pelz von gemarterten Tieren, die zu Millionen für die Deutschen ein elendes Leben und einen noch elenderen Tod sterben müssen. Das deutsche Gesindel, welches diese Pelze trägt, fühlt sich dabei noch anderen Völkern überlegen und oft als Gutmenschen. Besonders widerlich die Typen, die auf Demos gehen, wo es darum geht, gegen angebliche Rechte Flagge zu zeigen und die aber keine Skrupel haben dabei Pelz zu tragen.

Was für ein Lichtblick dagegen, diese alte Frau, die nach der Kleidung zu urteilen, auch eine sehr arme alte Frau ist, die aber Herz hat und ihr kärgliches Brot mit Tauben teilt. Daß dies nicht einmalig ist, dies sieht man daran, daß die Tauben die alte Frau schon kennen und sich vertraut auf ihr niederlassen. Diese alte Frau ist 1000 mal mehr ein wertvollerer Mensch, als all die widerlichen gestylten Typen, die man jetzt mehrheitlich auf den Straßen der deutschen Städte sieht, wie sie geschäftig hin und her eilen oder wie sie affektiert „shoppen“ und dabei an einer bettelnden Stadttaube achtlos vorbei gehen.

Hier einige Blogbeiträge und im letzten Link eine lesenswerte Leserzuschrift zum Thema Tauben und „Tierliebe“ der Deutschen:




 


 

Sonntag, 1. März 2015

Das Schulbuch für das Fach Musik "Komm, sing mit" von 1957 - Teil 2 (Schornsteinfeger[un]wesen)

In meinem Blogbeitrag über mein altes Schulbuch für Musik der 1. bis 4. Klasse, da hatte ich auch ein Beispiel eines Liedes eingescannt, welches mit dem Alltag verbunden war, so wie er in den 50er Jahren erlebt wurde, das Lied vom Schornsteinfeger
(http://barrynoa.blogspot.de/2015/02/das-schulbuch-fur-das-fach-musik-komm.html): „Schornsteinfeger, Schornsteinfeger, komm ins Haus und kehre aus“.



Die Zeichnung neben den Noten zeigt einen Schornsteinfegergesellen, wie man an seiner Kopfbedeckung sehen kann. Bekanntermaßen war und ist das Schornsteinfegerwesen streng zunftmäßig gegliedert, auch damals im Sozialismus war das so. Der Schornsteinfegergeselle, der mußte die Arbeit machen und der Schornsteinfegermeister, der kassierte das Geld. Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war also im Sozialismus keinesfalls abgeschafft.

Wie aus einer alten Zeit mutete und mutet noch heute die Kleidung der Schornsteinfeger an, besonders der Zylinder auf dem Kopf der Meister dokumentiert, wer hier der Herr ist und wer der Knecht (siehe die einfache Kappe der Gesellen). Zu DDR-Zeiten waren, wie auch heute noch, die Kehrbezirke fast schon erblich und so ein damaliger „Bezirksschornsteinfeger“, der hatte finanziell ausgesorgt, während der die Arbeit machende Geselle nur ein dürftiges Gehalt bekam. Kaum ein Bezirksschornsteinfegermeister wohnte in einer einfachen Wohnung, oft waren es teure Villen und besonders ab den 60er Jahren war allgemein bekannt, daß die Stasi immer mitlief, wenn so ein Meister eine Wohnung oder ein Haus zwecks Ofenbeschau besichtigte. Verständlich, denn einen Schornsteinfeger muß man bis in jetzige Zeit ins Haus lassen und er kann sich jeden Raum genau anschauen. Ideal zu allen Zeiten für Spitzelei im Dienste des Staates, deshalb auch bis heute eine „hoheitliche Aufgabe“ des Staates, im Gegensatz zu den anderen Handwerksdienstleistungen.

Allerdings, im Gegensatz zu den unmöglichen Zuständen heutzutage, wo horrende Summen an den Schornsteinfeger zwangsweise bezahlt werden müssen für sinnlose Messungen der CO2-Abgase an allen möglichen Thermen, die das Weltklima nicht retten werden, sondern einzig und allein dazu geschaffen wurden, um den Schornsteinfegern weiterhin ein fettes Einkommen zu sichern, nachdem immer weniger mit Kohle und Holz heizen, sondern mit Öl oder Gas und natürlich die grünen Großmachtfantasien der Mainstreampolitiker befriedigen, die meinen ein so kleines Land wie Deutschland könne durch diesen Mumpitz mit Geldschneiderei das Weltklima beeinflussen, da ging es zu DDR-Zeiten noch nicht so sinnlos zu. Neuerdings kommen außer den Abgasmessungen turnusmäßig noch sogenannte „Feuerstättenbeschauen“ als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für den Schornsteinfeger dazu. So leicht kann man also in Deutschland sein Geld verdienen, wenn man denn auf so einer Stelle sitzt. Allerdings sollte man sich bei so einer Arbeitsstelle gegenüber dem herrschenden System immer schön konform verhalten und nicht wie vor einiger Zeit geschehen, etwa als Mitglied der NPD, in einer nicht verbotenen Partei, politisch in seiner Freizeit tätig sein. Ein Schornsteinfegermeister bekam nur deshalb Berufsverbot! Soviel zur angeblichen Freiheit im heutigen Deutschland!

Für den Kaminkehrerkunden war es zu DDR-Zeiten einfacher und viel preiswerter, denn solche sinnlosen Abgasmessungen und Beschauen gab es nicht, die jetzt mächtig teuer sind und das reine Schornsteinfegen, das war auch preiswert. Ein paar Mark kostete so eine Kehrung und nachdem der Geselle gekehrt hatte, dann ging ein paar Tage später der Meister von Tür zu Tür und kassierte gleich in bar ab. Man sparte sich den Weg zur Bank und das Ausfüllen der Überweisung. Besonders für alte und kranke Menschen lebte es sich also zu DDR-Zeiten viel bequemer. Das wird allerdings unter den Teppich gekehrt und immer nur das Negative zu DDR-Zeiten kommt aufs Tapet.

Ich kann mich noch gut an den Bezirksschornsteinfegermeister von Ziebigk in der alten DDR-Zeit erinnern, ein kleiner alter dicker Mann mit dem besagten Zylinder auf dem Kopf und als Kind stellte ich fest, daß der doch nicht mehr auf eine Leiter klettern könne, geschweige denn auf ein Spitzdach klettern könne, um dort den Schornstein zu kehren. Aber das brauchte er ja auch nicht, dazu hatte er ja seinen Gesellen. Schon merkwürdig, daß bis heute diese dubiose und den Kunden zwangsweise absahnende Berufsgruppe als Glücksbringer gilt und allgemein geachtet wird, wie man auch in einem weiteren Lied in meinem alten Schulbuch sehen kann: „Der Schornsteinfeger meint es gut“, diesmal mit des Bezirksschornsteinfegermeisters-Zylinderhut in der Zeichnung!
 
 

Markus Günther: Nichts ist so gut, wie das Gefühl gegen Rechts zu kämpfen

Ein lesenswerter Kommentar von Markus Günther zu einem FAZ-Artikel vom 12. Februar 2015:

Nichts tut so gut, wie das Gefühl gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Doch hinter der eifrigen Lust, überall die braune Gefahr aufzuspüren, verbergen sich gefährliche Selbsttäuschungen.

Von Markus Günther :

Wolfgang Thierse ließ sich nicht lumpen. Er kam eigens aus Berlin angereist, um das selbstlose Engagement in dem unscheinbaren Örtchen Teterow im Landkreis Rostock zu würdigen. Er lobte die „klare Positionierung gegen Rassismus und Ausgrenzung“, und er versäumte es nicht, darauf hinzuweisen, dass Rechtsextremismus „gerade im ländlichen Raum eine ernstzunehmende Gefahr“ ist. Auch Sylvia Bretschneider, die Landtagspräsidentin, kam nach Teterow und sprach von einem „Ereignis, das seinesgleichen sucht“, und pries das „klare Zeichen gegen Ausgrenzung und menschenverachtendes Verhalten“. Dann konnte es endlich losgehen. Mit kompromissloser Entschlossenheit legte die Politikerin den Ball auf das Tee und eröffnete mit einem beherzten Abschlag das Turnier „Golf gegen Rechts“. Der deutsche Antifaschismus stößt in immer neue Dimensionen vor.

Oft heißt es, Deutschland sei das Volk der Frührentner, der Schadenfrohen, der Besserwisser. Alles Unsinn. Es ist ein Volk von Antifaschisten oder vielleicht besser: der Gegen-Rechts-Aktivisten. Denn Rechts heißt das Zauber-, Schmäh- und Schlusswort schlechthin. Mehr muss man gar nicht sagen und auch nicht wissen. Rechts? Alles klar. Sattelt die Pferde!

Über 200 Initiativen im Kampf „gegen Rechts“ verzeichnet die Bundeszentrale für politische Bildung schon heute, und seit es die AfD und Pegida gibt, werden es immer mehr. Warum, ist klar. Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.

Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.

Das Repertoire ist beträchtlich: Es gibt den Rock gegen Rechts und das Rappen gegen Rechts, natürlich singen und schreien gegen Rechts, aber auch Faschingskostüme gegen Rechts und Fußballspiele gegen Rechts. Die „Grüne Jugend“ in Hamburg lädt regelmäßig zum „Feiern gegen Rechts“, ein politisches Angebot, das übrigens von den jungen Leuten sehr gut angenommen wird, und die Kinder der Klasse 7b des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums im westfälischen Warendorf tanzen sogar gegen Rechts – früh übt sich, was ein Antifaschist werden will. Schwer messbar ist dagegen der Erfolg der mutigen Kampagne der DGB-Jugend in Dortmund: „Kein Sex mit Nazis“. Und womöglich vermischen sich unterschiedliche Beweggründe bei der Berliner Initiative „Laut ficken gegen Rechts“.

Zu den pfiffigsten und meistgepriesenen Initiativen gehört die von einem Regensburger Kneipenwirt gestartete Kampagne „Wir bedienen keine Nazis“. Die Idee bestand darin, dass jeder anständige (also: antifaschistische) Wirt über dem Tresen ein Schild aufhängen sollte, das klipp und klar signalisiert: Nazis sind hier nicht willkommen, hier saufen nur anständige Deutsche (und gegebenenfalls ihre ebenso anständigen ausländischen Mitbürger). Die Story wurde dermaßen hochgejubelt, dass sich bald Hunderte von bayerischen Wirten anschlossen und jeder, der sich weigerte, das alberne Schild aufzuhängen, dem Verdacht ausgesetzt war, er freue sich wohl auf Nazis an seinem Tresen.

Kein Bier für Nazis? Geht’s noch? Woran erkennt man die denn, die Nazis, wenn sie eine Kneipe betreten? Soll ich vor der Bestellung meines Radlers eine Ehrenerklärung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ablegen? Oder für Vielfalt und Willkommenskultur? Stehe ich in bayerischen Kneipen unter Nazi-Verdacht, weil ich mir mein klägliches Resthaar aus Verzweiflung kurz geschoren habe?

Der ungeheure Erfolg der Initiative bestand natürlich nicht darin, dass alle Nazis in Bayern auf Kräutertee im heimischen Wohnzimmer umgestiegen wären. Sondern darin, dass die Initiatoren selbst mit Anerkennung überhäuft wurden und einen Menschenrechtspreis nach dem anderen abräumten. Auch katholisch.de, die offizielle Internetseite der katholischen Kirche, bejubelte „Keine Bedienung für Nazis“ als volkspädagogisch besonders wertvoll und stellte fest, es handele sich um einen „Exportschlager“ – denn bald wollten auch die Wirte in Schleswig-Holstein und Sachsen den Aufkleber, weil sich herumgesprochen hatte, dass man damit in die Lokalpresse kommt, und weil es jetzt alle machen und überhaupt. Die evangelische Kirche setzte gleich ein Zeichen gelebter Ökumene und verlieh den Wirten gegen Rechts den Martin-Luther-Preis. Die aberwitzige Pointe ist, dass die falschen Antifaschisten so mit einem Preis geehrt wurden, der nach einem echten Antisemiten benannt ist.

Oder ist das sogar mehr als nur eine Pointe? Könnte es sein, dass hinter dem ganzen antifaschistischen Eifer noch etwas anderes steckt: die Sehnsucht nach Entsühnung? Sind wir nicht alle historisch exkulpiert, wenn wir nur in der Gegenwart anständige Antifaschisten sind?

Sicher, hier stößt die schönste Polemik an ernstzunehmende Grenzen. Denn aus der historischen Schuld einen Auftrag für die Zukunft zu machen ist natürlich nicht falsch, sondern zwingend notwendig. „Nie wieder!“ und „Wehret den Anfängen!“ sind heute so richtig und wichtig wie eh und je. Doch die Frage ist: Was genau heißt das eigentlich? Was ist Antifaschismus? Wie lässt sich die historische Erfahrung eines Totalverlustes aller moralischen Maßstäbe auf die politische Gegenwart übertragen? Mit Rock gegen Rechts? Mit Sprüchen wie „Nazis raus“? Wohl kaum.

Hinter dem antifaschistischen Eifer stecken gefährliche Selbsttäuschungen. Lupenrein und lehrbuchhaft zeigt sich hier der Dreiklang neurotischer Störungen: Verdrängung, Abspaltung, Übertragung. Denn das ist ja das einzig greifbare Ergebnis des ständig medial angefeuerten Antifaschismus: Schuld und Verantwortung liegen bei den anderen, man kann sie weit von sich schieben und sich einbilden, man habe mit alldem nichts zu tun. Kein Wunder, dass kleine Kinder, wenn sie das erste Mal von „Nazis“ hören, an Tiere oder Außerirdische, mindestens aber an Ausländer denken. Im Geschichtsbewusstsein der Heutigen klingt es ja auch immer gleich so, als seien diese schlimmen Nazis eines Tages von außen über Deutschland hereingebrochen wie eine Heuschreckenplage. Verhallt ist dagegen die eindringliche Mahnung Klaus von Dohnanyis, Sohn des 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi, über Hitler wie über ein Mitglied der eigenen Familie zu denken und nicht wie über ein Monster: „Hitler war eine Katastrophe, aber keine Naturkatastrophe.“ Er müsse, wohl oder übel, „unser Hitler“ bleiben. Noch radikaler war nur Max Picard, der schon 1946 die – leider längst in Vergessenheit geratene – Frage nach „Hitler in uns selbst“ stellte. Da wird es dann ungemütlich.

Es ist viel leichter, „Nazis raus“ zu brüllen, als der Frage auf den Grund zu gehen, wie widerstandsfähig das eigene Gewissen heute ist und ob es nicht schon in den kleinsten Herausforderungen des Alltags, zumal im Unternehmen, am Arbeitsplatz, unter dem Erwartungsdruck einer sozialen Gruppe oder eines Vorgesetzten, allzu oft den Weg in den kommoden Selbstbetrug weist. Selbst die ganz naheliegende Frage, was Vater oder Großvater damals eigentlich genau gemacht haben, ist in den meisten Familien bis heute unbeantwortet. Makrohistorisch ist das „Dritte Reich“ gründlich untersucht worden; im Mikrokosmos der eigenen Familie dominieren bis heute Vergessen, Verdrängen, Verleugnen. Könnte der antifaschistische Eifer der Nachgeborenen auch damit zu tun haben?

Doch es gibt noch ein anderes Problem: Der Kampf gegen Rechts braucht immer neue Nahrung. Er muss immer neue Objekte finden, die sich für Ableitung und Übertragung eignen – oder eben passend gemacht werden. Da es aber echte Nazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Rassisten nicht in ausreichender Zahl gibt, geraten auch Akteure und Strömungen ins antifaschistische Visier, die sich nur schwer unter den Begriff Rechts bringen lassen. Da verwischen dann schnell mal die Unterschiede zwischen NPD und AfD, da steht der konservative Flügel der CSU unter Faschismusverdacht, und Thilo Sarrazin liegt auf der Linie von Jean-Marie Le Pen. Auf Details kommt es nicht an. Wo antifaschistisch gehobelt wird, fallen sehr grobe Späne.

Stolz und frohgemut berichtete die Berliner „Antifa“ vor wenigen Monaten, dass sie eine Apotheke in Neukölln gründlich demoliert habe. Der Besitzer hatte öffentlich mitgeteilt, aus Gewissensgründen keine „Pille danach“ abzugeben. Dem „Moralisten, Fundamentalisten und Faschisten“ hat es die Antifa dann mal richtig gezeigt. Auch dem „Bundesverband für Lebensrecht“ in Berlin haben die wackeren Antifaschisten in bester deutscher Tradition die Schaufenster zertrümmert und Parolen auf die Hauswand gesprüht. Abtreibungsgegner beim jährlichen „Marsch für das Leben“ werden immer wieder von Gegendemonstranten als Faschisten beschimpft. Jeder, der ein rohes Hühnerei in die Demo wirft, darf sich einmal fühlen wie Stauffenberg im Kampf gegen Hitler – doch der Vergleich hinkt: Stauffenberg war ja auch irgendwie Rechts, oder?

Bei dem zwanghaften Versuch, immer und überall die braune Gefahr aufzuspüren (um sich dann in moralischer Empörung dagegen auflehnen zu können), kommt es immer wieder zu wüsten gedanklichen Verirrungen und haarsträubenden Fehlurteilen. Da ist dann schnell mal der Jude Benjamin Netanjahu ein Faschist, weil er die Palästinenser drangsaliert, aber auch Barack Obama ist einer, weil er mit Drohnen gegen Terroristen kämpft, die ihrerseits auch irgendwie Rechts sind, weil sie ja die Juden und die freie Welt hassen. Wladimir Putin ist sowieso Faschist, weil er die Krim annektiert und was gegen Schwule hat. George W. Bush, überhaupt die Republikaner in den Vereinigten Staaten, erst recht die Tea Party – der Begriff Faschismus hat sich unendlich ausgedehnt und dabei einen enormen Werteverfall erlebt.

Mitunter nimmt der Wunsch, sich in die Pose des Kämpfers gegen Rechts zu werfen, geradezu pathologische Züge an wie im Fall des im Januar ermordeten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray. Der zwanzig Jahre alte Mann aus Eritrea war in Dresden erstochen worden, und weil Dresden die Hauptstadt von Pegida ist, gingen 3000 Menschen ohne jede Kenntnis über Tat und Täter auf die Straße, um „Pegidas erstes Todesopfer“ zu beklagen. Volker Beck von den Grünen erstattete sogar unverzüglich Strafanzeige gegen die Kripo, die er mit den rassistischen Mördern irgendwie im geheimen Bunde wähnte. Auch hielt Beck es für denkbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Polizisten die Spuren der rassistischen Tat verwischt hätten.

Als dann ein Landsmann des Mannes den Mord gestand, ließen sich die Demonstranten davon kaum aus dem Tritt bringen und behaupteten trotzig: „Rassismus tötet!“ Vielleicht nicht direkt, aber indirekt, denn schließlich führten die schlechten „Unterkünfte für Asylbewerber, die rassistischen Polizeikontrollen und das fehlende Freizeitangebot“ – so die „Alternative Dresden“ in einer Erklärung – zur Traumatisierung der Bewohner und dann, im Einzelfall, logischerweise auch zu Gewalttaten unter Asylbewerbern. So ist die antifaschistische Welt am Ende doch wieder in Ordnung – und der Kampf gegen Rechts, so stellt man selbstzufrieden fest, ist auch hier wieder ein mutiges und notwendiges Zeichen gewesen, ja ein unmissverständliches Signal, dass man den Rechten nicht weichen wird.

Bleibt zum Schluss nur noch nachzutragen, wie das Turnier „Golf gegen Rechts“ ausging. 4100 Euro kamen an Startgeldern und Spenden zusammen und konnten dem FC Rostock für Trainingsprogramme zur Verfügung gestellt werden, in denen bevorzugt Kinder aus Asylbewerberheimen Fußball lernen sollen. Golf als Zweitsport kann ja später noch hinzukommen. Und das jährliche Turnier „Golf gegen Rechts“ hat sich um den „New Golf Award 2015“ beworben. Ausgezeichnet werden dabei die innovativsten Ideen für ein neues Golf-Turnier.

Kein Happy End war dagegen den Regensburger Wirten im Kampf gegen Nazis am Tresen vergönnt. Über die Frage, wem von ihnen die Preisgelder aus den zahlreichen Zivilcourage-und Menschenrechtspreisen zustehen, gerieten sie in Streit und prozessierten gegeneinander vor Gericht.

Markus Günther