

Ein Bekannter und treuer Blogleser rief mich gestern an und er freute sich über meinen gestrigen Beitrag über die „PGH Heimkunst Dessau“, deren Produkte er auch früher gern gekauft hatte. Die kleinen Engel aus Grünhainichen, die waren ihm auch ein Begriff. Davon hatte er auch mal einige und er war sehr viel später erstaunt, wie viele es davon gab, so z.B. ein ganzes Orchester. Da hatten diese Engelchen die verschiedensten Musikinstrumente gespielt, von der Flöte bis hin zum Konzertflügel. Was er nicht kannte, dies waren die Blumenkinder. Aus diesem Grund und vielleicht auch für Leser die diese Blumenkinder nicht kennen, habe ich zwei dieser Figuren heute mal fotografiert. Das Mädchen mit den Weidenkätzchen, dies hatte sich mal meine Mutter gekauft und es steht schon weit über 50 Jahre bei uns. Der Junge mit den Gänseblümchen (mit den abgerupften Blütenblättern), den hatte ich mal in dem Kunstgewerbeladen in der Ziebigker Kornhausstraße gekauft. Beide Figuren stehen auf einer meiner Buchstützen.
Da ich einmal bei Figuren bin, habe ich gleich noch einen kleinen Teil meiner Vitrine fotografiert in dem auch noch Figuren stehen mit denen mich weitere Kindheitserinnerungen verbinden. Als Kind war ich wild auf diese kleinen Wackeltiere (links auf dem unteren Foto), die man in den 50er Jahren meistens im Urlaub an Souvenirbuden zu kaufen bekam. Und dann natürlich die geliebten Meckis, auch die gab es dort zu kaufen. Auch in die war ich in den 50er Jahren vernarrt und mußte sie von meinem Taschengeld kaufen. Den kleinen Teddybären erwarb ich auch an einer solchen Bude, an der es hauptsächlich Postkarten und die damals so beliebten Stocknägel zu kaufen gab. Über diese Souvenirs die man an den Spazierstock nagelte, werde ich mal gesondert schreiben. Alle unsere früheren Wanderstöcke habe ich natürlich noch.
Die Meckis und der kleine Teddybär sitzen um einen Tisch und einen Schrank. Diese Puppenmöbel hat einmal mein Großonkel für seine Tochter Hanni 1918 angefertigt. Diese, meine Tante Hanni Guizetti-Zier, geb. Zier, lebt heute hochbetagt am Bodensee und lange Jahre gab es besonders mit meiner Mutter und ihr nette Kontakte. Diese Puppenmöbel, und da besonders der Kleiderschank, sind wunderbar maßgetreu gebaut, dies obwohl der Bastler kein Möbeltischler oder ähnliches war. All dies sind für mich wirklich schöne Stücke und Andenken an frühere Zeiten und Menschen.
Eine neue Bundespräsidentenwahl steht kurz bevor! Na da steht uns wohl wirklich einiges bevor!? Karl Weiss, der bekannte deutsche Bürgerrechtler, der in Brasilien lebt, schrieb heute in seinem Blog, den ich seit langem lese, interessante Neuigkeiten über den Kandidaten der Regierungskoalition Christian Wulff, die natürlich in den bürgerlichen Mainstream-Medien kaum auftauchen werden. Na zum Glück gibt es das Internet mit seinen unabhängigen Seiten und man ist nicht ganz der bürgerlichen Volksverblödungsindustrie ausgesetzt.
Der heutige Blogbeitrag von Karl Weiss: http://karlweiss.twoday.net/20100610
Schon als Kind begeisterte ich mich für Kunsthandwerk und Kunstgewerbe – kein Wunder bei einer Mutter die selbst auf diesem Gebiet begeistert vieles schuf, siehe:
http://barrynoa.blogspot.com/2008/04/erika-nowack-meine-mutter.html .
Meine Kindheit ab dem 5. Lebensjahr verbrachte ich in dem Dessauer Vorort Ziebigk. In der dortigen Kornhausstraße befand sich lange Jahre ein Kunstgewerbegeschäft an dem ich nie vorbei gehen konnte ohne mir die Nase am Schaufenster plattgedrückt zu haben, so toll fand ich all die schönen Sachen. Besonders die kleinen Figürchen aus Holz hatten es mir angetan, weniger die welche mit Weihnachten zu tun hatten, sondern die motivisch den Frühling, Sommer und Herbst kündeten, z.B. die Blumenkinder die in Grünhainichen hergestellt wurden. Aber auch in Dessau gab es Profi-Kunsthandwerker, die meisten waren in der „PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) Heimkunst Dessau“ zusammen geschlossen. Dort wurden zu Ende der DDR-Zeit besonders Lederwaren hergestellt. Viele dieser Produkte schätze ich heute noch, weil sie in Handarbeit hergestellt wurden und eben keine industrielle Massenware sind. Neben den Lederarbeiten wurden dort auch Textilien in Handweberei hergestellt. Etliche dieser wunderbaren Platzdeckchen nutze ich selbstverständlich noch heute.
1990 kam der große Zusammenbruch, die Menschen kauften kaum noch diese hochwertigen Dinge, lieber gaben sie für Plunder aus Fernost ihr Geld aus. Die „PGH Heimkunst Dessau“ mußte sich auflösen. Was aus den vielen Beschäftigten dort wurde, dies weiß ich nicht, aber wahrscheinlich mußten sie sich, wie so viele andere hochqualifizierte Menschen, dem Arbeitsamt unterwerfen um nicht zu verhungern, während die meisten ehemaligen Stützen des sozialfaschistischen SED-Regimes im neuen bundesdeutschen System schnell wieder an die Fleischtöpfe kamen und sich sichere und hochdotierte Arbeitsplätze, besonders im öffentlichen Dienst, mit Hilfe ihrer diversen Seilschaften sicherten
1990 erwarb ich etliche der schönen Kunstgewerbearbeiten im großen Ausverkauf der „PGH Heimkunst Dessau“ und vor einigen Jahren, als ich noch mein Antikgeschäft in Roßlau an der Ecke Bandhauerstraße/ Dessauer Straße hatte, konnte ich diese Arbeiten im Laden mit anbieten. Ein altes Werbeblatt aus dieser Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, habe ich aufgehoben. Auf diesem mache ich Werbung für einen Sonderverkauf dieser Kunstgewerbe-Artikel. Die Anhaltfreunde wird es auch freuen, den berühmten anhaltischen „Bären auf Mauer“ mal wieder zu sehen, dieser gehörte damals zu meinem Firmenlogo. Zum „Bären auf Mauer“, siehe auch meine Blogbeiträge über den Hofjuwelier Heinzelmann:
http://barrynoa.blogspot.com/2010/04/erinnerung-den-dessauer-hofjuwelier.html , sowie über Dessauer Abzeichen: http://barrynoa.blogspot.com/2010/04/anhalt-bar-auf-mauer.html .
In den Scans sehen Sie besagtes Werbeblatt, auf welches ich Teile von zwei Gürteln aufgelegt habe mit den Original-Preisschildern der „PGH Heimkunst Dessau“, auf dem zweiten Scan dann auch ein Teil eines Gürtels und Teile von zwei handgewebten Platzdeckchen und auf dem dritten Scan ein paar Lederschuhe im lappländischen Stil, die ebenfalls in der „PGH Heimkunst Dessau“ hergestellt wurden.
Pastor Klops
Das war Herr Klops, der sich beugete
Vor dem Herrn und dabei erzeugete
So viele Kinder wie ein Kaninchen
Mit seinem Ehegespons Wilhelminchen.
Er studierte die Theologie zu Kiel,
Und lernete dort gerade so viel,
Was für einen Gottesmann genügt,
Der die Fehler der Menschheit siehet und rügt
Und einmal die Woche als mahnende Stimme
Seinen Schleim abführt mit heiligem Grimme.
Doch außer dem Zweck und Ursprung der Sünden
Konnte er eigentlich nichts ergründen.
Was braucht auch der Mensch so viel zu wissen?
Als Pastor kann man es leicht vermissen.
Man ist vernagelt nach altem Brauch,
Wie viele Pastoren sonst eben auch.
Die Ehe aber gedieh mit Kindern;
Des Frommen Fleiß läßt sich nicht verhindern,
Denn dieser ist sich gar wohl bewußt,
Daß die schändlichen Werke der Fleischeslust
Im Stande der Ehe gelten als Pflicht,
Und keineswegs als Sünde nicht.
Aus diesen Gründen kam es davon,
Daß Klops erzeugte einen Sohn,
Der jetzt und wieder allda zu Kiel
Als Theologe nicht ganz soviel
Wie sein guter Vater erlernet hat.
Er folget dem Herrn als ein Kandidat
Und ist verlobt mit Müllers Christinchen,
Mit welcher er wieder wie ein Kaninchen
Getreulich sorget, auf daß die Klöpse
Sich weiterpflanzen als Kirchenschöpse.
Der alte Klops hat auch fünfzehn Töchter,
Durch deren Anblick der Trieb der Geschlechter
In der ganzen Gemeinde erstorben ist.
So wirkete er als Pfarrer und Christ.
(Ludwig Thoma)
Treffender und humoriger kann man einen Sachverhalt nicht benennen, wie es der berühmte Ludwig Thoma in obigem satirischen Gedicht tat. Nicht umsonst war Ludwig Thoma der Satiriker der wie kein zweiter die abendländische Scheinmoral auf´s Korn nahm. Die Schizophrenie, daß besonders Christen und deren Amtsträger Sexualität als etwas sündhaftes ansehen, selber diese aber meistens wie die Karnickel betreiben, dies ist schon mehr als absurd. Die römisch-katholische Amtskirche hält ja nach wie vor eisern an ihrer reaktionären unnatürlichen Sexualmoral fest, die jegliche Sexualität außerhalb der Ehe und zum Zwecke der Kinderzeugung zur Sünde erklärt. Daß dies nun gegen die von Gott geschaffene Natur ist, dies wird ignoriert. Hunderttausende, ja Millionen junger Menschen wurden und werden durch diesen Sündenbegriff in ihrer natürlichen Entwicklung schwer geschädigt, da natürliche sexuelle Reife und Sexualität ausleben können viele Jahre auseinanderfallen. Der eigentliche und viel schwerer wirkende sexuelle Mißbrauch der durch kirchliche Amtsträger ausgeübt wurde, sind nicht die eben nicht massenhaft vorkommenden Übergriffe einiger Priester, sondern war und ist die massenhaft vorkommende Unterdrückung der Sexualität durch das Erzeugen von Schuldgefühlen bei den Gläubigen, wenn sie sich nicht der unnatürlichen Sexualmoral der Kirchen fügen. So ist es noch nicht allzu lang her, daß sogar Onanie als schwere Sünde angesehen wurde und besonders in kirchlichen Heimen und Internaten wurden Kinder und Jugendliche schwer bestraft wo man diese entdeckte. Ein Wahnsinn ohnegleichen, da unterdrückter Sexualtrieb nicht nur psychische Schäden bewirkt, sondern bei männlicher Sexualverhinderung die Prostata so schädigt, daß diese Menschen später 6 mal häufiger an Prostatakrebs erkranken als diejenigen bei denen Sexualität nicht unterdrückt wurde. Dies ist wissenschaftlich unstrittig, trotzdem gibt es noch heute „christliche“ Moralapostel, die man wohl eher als Unmoralapostel titulieren sollte, die völlige Enthaltsamkeit als einzig christlich ansehen. Enthaltsamkeit wird von diesen „Christen“ allerdings nur bis zum „heiligen“ Stand der Ehe gefordert, dann aber das ganze Gegenteil erwartet, nun fällt man von einem Extrem ins Andere, Sexualität ist geradezu „heilige“ Ehepflicht und wenn dann ein reicher Kindersegen von dieser regen Sexualarbeit kündet, dann ist man des Lobes voll. Was nun diese Sexualfeindlichkeit außerhalb einer Ehe anlangt, da sind sich reaktionäre römisch-katholische Moralapostel und evangelikale fundamentalistische Christen (besonders in den USA) ziemlich einig, wobei letztere durch ihre puritanische Grundeinstellung oft noch rigoroser vorgehen. Besonders in den USA nahm diese Sexualfeindlichkeit außerhalb der Ehe paranoide Züge an und hält unvermindert an, ja nimmt in den letzten Jahrzehnten noch zu. Es wurden wahre Folterapparate erfunden (in den USA um 1900 herum jedes Jahr ein Dutzend Patentanmeldungen) die Onanie bei Jungen und jungen Männern vor der Ehe unmöglich machen sollten. Diese Apparate wurden meistens zwangsweise angelegt und sie verhinderten unter Schmerzen jegliche Erektionen, dies alles im Namen der Bibel und eines entarteten Christentums. Daß es im deutschen Protestantismus nicht viel besser bestellt war, dies machte der Film „Das weiße Band“, den ich nur zu schauen empfehlen kann, mehr als deutlich. Daß nun meistens diejenigen, die von Kindern und Jugendlichen, die ihnen zur Erziehung anvertraut sind, unnatürliche Sittenstrenge verlangen, selbst oft ein ausschweifendes Sexualleben führen, dies weiß nun mittlerweile ein jeder. Sie predigen anderen Wasser und saufen selbst Wein! Hier einige dieser patentierten Onanie-Verhinderungsgeräte:
„Das weiße Band“: aus der Rezension von Christian Buß in Spiegel-online vom 9.10.2009:
„Triebverzicht und Triebabfuhr in ihrer drastischsten Form
Unter leisen Tränen bricht sich der Hass Bahn. So beim Pastorensohn, der des Nachts vom Alten mit den Händen straff am Bettgestell festgebunden wird, weil er sich "an den feinsten Nerven seines Körpers geschadet hat", dort, "wo auch Gottes Gebot heilige Schranken errichtet hat".
Während also Onanie ein Verbrechen ist, hat sich die Frau auf Geheiß des Mannes gehorsam zu bücken, wann immer dieser es verlangt. Der Geschlechtsakt ist die vielleicht schrecklichste Szene in Michael Hanekes Film. Er wird zu einer Art libidinöser Notdurft, die alle Beteiligten mit einem gehörigen Maß an Ekel verrichten: "Ich würde mich am liebsten übergeben", sagt der Arzt, nachdem er die Hebamme mal wieder vor der mittäglichen Nahrungsaufnahme auf die Anrichte gedrückt hat. "Ich hätte auch eine Kuh bespringen können."
Triebverzicht und Triebabfuhr in ihrer jeweils drastischsten Form scheint das Leben in diesem Soziotop zu strukturieren. Wie gedeiht, wer hier geboren wird? Eben gar nicht.“
Die gesamte Rezension, siehe: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,654825,00.html
Szenenfoto aus „Das weiße Band“, jetzt auch als DVD erhältlich.
In meinem Blogbeitrag vom 22. April diesen Jahres
(http://barrynoa.blogspot.com/2010/04/das-gleichnis-vom-armen-haselnubaumchen.html )
schrieb ich über die Kindheitserinnerung an eine Birke die auf einer Ruinenmauer wuchs und ich meinte, so etwas gäbe es heutzutage gar nicht mehr, wo vieles in den Innenstädten nur noch steril wirkt und wo der bundesdeutsche Modernisierungswahn auf städtebaulichem Gebiet viel Flair, welches eben auch durch Alter und Verfall entsteht, vernichtet hat. In Dessau brauche ich mir nur das zu DDR-Zeiten so interessante Gebiet Dessau-Nord ansehen, wo heute dieses Flair ziemlich dahin ist. Die vielen Gründerzeithäuser wirken zwar nun wie geleckt, aber die Menschen die vordem das Wohngebiet prägten, die sind fast alle verschwunden. Allein die durch die Edelsanierungen gestiegenen Mieten vertrieben die bisherigen Bewohner und jetzt hat sich dort eine neue Schicht der Geld-Bourgeoisie eingenistet, die sich diese Mieten leisten kann oder die sich so ein großes Gründerzeithaus kaufen konnte, also hauptsächlich Beamte und mittlere und höhere Angestellte im öffentlichen Dienst und natürlich etliche Bauspekulanten aus dem Westen, die besonders in den 90er Jahren die diversen Fördertöpfe des Staates kräftig nutzten um mit möglichst wenig Eigenkapital ihren privaten Reichtum an Wohneigentum in bester Lage zu mehren.
Sogar das früher so authentisch wirkende besetzte Haus in der Schlachthofstraße sieht nach der Edelrenovierung eher wie ein großbürgerliches Haus aus, denn einem Haus der linksalternativen Szene ähnlich, gar der Hausbesetzer-Szene. Kleider machen Leute, heißt es, aber auch Häuser machen Leute, ziehen gewisse Schichten an. War Dessau-Nord früher eine Hochburg proletarischer und sozialer Randschichten mit starken linksalternativen Zügen, so ist dies jetzt nur noch in Restbeständen auszumachen. So wie die ehemals grünalternative Szene restlos verbürgerlichte und nunmehr nur eine etwas modernere FDP-Klientel an sich bindet, so verbürgerlichte auch Dessau-Nord. Vor 10 Jahren war das besetzte Haus in der Schlachthofstraße noch ein Bürgerschreck, nun gehen die Söhne und Töchter des Besitzbürgertums dort ein und aus, die Fun haben wollen. Statt Marx, Mao oder Anarchie feiert man lieber und bedient als Feigenblatt staatskonform Antifa-Ideologie, die allerdings nur gegen extreme Rechte sich lautstark Luft macht, die aber kaum mal aufmuckt wenn es um den Abbau von Bürgerrechten oder die Entrechtung von Arbeitslosen, Leiharbeitern und sonstigen von der bürgerlichen bundesdeutschen Gesellschaft Ausgegrenzten geht.
Nun, dieser Tage sah ich in der Dessauer Kantor-Straße auf einem "ruinösen" Haus zwei Birken, eine wurzelte auf einem Balkon, die andere in einer Dachrenne, so wie ich solche Ruinenbäumchen von früher in Erinnerung habe. Wunderbar, wie wacker sich diese Bäumchen in dieser unwirtlichen Höhe behaupten. Das zarte Grün der Blätter und die weiße Rinde dieser kleinen Birken können einen nur erfreuen.








Neben dem Sollnitzer See (siehe gestriges Posting) befindet sich eine Rinderfarm, die ich mir von außen einmal ansah. Auf einem Hügel grüßt von weitem eine Bisonskulptur, aber Bisons symbolisieren ja Urwüchsigkeit und urwüchsig sind die in Sollnitz gezüchteten Rinder ja auch, denn es sind nicht die herkömmlichen Rassen die dort vorherrschen, sondern wie man sieht, seltenere Rassen. Es hat mich schon gefreut, daß die Rinder dort frei herum laufen, ein Privileg welches für die betroffenen Tiere in heutigen tierquälerischen Zeiten ein sehr großes ist. Daß es sich bei Rindern nicht um dumpfe Tiere ohne Verstand handelt, dies zeigte sich als ich an den Zaun ging um dort ein paar Fotos zu machen. Überaus schnell kamen viele Tiere angerannt und sie teilten durch lautes Muhen und Blicke mit, daß sie neugierig waren, wer denn da am Zaun stand. Dieses Verhalten war dem eines aus dem Fenster schauenden Menschen nicht unähnlich, der ebenso neugierig auf die Welt da draußen ist und dies in seinem Kopf reflektiert. Wie pervers doch unsere Gesellschaft ist, die sich auch noch christlich dünkt, dies zeigt mit welcher Unverfrorenheit tierquälerische Kälberboxen als völlig normaler Standard der Kälberaufzucht angepriesen werden. Da nennt ein derartiger Anbieter einige seiner Gefängniskäfige für Kälber gar „Luxusboxen“, dies obwohl Rinder Herdentiere sind und Einzelhaltung eine schwere psychisch Qual darstellt, und dies auch allgemein bekannt ist, da wissenschaftlich bewiesen.


Allein die Art und Weise wie mit eben geborenen Kälbchen mehrheitlich umgegangen wird, ist haarsträubend. Das Kalb bekommt sofort einen Strick um den Hals, es werden ihm Marken durchs Ohr gestochen und dann ab in die Einzelhaft. Daß sofortige Trennung von der Mutter Tierquälerei bedeutet, sollte Menschen wohl einleuchten. Noch tagelang ruft das Kälbchen in dieser Einzelhaft nach seiner Mutter, sogar noch auf den großen Viehtransportern tut es dies, auf den Viehtransportern die Kälber oft durch halb Europa, manchmal sogar bis in den Libanon, in die Schlachthäuser karren. Daß Kälber selbstverständlich neben seiner Mutter, neben seinen Artgenossen in der Herde, Bewegung brauchen, auch das wird widernatürlich unterbunden. Ein großes Manko der großen christlichen Kirchen in unserem Land ist, daß man zu dieser skandalösen Tierquälerei schweigt. Nur wenige Stimmen sind aus den Kirchen zu vernehmen, die gegen diesen alltäglichen unchristlichen Umgang mit unseren Mitlebewesen auf diesem Planeten ankämpfen, wie etwa der Theologe Eugen Drewermann oder die Christen denen der Heilige Franziskus ein Vorbild ist. Sollnitz müßte überall möglich sein, doch dazu bedürfte es eines Umdenkens besonders der Christen. Solange aber die römisch-katholische Kirche nicht mal Stierkämpfe in Spanien als unchristlich verwirft und die Beteiligten aus der Kirche ausschließt, so wie sie das komischerweise mit Christen macht, die sich haben scheiden lassen und die wieder geheiratet haben, wird sich kaum etwas ändern, denn damit zeigt die römisch-katholische Kirche ihr wahres Gesicht, daß ihr absurde Sittlichkeitsbegriffe die sich um Ehe oder Sexualität ranken mehr am Herzen liegen als Humanität und christliche Nächstenliebe gegenüber Menschen und Tieren. Wenig besser sind die protestantischen Kirchen, auch die betrachten Tiere als minderwertige Lebewesen und schlimmste Brutalität gegenüber Tieren ist auch in diesen Kirchen kein Thema.
Neben meinen Fotos von der Sollnitzer Rinderfarm noch zwei Fotos von o.a. „Luxus“-Boxen für Kälber und hier ein Link zu diesem Thema:
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~rebert/arlectures/media/index.php?f=2&v=drewermann
(Video-Mitschnitt eines Vortrages von Eugen Drewermann: Wie hältst Du´s mit den Tieren – oder von der Notwendigkeit einer neuen Tierethik)
„Was schon wieder ein Blogbeitrag über den Sollnitzer See?“ – dies mögen ja etliche Leser denken, da ich im vorigen Jahr etliche Fotos von dort gepostet hatte, siehe:
http://barrynoa.blogspot.com/2009/08/sommer-am-sollnitzer-see.html und
http://barrynoa.blogspot.com/2009/09/1-september-sommertag-voller-sonne.html . Nun, was soll´s, an sommerlich warmen Tagen wo die Sonne strahlt, da zieht es mich halt immer wieder gern an diesen See und darum auch in diesem Jahr mal wieder einige Impressionen, die vom heutigen Tag stammen. Das schöne am Sollnitzer See ist neben der wunderbaren Landschaft und dem klarem Wasser des Sees, daß die Besucher dort nicht wie die Heringe aufeinander liegen müssen, da das Gelände um den See sehr weiträumig ist. In einer Zeit wo für alles und jedes bezahlt werden muß, ist der Sollnitzer See eine finanzielle Oase die an die DDR-Zeit erinnert, denn zum Glück muß man weder Eintritt noch Parkgebühr (auch nicht für Wohnmobile) löhnen (noch nicht!). Sehr günstig ist auch, daß die Gaststätte am See ihre Gäste mit einem Kiosk und zusätzlichen Sitzgelegenheiten im Freien versorgt, dies bei günstigen Preisen, was in der heutigen Zeit auch keine Selbstverständlichkeit ist.