Freitag, 2. September 2011

Dessau an der Mulde


Eine schöne Aussicht auf die Stadt Dessau hat man am Ufer der Mulde im Tiergarten. Das Wasser brodelt und zischt wenn es die wenigen Meter am Gefälle herunter rauscht. Früher stand hier das bekannte Gestänge, aber auch jetzt bietet der Anblick viel. Da endlich mal wieder die Sonne schien, heute ein paar Impressionen von dieser Stelle aus.

Der 1. September hat sich bei mir als "Schulanfangstag" (lange schon nicht mehr) nach den früheren zwei Monaten DDR-Sommerferien eingeprägt und dies nach so vielen Jahrzehnten? Schon merkwürdig, aber wahrscheinlich lag es daran, daß der 1. September meistens viel Sonne bescherte und man sich selber früher als Schulkind ärgerte, daß man nicht weiter die Ferien genießen konnte und später im Berufsleben ebensolche Gedanken hatte.  

Mittwoch, 31. August 2011

Altes: Dessauer Konditoreien in der DDR-Zeit


Haben Sie, liebe Leser, meinen Blogbeitrag über das hübsche Logo auf den Zuckertütchen der Konditorei Mrosek gelesen? Wenn nicht, hier der Link: http://barrynoa.blogspot.com/2011/08/neues-mrosek-zuckertutchen-aus-dessau.html. Wenn auch der Handel in der DDR meistens niedrigstes Niveau hatte, so waren doch z.B. die Konditoreien in Dessau Oasen der Kundenfreundlichkeit. Davon könnten sich viele derzeitige Handelseinrichtungen eine Scheibe abschneiden. Wer heute in die Supermärkte oder Elektronik-Fachmärkte (ein mehr als übles Beispiel bietet da der "Media-Markt" Dessau-Mildensee über den ich in Kürze schreiben werde) geht, der merkt nichts von der versprochenen These, daß der Kunde König sei. Dies liegt auch daran, daß dort oft deutsches Personal beschäftigt wird, welches von Benehmen und Dienstbarkeit oft noch weniger hält als das Personal zu DDR-Zeiten. Positive Ausnahmen sind immer dann zu verzeichnen, wenn Ausländer oder Bürger mit Migrationshintergrund Kunden bedienen. Leider gibt es in der ostdeutschen Provinz wenig Läden die von diesen mentalitätsmäßig ganz anders auftretenden Verkäufer/innen bestimmt werden, dies im Gegensatz zu westdeutschen Großstädten oder Berlin.

Jedenfalls ging man gern in die Konditoreien von Dessau zu DDR-Zeiten. Wer kennt sie nicht, als alter Dessauer, die klangvollen Namen der Konditoreien „Altmann“, „George“ „Kößling“, „Meyer“, „Mrsosek“  und die wunderbaren Torten die es damals dort gab, die Sahne-Nußtorte, die Stachelbeer-Baiser-Torte, die Schoko-Buttercreme-Torte? Ja und die meisten damaligen Konditoreien gibt es leider nicht mehr – eine Verarmung der Dessauer Handelslandschaft! Na wenigstens erinnert an einer Giebelfront in der Kurt-Weill-Straße noch immer das hübsche Logo eines Konditoren mit einem Baumkuchen auf dem Tablett an die frühere Konditorei George. Schön, daß es auch, nachdem eine Fassadenerneuerung notwendig war, an der Fassade gelassen wurde und in frischen Farben Menschen erfreut.      

Dienstag, 30. August 2011

Neues: Andacht 30.8.2011 in der Bahnhofsmission Dessau


„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.“ – diese Herrenworte Jesu aus dem Evangelium des Matthäus (Mt. 18.15) standen im Mittelpunkt der heutigen Andacht in der Bahnhofsmission die Bruder Maurice (3. von rechts auf dem ersten Foto, neben der Leiterin der BM, Frau Wenzkowski und der Mitarbeiterin Frau Wolff) von den Dessauer Maristenbrüdern hielt, siehe auch gestrigen Blogbeitrag: http://barrynoa.blogspot.com/2011/08/neues-bruder-maurice-gesellschaft.html.

Wie jedes Mal war diese Andacht eine ökumenische und sowohl Besucher wie auch Freunde und Mitarbeiter der BM nahmen daran teil. Wenngleich man darüber streiten kann, ob die „Sünden“, die manche Kirchen in heutiger Zeit noch als Sünden bezeichnen, überhaupt Sünden sind, wie z.B. außereheliche Beziehungen u.ä. und nicht etwa Anzettelung von Kriegen und deren grausame Durchführung, wie z.B. von dem ehemaligen Präsidenten der USA, George Bush, eines Christen (Irak-Krieg), wirkliche Sünden sind, so muß natürlich in vielem der Bibelspruch gelten, daß man sich hüten solle den Splitter im Auge des anderen zu sehen, aber nicht den Balken im eigenen Auge. Darauf wies auch Bruder Maurice hin, siehe: "Was siehst du den Splitter im Auge deines Nächsten, aber den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?" (Mt. 7,3).

Wohltuend die ruhige Art von Bruder Maurice bei der heutigen Andacht mit den meditativen Phasen statt des sonst üblichen öfteren Singens. Anbei Bruder Maurices Blatt des Ablaufes der heutigen Andacht für die Leser des Blogs - eine Möglichkeit per Internet an der heutigen Andacht in der Bahnhofsmission Dessau ein wenig teilhaben zu können. 

Sonntag, 28. August 2011

Neues: Bruder Maurice (Gesellschaft Mariens) von der Dessauer Bahnhofsmission


Geht man auf die Internetseiten der Gesellschaft Mariens, so kann man folgenden Satz des Gründers der Maristen, Pater Jean Claude Colin, lesen: „Gleichsam unbekannt und verborgen inmitten der Welt, dass ist der Weg Gutes zu tun.“ Weiter auf diesen Seiten: „Unbekannt und verborgen in der Welt zu leben und zu handeln bedeutet, die Anmaßung zu überwinden, dass wir allein im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, dass wir der Mittelpunkt des Universums sind... Wenn die Menschheit überleben soll, dann muss sie von ihrem Podest herabsteigen und die ihr angemessene Bestimmung neu entdecken –innerhalb des gesamten Netzwerkes der Beziehungen, die unsere Erdengemeinschaft bilden. (Quelle: Paul Walsh SM, Forum Novum, 3.1.1995).“

Weise Worte, die auch mich, Nichtmitglied der römisch-katholischen Kirche, ansprechen. Ja und wie sieht es in der Praxis aus, leben die Brüder und Schwestern der Gesellschaft Mariens diese Leitschnüre? Ich kann nur von Dessau ausgehen, wo seit vielen Jahren vier Brüder der Gesellschaft Mariens wirken und dies, wie ich finde, genau in der Art und Weise, wie oben geschrieben. 1995 arbeitete ich fast ein Jahr lang in der Dessauer Bahnhofsmission, kenne also die nicht immer leichte Arbeit dort, das Eingehen auf Reisende, auf randständige Menschen, die mitunter durch ihre Lebensumstände einen rauen Umgangston pflegen, auf Einsame, auf Verzweifelte und auf auch seelisch und mental zerrüttete und haltlose Menschen. Es ist also nicht nur das Befriedigen der Bedürfnisse des Essens und Trinkens, was aber zweifellos eine wichtige Aufgabe in einer Zeit geworden ist wo viele Menschen durch alle sozialen Netze fallen und die Bahnhofsmission die einzigste Stelle ist, wo unbürokratisch der Hunger von Menschen gestillt wird.

In unaufdringlicher Weise ist seit langem Bruder Maurice, ein Belgier, von den Dessauer Maristen, in der Bahnhofsmission in Dessau tätig und ich bewundere ihn, daß er seinen Dienst in immer der gleichen, eine große innere Glaubenskraft ausstrahlenden Ruhe und Freundlichkeit, ausführt. Auch den letzten mitunter undankbaren Grobian begegnet er mit Respekt und großer Freundlichkeit und vielen der Besucher ist nicht mal bekannt, daß Bruder Maurice ein Ordensmann der Maristen ist, „gleichsam und verborgen inmitten der Welt“ (Colin) versieht er seinen Samariterdienst. Es wird ihm in seiner Bescheidenheit gar nicht recht sein, daß ich hier im Blog über ihn schreibe, das Foto, wo er links zu sehen ist, stammt von einer Andacht die sein Mitbruder, Pater Alfons Averbeck, im Oktober 2010 bei uns in der Bahnhofsmission hielt, siehe: http://barrynoa.blogspot.com/2010/10/andacht-in-der-dessauer-bahnhofsmission.html.

Ja und nun werden sich die Leser wundern, warum ich neben dem Zeichen der Bahnhofsmission und einem Erfrischungstuch, wo darauf hingewiesen wird, daß die Bahnhofsmissionen gemeinschaftlich geführt werden, evangelisch und römisch-katholisch, noch drei kleine gelbe Tomaten eingescannt habe? Die Dessauer Maristen bewirtschaften ein kleines Gärtchen und das wenige was dort Bruder Maurice anbaut, dies genießt er nicht etwa nur selbst, sondern gibt es den Besuchern der Bahnhofsmission. Bittet jemand um kostenloses Essen, dann bereitet Bruder Maurice belegte Brötchen mit Dekoration von Petersilie, und wie jetzt mit diesen wunderbar schmeckenden kleinen gelben Tomaten, aus eigenem Anbau zu. Auch Bedürftige sollen sich an so einen Imbiß auch mit den Augen erfreuen. Da ich noch nie diese kleinen birnenförmigen Tomaten irgendwo gesehen habe, so bat ich Bruder Maurice um ein paar dieser Früchte, wegen des Samens, um im nächsten Jahr zu versuchen auch mal diese Sorte anzubauen. Vielleicht meldet sich ein Leser, der mehr über diese Sorte weiß und mich aufklären kann?

In einer überwiegend evangelischen Gegend, wie unserer, ist Maria, zu Unrecht aus unserem Blickwinkel geraten, die Maristen sorgen in unaufdringlicher Weise dafür, daß diese Seite des Christentums wieder mehr Beachtung findet, dies ist auch aus nicht-römisch-katholischer Sicht zu begrüßen. Weiteres Foto: meine Lieblingsikone „Maria mit dem Jesuskind“, russisch-orthodox um 1880.

Samstag, 27. August 2011

Die Quitte - köstliche Frucht der Göttin Aphrodite


Gibt es etwas köstlicheres zum Frühstück als ein frisches knuspriges Brötchen mit Butter (natürlich irische) und darauf Quittengelee? Allein der Duft der Quitte ist wunderbar und dann dieser königliche Geschmack! Also ich liebe Quitten (http://de.wikipedia.org/wiki/Quitte) sehr und da besagtes Quittengelee, aber auch Quittenbrot (http://www.chefkoch.de/rezepte/152961067163421/Quittengelee-Quittenbrot.html). Jetzt ist wieder Erntezeit der Quitten, denn allzu reif sollten sie nicht geerntet werden. Sehen sie nicht schön aus unsere Quitten, mit ihrer flaumigen Schale, die sich wie das Fell eines Tieres anfühlt? Bei den alten Griechen war die Quitte der Göttin Aphrodite nicht ohne Grund geweiht, als archaische Frucht aus sehr alter Zeit galt sie als Fruchtbarkeits-und als Glückssymbol.
Henri Camille Danger: Aphrodite und Eros

Freitag, 26. August 2011

Summer in the city - Dessau in den 70ern


1966 erschien von Lovin' Spoonful der Hit „Summer in the city“ (http://www.youtube.com/watch?v=s1_8909dNJ0) und wir Jugendlichen hörten diesen Song noch viele Jahre lang gern, vermittelte er doch besonders im Sommer dieses besondere Sommerfeeling. Man kann überhaupt sagen, daß die ansonsten triste und strenge DDR einem im Sommer viel freier vorkam. Den Sommer konnte man in Dessau genießen, auch wenn man nicht in Urlaub fuhr. Bei schönem Wetter ging man fast jeden Tag baden, sowohl in die Freibäder als auch zum Sollnitzer See und im Gegensatz zu heute, wo nur noch alte Leute dort FKK machen, badeten selbstverständlich alle Altergruppen dort nackt, auch die jetzt so prüde gemachten Jugendlichen. Abends ging es dann zum Freilichtkino am Tierpark oder in die Klubhäuser, das Kreisjugendklubhaus „Majakowski, kurz nur „Maja“ genannt, das „Haus des Handwerks“, die Milch-und-Mocca-Bar oder das „Druschba“. Heute mal ein paar Dessauer Sommerfotos aus den 70er Jahren, also der Zeit vor fast 40 Jahren.

01. Scheibe Nord in der Mittagshitzezeit
02. Springbrunnen im Stadtpark
03. Baden im Springbrunnen
04. Ruhetag der Gaststätte am Teehäuschen
05. Stand der „Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten" (NDPD-Tageszeitung in
       Dessau) im Stadtpark (in der Mitte Lokalredakteur Hans-Jürgen Rusch)
06. Freibad „Große Adria“
07. Auf dem Steg im Freibad „Große Adria“
08. Im Dessauer Waldbad am Volleyballnetz
09. Minirockträgerinnen im Stadtpark
10. Tanzen aus dem Stegreif heraus im Stadtpark
11. Drei „Grazien“ am Amaliensitz (Schlaghosen!)
12. Oldtimer-Motorradrennen in Dessau
13. Markt auf dem August-Bebel-Platz
14. Schlagzeuger Peter Arndt vor dem Eingang zum „Maja“, es war Rockkonzert
       angesagt
15. „Aufmerksamer“ Schmalfilmer bei Veranstaltung
16. Flower-Power-Jungs in Dessau (vom SED-Gesindel als Gammler bezeichnet)

Jugendstil zwischen Kunst und Massenware


Der Jugendstil zeichnet sich dadurch aus, daß er erstmals keine elitäre Kunstrichtung nur für die Reichen war, sondern so gut wie ein jeder konnte sich irgendein Stück dieser Kunstrichtung leisten, da viele Produkte industriell hergestellt wurden. Kunst also fürs Volk? Nicht nur, denn auch Kleinmöbel, Broschen, Wandschmuck oder ähnliches, was qualitativ ein wenig hochwertiger war, konnte sich denn doch nur das Bürgertum, wenn auch nun schon das Kleinbürgertum leisten. Heute mal ein paar solcher Produkte, die an der Grenze zwischen Kunst, Kunsthandwerk und industrieller Massenware angesiedelt sind, die mir persönlich dennoch gefallen.