Dienstag, 25. Mai 2010

Lustiges und weniger lustiges im Dessau-Wörlitzer Gartenreich



Fährt man über Griesen nach Wörlitz dann grüßen seit vielen Jahren am ersten Haus (linkerhand) lustige Figuren den Besucher der Parkstadt. Diese Figuren sind nicht etwa von der Stadt dort aufgestellt worden, sondern von den Besitzern dieses Hauses. Einfach nur lustig das Ganze und originell! Weniger lustig ist das Umfeld des zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehörenden „Drehberges“, denn die als Wohnhäuser genutzten Buden erinnern mehr an Behausungen in den Slums von Bombay als an mitteleuropäische Wohnstätten. Erstaunlich, daß im Jahre 2010 unter solchen Bedingungen noch Menschen wohnen. Eine Frau, die ein solches Häuschen mitsamt ihren Hühnern und Enten bewohnt - welches ich mit ihrer Genehmigung fotografieren durfte - hat weder Fernsehen (welches sie gern hätte) noch sonstigen einfachsten Komfort, und dies obwohl sie eine von Amts wegen eingesetzte Betreuerin hat. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß das Betreuungswesen in Deutschland ein einziger finanzieller Selbstbedienungsladen diverser Berufsbetreuer geworden ist, wo aber die zu Betreuenden im praktischen Leben ziemlich allein gelassen werden.

Montag, 24. Mai 2010

Frohe Pfingsten!


Zum 2. Pfingstfeiertag habe ich Ihnen, liebe Leser, aus meiner Sammlung von alten Kitschpostkarten eine Pfingstkarte heraus gesucht. Diese Karte stammt aus den 30er Jahren, der Cartoonist ist mir trotz Monogramm E.vR. nicht bekannt. Da nun heute leider der 2. Pfingstfeiertag verregnet, ist diese alte Postkarte gerade das richtige, denn sie flunkert uns eine sonnige Pfingststimmung vor – der Regenschirm des flotten jungen Fräuleins bleibt unaufgespannt! Maikäfer scheint es, wie auch die vergangenen Jahre schon, bei uns leider nicht zu geben. Nun, dann erfreuen wir uns an den hübschen Gesellen eben auf der Zeichnung der Postkarte. Ich mag sie, die Maikäfer, gehören sie doch wie die so wunderbar duftenden Maiglöckchen und die leckere Maibowle einfach zum Wonnemonat Mai dazu.

Frohe Pfingsten, liebe Leser!
Herzlichst
Ihr
Bernd Nowack

Sonntag, 23. Mai 2010

Pfingsten und die Ökumene

Darmstadt (dpa/lhe) – Die biblische Pfingstgeschichte gibt nach Ansicht des Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, Antwort auf aktuelle Fragen. «Hier stehen viele Menschen mit ganz verschiedener Herkunft, Kultur und Sprache beieinander und verstehen sich, ohne einander gleich zu werden», sagte Jung nach EKHN-Angaben am Freitag in Darmstadt. Menschen müssten für ein friedliches Zusammenleben nicht gleich werden. «Die Vielstimmigkeit und die Verschiedenheit der Kulturen kann bestehen bleiben.» Dies hätten Christen beim Ökumenischen Kirchentag in München vorgemacht.


Hm, na ja! Also ich weiß nicht, ob offizielle Tolerenzbekundungen der Kirchenoberen die Kleingeister der unteren Ebene in den christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften überzeugen können? Ich glaube es nicht, dazu sind die Ressentiments oft zu groß.


Ein Beispiel! Vor Weihnachten wollte ich kleine Krippenfiguren, von denen ich an die hundert kleine Beutelchen von einem orthodoxen Kloster (um dieses ein wenig finanziell zu unterstützen) erworben hatte, einem evangelischen Kindergarten in Dessau zukommen lassen. Dies gestaltete sich schwierig, das heißt gar nicht, denn ich als Schenker war nicht gewillt erst dieses Spielzeug vom für den Kindergarten zuständigen Pfarrer und der Leiterin des Kindergartens auf „theologische“ und „pädagogische“ Unbedenklichkeit (?) prüfen zu lassen. Von meiner Schenkungsabsicht informiert, teilte mir der evangelische Pfarrer per Email mit: "…Unabhängig davon finde ich es sehr nett, dass Sie sich um Spielzeug für die Kinder unseres Kindergartens kümmern. Danke. Ob sich orthodoxes Spielzeug theologisch mit den Inhalten unseres evangelischen Kindergartens vereinbart, sollte im Zweifelsfall immer zuerst mit mir besprochen werden. Ob es pädagogisch brauchbar ist, kann Frau ….. (Kindergartenleiterin) besser einschätzen…"

Daß diese Berührungsängste gegenüber anderen christlichen Kirchen oder deren Produkten, wie eben besagten Krippenfigürchen, nach so vielen Jahren Ökumene noch bestehen, dies erstaunte mich schon sehr. Sonntagsreden auf dem Ökumenischen Kirchentag, gerade seitens der Evangelischen, klingen allerdings anders. Seit Jahren versucht man den Schwarzen Peter der römisch-katholischen Kirche zuzuschieben, die sich gegen ein gemeinsames Abendmahl mit den Evangelischen sperrt. Auf dem Ökumenischen Kirchentag in München feuerte die frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, siehe auch meine Kolumne http://barrynoa.blogspot.com/2009/12/von-margot-honecker-zu-margot-kamann.html , einige Breitseiten gegen die römisch-katholische Kirche ab.


Besonders griff Sie die Haltung des Vatikans an keine Abendmahlsgemeinschaft mit den Evangelischen einzugehen, dies obwohl sie als Theologin ja genau Bescheid weiß, daß Eucharistie bei den in apostolischer Sukzession stehenden alten Kirchen etwas völig anderes ist als das Abendmahl der Evangelischen, es also völlig ausgeschlossen ist, daß die römisch-katholische Kirche diesen Grundpfeiler aufgeben kann. Es ist merkwürdig, die evangelische Seite verlangt seit Jahrzehnten, daß die alten Kirchen ihre Positionen aufgeben sollen, aber selber rückt man keinen Deut von den eigenen Traditionen ab, die man für fortschrittlich hält, wohingegen man den apostolischen Kirchen altmodisches Denken und Handeln vorwirft. Man rückt z.B. kaum davon ab, daß man einzig in dem geschriebenen Wort, der Bibel, den absoluten Mittelpunkt christlichen Glaubens sieht. Man beschränkt sich allein auf einen Sinn, das menschliche Hören. Glaubensvermittlung durch andere Sinne, wie das Sehen, z.B. Bilder, oder das Riechen (Weihrauch) werden verworfen. Heiligenverehrung, Marienverehrung, Glaubenserfahrung durch heilige Orte, Wallfahrten zu heiligen Orten, werden abgelehnt. Auch besteht eine große Distanz gegenüber heutigen Pfingsterlebnissen. Daß der Heilige Geist eben nicht nur sich so und so in der Apostelgeschichte des Lukas zeigte, sondern genauso auch hier und heute wirken kann, dem steht man skeptisch gegenüber. So werden also ebenfalls neupfingstlerische Christen als von der reinen Schriftlehre abweichende Exoten angesehen. Es ist also nicht so, daß allein die römisch-katholische Kirche an den bisher ausgebliebenen großen Schritten der Ökumene Schuld hat, sondern die allein auf die Schrift fixierten Protestanten tragen ebenfalls einen Großteil Schuld daran. Es ist allerdings auch zu fragen, ob noch mehr ökumenische Einheit als bisher schon überhaupt wünschenswert ist, ob nicht die derzeitige Vielfalt viel christlicher ist, als ein großer christlicher Einheitsbrei?

Daß Menschen nicht so einfach jahrhundertealte Traditionen über Bord werfen, ja daß sie wirklich sehr oft mehr als engstirnig sind, dies beweist mein Beispiel des evangelischen Pfarrers der so große Vorbehalte allein schon gegen Spielzeug hat, welches aus in einem orthodoxen Kloster stammt. Daß sogar Kirchen, die selber in der Diaspora seit Jahrhunderten leben, auf Kirchen herabschauen, denen es noch schlechter geht als ihnen selber, dies zeigen die Ausfälle der koptischen Kirche gegen vermeintliche Nestorianer. Obwohl längst bewiesen ist, daß die Heilige Apostolische und Katholische Assyrische Kirche des Ostens keineswegs sich die nestorianische Christologie zu eigen gemacht hat, lehnen die Kopten eine Zusammenarbeit mit dieser Kirche ab, deren Mitglieder seit Jahrhunderten ein Martyrium nach dem anderen durchmachen mußten, wie sonst keine andere große Kirche. Obwohl die koptische Kirche keinen Anlaß hat den ersten Stein zu werfen, da sie selber genügend Grund hat sich zu schämen, tut sie das dennoch in Richtung vermeintlicher Nestorianer. Ein Hort der Freiheit, besonders für Kinder und Jugendliche, ist die koptische Kirche schon lange nicht mehr. Berühmt-berüchtigt sind die Sonntagsschulen und die vielen anderen Erziehungseinrichtungen die von der koptischen Kirche betrieben werden, wo mittelalterliche Züchtigungen von Kindern im Namen des Herrn an der Tagesordnung sind. Die Exzesse an diesen „christlichen“ Einrichtungen empören sogar mit Recht die islamischen Mitbürger und sie diskreditieren die Religion der Liebe, siehe z.B. den grauenvollen Tod eines Schülers, den sein Lehrer zu Tode prügelte, was aber nur die kleine Spitze eines riesigen Eisberges darstellt, siehe den Beitrag über die grauenvollen „Erziehungsmethoden“ in christlich-koptischen Schulen, u.a.: http://www.copticorphans.org/boy-dies.htm  

In der ägyptischen Hafenstadt Alexandria hat ein 23-jähriger Mathematik-Lehrer einen elfjährigen Schüler (siehe Foto) im Klassenzimmer zu Tode geprügelt, wie die Tageszeitung Al-Masry Al-Yom berichtet. Grund: der Schüler habe seine Hausaufgaben nicht vollständig gemacht, dafür habe Haitham Nabil Abdel Hamid ihn bestrafen wollen. Durch die harten Bauch-Tritte des Lehrers brach der Junge zusammen und starb kurz darauf im Krankenhaus.


Oder das Martyrium eines kleinen Mädchens, welches an einer christlich-koptischen Schule von seinem Lehrer so auf die Hände geschlagen wurde (ein gängiges Erziehungsmittel an diesen Schulen), daß diese dauerhaft kaputt sind (siehe ebenfalls bei copticorphans.org).

Dieses entartete Christentum hat nun nicht das Geringste mehr mit der Lehre des Jesus von Nazareth zu tun, mit derlei „Christen“ eine ökumenische Gemeinschaft zu bilden, hieße eine entsetzliche Entartung des Christentums salonfähig zu machen.

Pfingsten


Pfingsten gehört zu den wenigen Feiertagen die stimmig sind. Pfingsten erfreut einen im Herzen, es belastet einen nicht wie etliche andere gesetzlichen Feiertage in Deutschland. Vergleichen wir Weihnachten mit Pfingsten: Weihnachten, die Feiertage wo wir eigentlich uns nur freuen sollten, daß Jesus Christus geboren wurde, wo aber ein Fest entstanden ist, daß eigentlich das entartetste christliche Fest geworden ist, mit all der scheinheiligen Heimeligkeit, den rührseligen Liedern, der bürgerlichen Schenkerei, der unangebrachten Völlerei, dem mehr als unpassenden Weihnachtsbaum, der statt einer Krippe im Mittelpunkt bei den Familienfeiern steht, obwohl das Geburtsland Jesu und ein Weihnachtsbaum überhaupt nicht zusammen passen wollen. Dies alles nun in unseren Breiten in einer kalten dunklen Jahreszeit gefeiert, wo mehr die dunklen Mächte auf die Gemüter der Menschen einwirken, als daß denn wirklich Freude über die Geburt des Jesuskindes aufkommen könnte. Gerade in einer Zeit wo der Mensch ruhen sollte, da wird er künstlich aufgeputscht, wird durch die Adventszeit gejagt mit all den widerlichen diversen Feiern und diversen Gottesdiensten und Andachten und den Marktschreiereien des Handels und der Medien. Dann folgt auch noch zu allem Überdruß in kurzen Abständen ein Fest nach dem anderen - das laute Silvester, das Dreikönigsfest – ein widerlicher Marathon der Feste und Feiertage, wie er unpassender zeitlich nicht hätte platziert werden können. Dagegen ist Pfingsten ein Fest was man unbeschwert angeht, was einen seelisch und nervlich nicht belastet, wo man sich ganz auf das Wunder der Ausgießung des Heiligen Geistes freuen kann, nicht abgelenkt wird von „Volksbräuchen“. Auch der Handel hat zum Glück dieses Fest noch nicht für seine merkantilen Interessen entdeckt und wir bleiben verschont von wochenlangen Berieselungsaktionen wie sie zu Weihnachten, Silvester und Ostern immer penetranter werden. Ja und die Pfingstausflüge sind auch nicht entartet wie dies zu Christi Himmelfahrt mit den „Vatertagsfahrten“ geschieht, wo der Alkohol im Mittelpunkt steht.

Die Feiertage bei uns waren und sind in der Regel christliche Feiertage und diese entstanden durch vielerlei Einflüsse, seien es jüdische Wurzeln oder römische religiöse Feste auf die einfach christliche Feste aufgesetzt wurden. Viele bedeutende Ereignisse im Leben von Jesus Christus führten nie zu einem Fest, obwohl sie entscheidend waren für Christi Lehre. Nur zwei Beispiele: Jesus jagte die Geldwechsler aus dem Tempel (Die Geldwechsler wechselten normale Münzen in Tempelgeld. Dieses opferten dann die Gläubigen dem Tempel.), eine entscheidende Tat des historischen Jesus, die eigentlich zu einem Fest hätte führen müssen. Daraus wurde aber nichts, da auch die entstehende Kirche nach dem Tode von Jesus sich der Praxis des Geldeinnehmens bediente, die Jesus entschieden ablehnte. Noch heute negieren viele große Kirchen diese Tat von Jesus und neben der Geldeinnahme durch Kirchensteuer, Kirchgeld und Spendenaufrufen verbinden sie Gottesdienste mit dem Einsammeln von Geld in Form von sogenannten Kollekten, dies sehr oft in penetranter Form, indem den Gläubigen am Ausgang nach dem Gottesdienst so ein Kollektenkorb vor die Nase gehalten wird. Was würde wohl Jesus dazu sagen, dies nachdem ihn solcherart Unart im Tempel empörte? Würde er wie weiland die Wechsler mitsamt ihrem Gelde tätlich angreifen? Bestimmt würde er dies tun, denn weltliche Geldeinnehmerei und Gottesdienst, dies ist für ihn wie Feuer und Wasser. Gut vorstellen kann man sich, daß Jesus, heutige Kollektenkörbe den dort stehenden „Wechslern“ entreißen würde, den Inhalt vor die Kirche werfen würde, wo es den Bettlern und Obdachlosen zugute kommen würde, die oftmals vor den Kirchen auf Gaben hoffen, meistens aber von den Gottesdienstbesuchern mit kläglichen Brosamen abgespeist werden. Namenschristen spenden  sehr oft lieber Institutionen oder toten Dingen als persönlich Armen, Hungernden und Obdachlosen dieses Geld zu geben.

Das zweite Beispiel! Die Bergpredigt ist das wohl entscheidendste Zeugnis was wir über die Lehre von Jesus Christus haben. In dieser Predigt wird eindeutig klar was er wollte. Die Verkündigung der entscheidenden Lehre, das eigentliche Christentum, führte allerdings nicht zu einem Feiertag, ein mehr als bezeichnendes Bild der christlichen Traditionen, welche sich schon in frühester Zeit, sogar schon kurz nach dem Tode von Jesus, in eine weltliche Richtung entfernten, die die Lehre des Jesus von Nazareth immer mehr verwässerte, ja oft sogar in ihr Gegenteil verkehrte.

Ich wünsche allen Lesern des Blogs angenehme Pfingstfeiertage! Freuen wir uns über die Ausgießung des Heiligen Geistes damals bei den ersten Christen und das Wirken des Heiligen Geistes in der heutigen Zeit, welcher uns in vielfacher Form begegnet, symbolisiert durch die Taube, dem so wundervollen hochgeistigen Friedens-und Hoffnungsbringer.

Freitag, 21. Mai 2010

Das Grab der Künstlerfamilie Kieser auf dem Dessauer Friedhof III


Treue Leser werden sich bestimmt noch an meine Kolumne über die Künstlerfamilie Kieser hier im Blog erinnern, siehe: http://barrynoa.blogspot.com/2008/05/knstlerfamilie-kieser-der-waldkater-und.html ? Da ich vor kurzem etliche Beiträge über den Dessauer Friedhof III (http://barrynoa.blogspot.com/2010/03/geschichtslose-und-kulturlose-stadt.html ,
http://barrynoa.blogspot.com/2010/03/graber-auf-dem-friedhof-iii-in-dessau.html ,
http://barrynoa.blogspot.com/2010/03/friedhof-iii-dessau-die-grabstatten.html , http://barrynoa.blogspot.com/2010/04/foto-impressionen-vom-dessauer-friedhof.html )  brachte und viele interessante Ruhestätten berühmter Dessauer vorstellte, da darf natürlich auch nicht die Ruhestätte der Familie Kieser fehlen, zumal den Grabstein eine sehr gelungene Plastik aus der Kieserschen Werkstatt "Waldkater-Keramik" ziert. Heute nun ein Foto dieses Kunstwerkes. Es bleibt zu hoffen, daß es von Vandalismus und den berühmt berüchtigten gelben Aufklebern der Friedhofsverwaltung auch in Zukunft verschont bleibt.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Die Barockstadt Oranienbaum - Teil 4



Den Besucher der Barockstadt Oranienbaum befremdet ein wenig, wenn er im nördlichen Teil des Schloßparkes einen Gartenstil vorfindet der völlig anders ist als der barocke große Garten. Ein schmaler Streifen empfängt da die Spaziergänger, und dies im Gegensatz zu den strengen Grundrissen des sonstigen Barockgartens, im naturnahen unregelmäßigen Stil. Rund 100 Jahre nach der Entstehung des Schloßgartens in Oranienbaum gestaltete Fürst Franz (1740-1817) einen Teil des barocken Inselgartens und einen schmalen Waldgürtel zu einem „chinesischen Garten“ um. Diesen Garten durchziehen Wasserläufe die von Brücken in ebenfalls „chinesischem“ Stil überquert werden. Zwei Bauwerke sind Mittelpunkte dieses Gartenteiles: die Pagode und das Teehaus! Die Pagode erinnert mich unwillkürlich an tibetische Gebetstürme. Besonders die goldenen Hörner an den Dachenden imponieren mir. Bei Sonnenschein leuchtet die Pagode schon von weitem und sie hat unbestritten eine gewisse religiöse Wirkung ähnlich einem Wallfahrtsgebäude oder einer Kirche. Nicht minder interessant ist das Teehaus, welches sich auf einer kleinen Insel befindet. Da derzeit das Gebäude restauriert wird und es eingehüllt ist, habe ich darauf verzichtet es zu fotografieren und dafür für die Leser zwei alte Postkarten eingescannt. Es ist merkwürdig, aber mir scheint es, als wenn der „chinesische“ Garten langsam in einen „altgermanischen“ Gartenteil übergeht, zumindestens erinnern einen die Steinansammlungen teiweise an Hünengräber. Dies ist ein ganz persönlicher Eindruck, den ich allerdings sonst nirgends bestätigt finde, daß dies von den Gartenschöpfern auch so gedacht wurde. Dieser Teil des „chinesischen“ Gartens des Schloßes Oranienbaum geht dann langsam in einen ganz normalen deutschen Wald über.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Die Barockstadt Oranienbaum - Teil 3



Heute möchte ich fortfahren mit Fotografien des Oranienbaumer Parkes. Kommt man von Dessau, dann sieht man als erstes am südlichen Ende der Parkanlage die Orangerie, welche mit 176 Meter Länge eine der größten ihrer Art in Europa ist. 1812-1818 von dem Baumeister Carlo Ignazio Pozzi im klassizistischen Stil erbaut, beherbergt sie noch heute im Winter die vielen exotischen Kübelpflanzen und dient im Sommer u.a. Ausstellungen als Domizil. Die Besucher, die Oranienbaum von früher her kennen, vermissen allerdings den kleinen günstigen Parkplatz direkt gegenüber der Orangerie. Noch vor ein paar Jahren stand dort ein kleiner Kiosk, der sich harmonisch in das Ensemble einfügte. Dort konnte man auch sein Auto parken. Nach langem Rechtsstreit wurde dieser Kiosk nun abgerissen, mal wieder gegen die Interessen der Bürger, die es gern gesehen hätten, wenn dieser kostenlose Parkplatz weiter genutzt werden könnte und wenn in diesem Kiosk typische Kioskwaren für Touristen angeboten würden. Daß man Touristen auch preiswerte Handelseinrichtungen anbieten muß um weiter attraktiv zu sein, dies ignorieren leider die Verantworllichen. Wie schön wäre es gewesen wenn Autofahrern und Radtouristen diese Verkaufseinrichtung nebst kostenlosem Parkplatz erhalten geblieben wäre. Es geht insofern also auch in Oranienbaum immer mehr bergab, es wird alles immer besucherunfreundlicher. Statt allen Menschen den wunderbaren Park schmackhaft zu machen, so wie zu DDR-Zeiten, wo breite Schichten gern den Park besuchten, setzt man heute lieber auf die High Society. So können diese Herrschaften die halbe Orangerie für 1.100 Euro pro Tag für Feste, Bankette und dergleichen mieten. Auch die regelmäßig stattfindenden Parkfeste sind nicht für Kulturinteressierte konzipiert, sondern sie bedienen den Geschmack einer kleinen geldbürgerlichen Schicht die sich an dekadenten Kunstdarbietungen erbaut.

Nun, trotz der Verwerfungen der derzeitigen kulturellen Ausrichtung des Parkes, ist der Park noch immer sehenswert und das schöne Alte und die Natur haben ja schon etliches im Laufe der Jahrhunderte überstanden. Derzeit blühen im hinteren Teil des Parkes die Rhododendron-Büsche, welche eine stattliche Höhe erreicht haben. Hinter der Orangerie befindet sich ein kleiner Citrusgarten, eine Art Lehrgarten. Der von mir fotografierte Holzturm ist nicht etwa ein monströser antiker Galgen, sondern er dient den schweren Kübelpflanzen als Umtopfhilfe und dergleichen. Der alte Kupferstich von Schloß und Park Oranienbaum stammt übrigens aus dem bekannten Werk von Johann Christoph Beckmann „Historie des Fürstentums Anhalt“ von 1710-1716.