Donnerstag, 8. Oktober 2009

C. Hoepner ?


7. Oktober 2009, heute vor 60 Jahren wurde die DDR gegründet! Eigentlich unfaßlich, daß dieser jahrzehntelang in der DDR groß gefeierte Tag nun ein ganz normaler Tag geworden ist. Wo sind sie bloß alle geblieben, die Millionen von Parteimitglieder der SED die damals so lauthals ihre Treue zum SED-Sozialismus bekundeten und Andersdenkende diskriminierten und schikanierten? Die SED eine Horde von Opportunisten welche nur ihren persönlichen Vorteil durch Anbiederung an das herrschende System haben wollten? Nun, das kennt man ja, fast alle die damals am meisten auf die rote Pauke hauten oder gar als Stasispitzel Menschen Unglück brachten nur weil sie vermeintlich nicht so „treu“ zum SED-Staat standen wie angeblich sie selber, die waren bekanntlich die ersten die nach der Wende ihre „marxistisch-leninistische Weltanschauung“ wegwarfen wie einen alten Mantel. Vorbei - der 7. Oktober ist also kein Feiertag mehr, ja nicht mal ein Tag wo irgend jemand erwähnt, daß dieser Tag mal ein Feiertag war!

Ein normaler 7. Oktober ist dieser Tag heute aber auch nicht, denn so schwülwarm wie heute ist mir kein einziger 7. Oktober-Tag in Erinnerung. Fliegen und Mücken schwirren herum wie im Hochsommer nach einem Gewitter. Ja und sogar zwei Hummeln sah ich noch munter von Blüte zu Blüte fliegen. Also ich mag sie, diese behaarten dicken Brummer, jedenfalls sind sie mir irgendwie sympathischer als Bienen oder natürlich gar Wespen. Eine kolorierte Radierung befindet sich seit Jahren in meinem Besitz, die ich eben wegen der hübschen Hummeln und wegen der filigranen Art der Grafik sehr mag, signiert mit C. Hoepner. Ja und diese oder diesen C. Hoepner finde ich in keinem Kunstlexika. Schade, denn ausgehend von diesem Blatt bin ich schon der Meinung, daß C. Hoepner ein guter Künstler oder eine gute Künstlerin war. Von der Beschaffenheit des Papiers zu urteilen, stammt das kleine zauberhafte Kunstwerk aus den 30er Jahren und es ist deshalb anzunehmen, daß sein/e Schöpfer/in nicht mehr lebt. Weiß jemand mehr zu C. Hoepner? Also mich würde es freuen mehr über diese/n mir unbekannte/n Künstler/in zu erfahren.

Dienstag, 6. Oktober 2009

B.N. und Olaf Rammelt


Dieser Tage bekam ich eine Email von dem Dessauer Grafiker Olaf Rammelt:

„Ich grüße Dich, Bernd! Als ich eben unter Kieser-Maruhn recherchierte, fand ich deinen Blog und was du so machst bzw. schreibst. Sag mal Bernd, hast du weitere Bilder von dem Hasenbrunnen? Ich weiß, dass es auch eine Kleinplastik als Hasen gab. Einige Arbeiten haben wir; mein Vater schätzte Ihre Werke sehr und wir nicht minder. Auch sind wir dabei die Bärengruppe "Kienfichten"zu restaurieren, da sie Gottseidank vor dem Totalschaden gerettet werden konnte……..“

Jahrzehnte hatten wir uns nicht mehr gesehen, aber alte Freundschaften rosten bekanntlich nicht und alte Zeiten wurden wieder in mir wach. Nach einem ausführlichen Telefongespräch, wo wir uns darüber austauschten was wir so in der Vergangenheit gemacht haben, kamen wir zu seinem Anliegen, dem Hasenbrunnen von Kieser-Maruhn, den die Rammelts wieder auferstehen lassen wollen, siehe dazu den Beitrag in meinem Blog:

http://barrynoa.blogspot.com/2008/05/knstlerfamilie-kieser-der-waldkater-und.html

Leider, leider konnte ich Olaf nicht mit einem Foto des Hasen dienen, nehme es aber zum Anlaß hier im Blog die Leser anzufragen, ob sie im Besitz eines weiteren Fotos dieser Hasenplastik sind. Vielleicht kramen Sie mal in ihren alten Fotoalben nach und finden so ein Foto? Ein Scan davon reicht schon und gern können Sie mir diesen zusenden (
anhaltantik@yahoo.de), ich würde diesen dann schon an Olaf Rammelt weiterleiten.

Olaf Rammelt kenne ich durch den Klub der Intelligenz (siehe:
http://barrynoa.blogspot.com/2008/05/in-schner-erinnerung-der-klub-der.html ) . Er war wie ich dort in den 70er Jahren Stammgast und sehr aktiv in der Klubarbeit. Besonders die Jugendarbeit lag ihm am Herzen. Ich habe auch noch ein Foto welches ich mal machte wo er mit Jugendfreunden des VEB Gasgerätewerk Dessau feierte und er mich bat zu fotografieren (Olaf Rammelt sitzt da rechts am Tisch). Irgendwann schenkte er mir auch mal die oben abgebildete erotische Grafik. Darüber hatte ich mich insofern gefreut, da ich schon Bilder seines Vaters Heinz Rammelt, u.a. ein kleines Aquarell (letztes Bild) in http://barrynoa.blogspot.com/2008/05/in-schner-erinnerung-der-klub-der.html , den ich sehr schätzte und zu dem ich einen guten Kontakt hatte, erworben hatte. Für diejenigen Leser des Blogs, die die „Künstlerdynastie“ Rammelt-Hadelich nicht kennen: Olafs Schwester ist die bekannte Schauspielerin Annekathrin Bürger (Ehemann Rolf Römer), Olafs Bruder ist der Dessauer Zinnfigurenexperte Jörg Rammelt und Olafs Frau ist die Künstlerin Christine Rammelt-Hadelich (Brunnenfiguren am jetzigen Stadtparkbrunnen in Dessau und viele Werke an Kleinplastiken und Töpferkunst). Diese ist nun wiederum die Tochter des Künstlerehepaares Martin und Irmela Hadelich von denen ich auch Kleinplastiken besitze, siehe auch meinen Beitrag in der damaligen LDZ:
http://barrynoa.blogspot.com/2008/01/altes-bn-als-reporter-bei-der-ldz-teil_21.html

Montag, 5. Oktober 2009

Dessau-Waldersee: Das Anwesen des Barons von Bodenhausen











Gestern war Erntedankfest – Anlaß für eine „christliche“ Einrichtung in Dessau-Waldersee einen Festschmaus für bedürftige Bürger zu veranstalten – Lammbraten! Nun die Veranstalter und die Esser werden die Lämmchen lebend nicht gesehen haben, sonst hätten sie wohl kaum diese unchristliche Herzlosigkeit des Essens eines Lammes an den Tag gelegt. Ein Lamm, welches quasi noch ein tierisches Kind ist, zu schlachten und zu essen, dies gehört meiner Meinung nach zu den Dingen absoluter religiöser Perversion - abstoßend hoch drei!

In Waldersee, neben der Gärtnerei der diakonischen Einrichtung „Bethanien“ in Dessau-Waldersee, da befindet sich das frühere Haus derer von Bodenhausen, zu dem ich eine besondere Beziehung habe, hatte doch meine Großmutter dort im Kaiserreich bei dem seligen Baron von Bodenhausen als ganz junges Mädchen eine Anstellung. Als ich Kind war sprach sie noch immer begeistert von dieser Zeit und von der großmütigen und wunderbaren Herrschaft und dem kulturvollen Leben dort. Zu DDR-Zeiten kannte ich das Gebäude als Konsum-Verkaufsstelle und es machte da einen guten Eindruck. In der Endzeit der DDR verfiel das Gebäude zusehends, war aber noch intakt wie meine von mir gemachten schwarzweissen Fotos zeigen. Sogar der Pavillon in dem angrenzenden Park war noch vorhanden. Ja und jetzt im Jahre 2009, 20 Jahre nach der Verheißung der „blühenden Landschaften“? Der Park ist ganz weg und die wunderbaren Gebäude machen einen mehr als vergammelten Eindruck. Schade um dieses schöne Anwesen!

Heute machte ich die Fotos vom jetzigen Zustand des Gebäudes. Neugierig und überaus freundlich kamen die neben dem Haus grasenden Schafe an und wollten von mir gestreichelt und gekrault werden. Kluge Tiere, finde ich, und im Wesen sehr angenehm. Menschen die Tiere nur nach dem Geschmack ihres Fleisches beurteilen sehen dies wahrscheinlich anders!

Sonntag, 4. Oktober 2009

B.N. als Filmtheaterleiter 1980


Die Kramerei in alten Fotos geht weiter. Heute nun fielen mir zwei schon recht vergilbte Fotos (keine Ahnung wer da fotografiert hat) aus dem Jahre 1980 in die Hände, diese zeigen mich als Filmtheaterleiter im Foyer der Fortschritt-Lichtspiele von Dessau, einmal allein und dann im Kreis einiger meiner Platzanweiserinnen, siehe auch:
http://barrynoa.blogspot.com/2008/02/altes-bn-als-filmtheaterleiter.html .
Bedenkt man mit wie wenig Personal heute ein Kino auskommt, dann kann man verstehen warum es in der DDR kaum Arbeitslose gab. Allein in dem von mir geleiteten Kino gab es ca. 10 Platzanweiserinnen, 4 Filmvorführer, 2 Kassiererinnen, 1 Barfrau, 3 Reinemachefrauen, 1 Hausmeister, 1 Schreibkraft, 1 Techniker und 1 Maler/ Dekorateur. Letztendlich fanden im Kino auch Leute einen Job, z.B. den als Platzanweiser, die durch verschiedene Umstände sonst nicht so einsetzbar waren. Heute allerdings würden fast alle der damals Beschäftigten wahrscheinlich keinen Job bekommen, denn sogar ein Großteil der Hochbegabten hat aufgrund des jetzigen politischen Systems keine Chance auf Arbeit, ausgenommen allerdings die alten SED- und Stasiseilschaften die sich meistens im bundesrepublikanischen öffentlichen Dienst breitgemacht haben, eben durch ihre alten Beziehungsgeflechte die stärker denn je wirksam sind.

Samstag, 3. Oktober 2009

B.N. als Malschüler




Beim Kramen in alten Fotos fiel mir heute eine Fotoserie in die Hände die mich (der mit der schwarzen Jacke) mit zwei jungen Malkolleginnen und Herrn Pätzold bei einem Malausflug im Dessauer Georgengarten zeigen. Herr Pätzold war einer meiner privaten Lehrer im Malen und Zeichnen – ein wunderbarer Mensch, der leider viel zu früh an Lungenkrebs gestorben ist. Herr Pätzold war eigentlich Berufsschullehrer, aber eben auch künstlerisch begabt. Er gehörte, wie ich, zu den regelmäßigen Besuchern des Klubs der Intelligenz in Dessau (siehe dazu meine Kolumne:
http://barrynoa.blogspot.com/2008/05/in-schner-erinnerung-der-klub-der.html ) und da war er auch in der Jugendgruppe die regelmäßig Dienstags zusammenkam ein gern gesehener Gast der mit seiner Lebensfreude und seiner großen Intelligenz uns immer sehr gut gefiel. Als diese Aufnahmen entstanden da war er schon krank, hatte des öfteren Hustenanfälle, nahm aber an, daß es eine verschleppte Bronchitis sei – es war aber Lungenkrebs! Er lebte von da an nur noch sehr kurze Zeit – ein großer Verlust für den Klub und die damaligen Dessauer Kunstfreunde! Auch zu seinem Andenken soll die Veröffentlichung dieser alten Fotos (Anfang der 70er Jahre gemacht) dienen!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Psalmen-Arbeitsgruppe in Dessau gegründet






Jeder Jude (Tanach) und Christ (Altes Testament) kennt sie – die Psalmen, eine kanonisierte Sammlung von 150 Gebeten, Liedern und Gedichten. Außerhalb des kanonisierten Psalmenbuches gibt es weitere biblische Psalmen, wie z.B. das koptisch-manichäische Psalmenbuch welches z.B. auch in altorientalischen Kirchen und der Weltloge Tanatra eine gewisse Bedeutung erlangte. In den Höhlen von Qumran wurden bekanntlich weitere Psalmen gefunden.

Heute traf sich zum zweiten Male eine Arbeitsgruppe in der Dessauer Pauluskirche – angeregt durch die Kantorin Christa Müller – die Dessauer Interessierte die Psalmen näher bringen möchte. Die Leitung der monatlich stattfinden sollenden Seminare übernahm dankenswerte Weise der evangelische Pfarrer Martin Günther.

Man hat sich viel vorgenommen, sollen doch im Laufe der Zeit fast alle Psalmen behandelt werden. Das heutige Seminar an dem ich auch teilnahm war dem wohl bekanntesten und beliebtesten Psalm 23 gewidmet. In populärer Art versuchte Pfarrer Günther uns den 23. Psalm nahe zu bringen, ihn Schritt für Schritt textlich zu erschließen, dies auch mit Hilfe von Frage- und Antwortspielen und einer Bildexegese einer Grafik von Marc Chagall. Eine sehr persönliche Sicht auf den Psalm 23 vermittelte uns Christa Müller, indem sie einen Aufsatz vorlas in welchem sie den Psalm mit einem Abschnitt ihres Lebens verband. Was nun allerdings zu kurz kam, dies war die wissenschaftliche Aufarbeitung des Psalms, sowohl in theologischer wie historischer Hinsicht. Da ich selbst zwischen Gefühl und Wissenschaft schwanke, war mir zwar die Deutung des Psalms in eine arkadische Welt sehr recht, siehe meine Kolumne hier im Blog (
http://barrynoa.blogspot.com/2008/04/bn-und-die-bukolik.html) als ich den 23. Psalm mit der 5. Idylle von Theokrit verglich und Parallelen sah und dies ja auch der Theologe Ludwig Köhler so sieht, aber dennoch sagte mir die Ratio, dass es wohl doch eher die Psalmenexegesen eines Erich Zenger oder Willi Schottroff seien, die am wissenschaftlichsten sind.

These von Ludwig Köhler:
Er deutet die Bildersprache des Psalms 23 vor dem Hintergrund des Weidewechsels. In der orientalischen Landschaft existieren nur „insulare“ Weideflächen. Ist die Wiese abgegrast, muss die Herde zum nächsten Weideplatz geführt werden. Zwischen den einzelnen „grünen Auen“ liegen oft gefährliche Wege („und ob ich schon wanderte im finsteren Tal“). Die Qualität eines Hirten erweist sich vor allem darin, seine Herde „auf rechter Straße zu führen“. Dieser Psalm beschreibt das menschliche Leben als Weg: auch da, wo der Weg an ein Ende zu kommen scheint, führt er trotzdem weiter. Der Psalmist vertraut seinem Hirten völlig und weiß sich sogar in der „Todesschattenschlucht“ („im finsteren Tale“) bei ihm geborgen. Allein das Erblicken des spezifischen Hirtenstabs (jeder Hirte hatte einen besonders geschnitzten Stab) ermutigt und hilft gegen die Angst.

These von Erich Zenger:
Nach
E.Z. wurde der Psalm ursprünglich nicht als Danklied bei eine Opfermahlsfeier im Tempel gesungen, sondern als Vertrauensgebet verwendet.


These von Willy Schottroff:
W. S. meint, dass der Wortlaut ursprünglich auf ein Lob- und Danklied eines Flüchtlings im Jerusalemer Tempelasyl verweist. Die individuelle Erfahrung wurde im Psalter Israels aufbewahrt und wurde so zu einem wirklichen Volkslied. Weil Israel sich mit dem Ich gemein weiß, ist dieser Psalm und sind die Psalmen Teil der Tradition und des Gebetbuches Israels.

Einige Exegeten nehmen an, dass im Psalm 23 zwei ursprünglich eigenständige Psalmen miteinander kombiniert worden sind: „JHWH, der gute Hirte“ und „JHWH, der freundliche Gastgeber“. Andere Wissenschaftler bestreiten das.

Sei es wie es sei, jedenfalls tritt mit dem 23. Psalm das Bild des guten Hirten - für den Christen auf Jesus Christus bezogen - der wie ein arkadischer Schäfer uns ganz persönlich wie ein zu betreuendes Schaf auf seine Schultern nimmt, letztendlich zum Vorschein, ein Motiv in der Ikonographie und der Kunst welches nicht mehr weg zu denken ist, siehe mein künstlerischer Beitrag dazu am Anfang der Abbildungen (weitere Fotos von Steve Neumann zeigen einen Ausschnitt aus dem heutigen Seminarnachmittag) mein Oelbild des „Guten Hirten“ in welchem christliche und arkadische Momente ineinander fliessen.

Hier nun noch einmal der Text des 23. Psalms in der Lutherübersetzung von 1984. Diese Übersetzung halte ich für die gelungenste deutsche Übersetzung, auch wenn anzumerken ist, dass vom wissenschaftlichen Standpunkt die in der katholischen Kirche derzeit gebräuchliche Einheitsübersetzung wohl die wissenschaftlich genaueste ist da sie dem hebräischen Urtext am nächsten kommt:

Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele und führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Es herbstelt am Sollnitzer See











Kaum ist es ein wenig kälter, da sind die Strände an meinem geliebten Sollnitzer See (bei Dessau) fast menschenleer, dies obwohl die Sonne ab und an hinter den Wolken heraus schaut. Nun, ich fahre trotzdem gern mal an diesen See, denn die Natur ist dort immer schön, oder finden Sie, liebe Leser, dies nicht?