Mittwoch, 7. Juli 2010
Entfesselte Magik (Gordon Nr. 17)
Heute habe ich mal wieder in einer alten Truhe gekramt wo alte Familienschätze zu finden sind. Diese sind zwar keine Schätze von hohem Geldwert, aber von ideellem Wert, da Erinnerungen daran hängen. Das Lernspiel „Entfesselte Magik“ (Gordon Nr. 17) muß ich so Ende der 50er oder Anfang der 60er Jahre geschenkt bekommen haben. Eigentlich ist es nur ein Frage- und Antwortspiel, mit Fragen, wie „Was ist Chlorophyll?“, „In welcher Stadt ist das Grab Mohammeds?“ oder „Wie heißt die Hauptstadt Rumäniens?“ – Spannend fand ich, und dies wahrscheinlich andere Kinder auch, daß die richtige Antwort dann ein alter Magier mit Turban und Bart anzeigte. Ein wirklicher Weiser, was ja auch teilweise Magier bedeutet, wenn man die altpersische Sprache heranzieht, wo ja auch die drei Weisen herkamen welche die Geburt Jesu Christi weissagten und die dem Jesuskind, nach langer Reise zu ihm hin, huldigten.
Der Magier in dem Lernspiel „Entfesselte Magik“ zeigt mit einem Stab, nachdem abgefragt wurde, auf die richtige Antwort. Dies geschieht durch Magnete. Mir hat das Spiel als Kind eine ganze Weile Spaß gemacht und wenn ich mir die Fragen und Antworten auf den Spielblättern so anschaue, auch wenn die Fragen oft gar nicht so einfach sind, so weiß ich diese heute immer noch aus dem Stegreif zu beantworten. Wahrscheinlich wäre ich ohne dieses Spiel ein Gutteil unwissender, insofern sind derartige Lernspiele bestimmt hilfreich für die Persönlichkeitsentwicklung.
Dienstag, 6. Juli 2010
Schöne neue Brief und Zustelldienste-Welt
Wo liegen nun die Vorteile dieser Privatisierung für den Kunden? Ja, in Ballungszentren können Betriebe und Institutionen meistens billiger ihre Post befördern, aber zu welchem Preis an Datenschutz und Zuverlässigkeit geschieht das? Der Preis ist hoch, denn was sich bei vielen der neuen Postdienste so abspielt ist sagenhaft. Wurden früher Postzusteller vereidigt, wurden intensiv geschult, waren mit hoheitlichen Aufgaben, wie der Zustellung von Einschreibbriefen beauftragt, hatten niemals Post bei sich zuhause liegen zu haben, so trifft dies für die neuen Postdienste nicht mehr zu, es ist reine Glückssache ob man an seriöse Unternehmen und geschulte Zusteller kommt oder an dubiose Unternehmen und unseriöse Zusteller.
Vorigen Samstag fand ich oben abgebildeten Schein in meinem Postkasten vor. Hm, ein Einschreiben, also eine wichtige Sache! Zustellversuch am 2.7. erfolglos? Möglich, da waren ich und mein im Hause wohnender Hausmeister mal eine Stunde lang einkaufen, also möglich, daß da der Postbote gerade geklingelt hatte, aber am 3.7. als der gute Mann den Zettel in meinen Briefkasten warf, da waren sowohl mein Hausmeister sowohl auch ich im Hause, wir hätten die Klingel auf jeden Fall gehört, denn kaputt war diese nicht, wie wir mehrmals ausprobierten. Na ja, also bei diesem privaten Postdienst anrufen, denn ich wurde ja aufgefordert, einen neuen Postzustelltermin zu vereinbaren. Also im Internet gegoogelt, was das für eine Postfirma ist die sich „-------“ nennt und ihren Firmensitz in einer Stadt in der Nachbarschaft Dessaus hat. Hm, noch nicht mal eine Homepage wo ein potentieller Kunde mal die Konditionen dieser Firma einsehen kann und nur in zwei Branchenseiten (den einzigen die es zu dieser Firma gab) waren Festnetznummern angegeben. Also habe ich die angerufen! Bei beiden Telefonnummern: „Kein Anschluß unter dieser Nummer!“ Hm, also dann doch zwangsweise die 0800-Nummer gewählt die auf dem Schreiben stand. Da war man so clever, oder besser so unverschämt, einen Satz zu drucken der da lautete:
„Die Sendung gilt mit Einwurf dieser Benachrichtigung als rechtsgültig zugestellt, egal wann und ob Sie von Ihrem Inhalt Kenntnis nehmen.“
Na prima! Alles sehr logisch und kundenfreundlich!
Also, ich rief an! Da meldete sich nun nicht etwa ein Büro oder Call-Center, sondern ein Herr der mir mitteilte, daß er mich schlecht verstehen könne, denn er sei gerade in einem Supermarkt wo er seine Wochenendeinkäufe tätigen würde und das Einschreiben würde mir am Montag erneut wieder zugestellt werden. Daß wir zuhause waren, als der Zusteller die Benachrichtigung in den Briefkasten warf, dies wischte er vom Tisch, seine Zusteller seien zuverlässig, basta! Ja und auf meine Frage, wo der Einschreibbrief denn jetzt sei, kam zur Antwort: „Na beim Zusteller, bei ihm zuhause!“. Meine Bitte, mir doch dessen Telefonnummer oder Anschrift zu geben, damit ich dort den Brief abholen könne, dies lehnte er ab. „Montag wird zugestellt“!
Ja, nun hatte ich aber am Montag Wege zu erledigen und ich befürchtete, daß der Brief wieder nicht in meine Hände kommen würde, also rief ich Montag früh wieder bei dieser Firma an. 7.00 Uhr, 7.30 Uhr, 8.30 Uhr – immer nichts, nur die Mailbox die nun nicht etwa ansagte: Hier ist die Mailbox der Firma ---, sondern: „Hier ist die Mailbox von (Vorname) – (Nachname)“, also einer privaten Person. Endlich um 9.00 Uhr ein Lebenszeichen dort, der Herr, den ich schon am Samstag an der Strippe hatte, – Sie wissen schon, der da am Samstag im Supermarkt seine Wochenendeinkäufe während des Gespräches erledigte – der war dran. Ich fragte wann denn der Zusteller in etwa kommen würde, heute! „Heute gar nicht, der hat heute seinen freien Tag, meine Zusteller arbeiten von Dienstag bis Freitag! Also dann erst wieder am Dienstag ab ca. 9.30 Uhr!“ Hm! „Und der Brief, der wichtig sein könnte“ - fragte ich! „Ach der, da machen Sie sich mal nicht heiß, solche Einschreiben sind meistens nicht so wichtig“ - lautete die Antwort. Ich: „Ja und wo ist der Brief jetzt?“! Er: „Na beim Zusteller zuhause, was sonst!“ Hm! Ich: "Aber Sie hatten doch am Samstag gesagt, der Brief wird am Montag zugestellt?" Er:"---- (Schweigen)."
Also warten auf Dienstag! Ich konnte also am Montag in Ruhe meine Wege machen, holte das Auto aus der Garage und fuhr los. Und, oh Wunder, in meinem Wohngebiet fuhr vor mir ein Auto mit der Aufschrift dieser privaten Post und hielt an einer Kreuzung auch noch an. Ich raus aus dem Auto und den Fahrer gefragt. „Haben Sie zufällig mein Einschreiben, Adresse so und so…?“ „Ja, habe ich, das wollte ich heute wieder nach xxx (andere Stadt) fahren! Hier haben Sie es!“ Ich: „Ich denke Sie haben frei heute, dies hat doch ihr Chef gesagt?“ Der Zusteller.„Ich frei? Davon weiß ich nichts!“ Ich: „Ja und haben Sie heute wieder versucht zuzustellen, ich war doch bis jetzt zuhause! Und wären Sie nachher noch mal gekommen?“ Der Zusteller: „Nö, zugestellt hätte ich heute das Schreiben nicht, heute bin ich hier fertig, muß jetzt woanders hin!“
Häh! Also konfuser geht’s nimmer und solch einer Firma wird Einschreibpost anvertraut? Der Einschreibbrief war von der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Also, liebe anhaltischen Evangelen! Überlegt Euch mal, wem Ihr da Post anvertraut. Ein bischen seriöser könnte es wohl sein, oder? Oder ist Seriosität seit der Wende auch bei Kirchens ein Fremdwort geworden und man macht kräftig mit bei all den Verwerfungen des Kapitalismus, ist selber Teil eines unmoralischen und unchristlichen Systems geworden?
Montag, 5. Juli 2010
Von deutschen Mainstream-Medien und freiheitlichen Bloggern
Daß mein Blog zu den führenden gesellschaftskritischen deutschsprachigen Google-Blogs zählt, dies zeigen die ständig gestiegenen Leserzahlen und die Zugriffsstatistik. Manche kleine Zeitung wäre froh, so viele Leser zu haben. Nun, kein Grund, hochnäsig zu werden! Entscheidend für den Erfolg ist u.a. auch die schonungslose Darstellung von Mißständen in unserem Land, welches in den Mainstream-Medien der bürgerlichen Meinungsmacher wischiwaschi und handzahm daher kommt, dies machen die Blogger natürlich eindeutiger, da sie keinem kapitalistischen Arbeitgeber verantwortlich sind. Was man so in freien Blogs, wie dem von Karl Weiss (http://karlweiss.twoday.net ) lesen kann, dies wird man in den herrschenden Volksverdummungsmedien kaum finden.
Immer wieder versucht man mich zu korrumpieren und es kommen Angebote für das deutsche öffentlich rechtliche oder das private Fernsehen zu arbeiten. Bisher habe ich abgelehnt. Es sind oft gute Filmemacher, die mich da anschreiben, die ich schätze, aber sie arbeiten eben halt für Medien die ich selber ablehne und die ich seit langem so gut wie nie mehr nutze. Leid tat es mir das Angebot von Karsten Herold abzulehnen, denn seine sozialkritischen Filme sind nicht übel. Am 14. Mai diesen Jahres schrieb er mir unter anderem:
„Sehr geehrter Herr Nowack,
ich danke Ihnen für Ihre Antwort auf meine Anfrage und bedauere natürlich gleichzeitig die darin enthaltene Absage. Ich möchte sie aber nocheinmal bitten, diese zu überdenken. Ich kann ihre Meinung den gängigen Mainsstream nicht unterstützen zu wollen durchaus nachvollziehen. Unsere Produktionsfirma ARMADAfilm arbeitet seit Jahren als unabhängiger Produzent und hat sich gerade durch das Aufgreifen von Nicht-Mainstream-Themen einen Namen gemacht.
Wir bieten allen unseren Protagonistens stets an, die Verfügbarkeit ihrer Aussagen von der Endfassung des Filmes abhängig zu machen. Das heißt, was sie nicht möchten, wird auch nicht verwendet.
Bitte überlegen sie vielleicht auch, das, wenn nicht glegentlich jemand gegenteilige Meinungen äußert, der Mainstream letztendlich endgültig die Oberhand behält.“
Ja, teilweise haben Sie recht, lieber Karsten Herold, aber ich glaube ich bin ein sehr prinzipienfester Mensch, und fängt man erst mal an für eine Seite zu arbeiten die man nicht gerade zu seinen Freunden zählt, dann verwischt die Trennlinie zwischen Freund und Gegner. Das ist dann so, als wenn ein Abgeordneter der Linken einen Honorarvertrag für den Arbeitgeberverband unterschreiben würde. Nun diese Gesinnungslumpen gibt es in der Politik schon zur Genüge, da denke man nur an Politiker die soziale Phrasen dreschen und selbst in einem Aufsichtsrat sitzen, also Profiteure der Ausbeutung sind. Noch schlimmer die Kirchen. Statt sich mit aller Kraft gegen den Sozialabbau und die schändlichen Hartz-Gesetze einzusetzen, profitieren sie z.B. von 1-Euro-Jobbern, indem sie derartige Stellen einrichten und die armen Menschen die da für einen Euro die Stunde schuften müssen, ausbeuten. Denn es lohnt sich 1-Euro-Jobber für sich schuften zu lassen, denn würde man reguläre Arbeitskräfte einsetzen, dann müßte man entschieden mehr zahlen, so bekommt man sogar noch Geld von den Arbeitsagenturen drauf wenn man 1-Euro-Jobs einrichtet. Es wird dann immer mit dem Argument gekommen, man würde ja nur gemeinnützige Arbeit machen lassen, die sonst nicht gemacht werden würde – Augenwischerei hoch drei. Was ist Bitte schön daran gemeinnützig wenn, wie ich bei einem Bekannten mitbekam, er einen 1-Euro-Job auf dem evangelischen Friedhof in Roßlau mal ausüben mußte (ja mußte, sonst hätte man ihm sein Arbeitslosengeld gestrichen) und er dort Grabsteine setzen und Gräber ausheben mußte? Alles Arbeiten die früher Friedhofsarbeiter machten, die normal bezahlt wurden. Sind derlei so preisgünstig gemachte Arbeiten eigentlich auch für den Bürger ebenfalls so billig, oder bezahlt der trauernde Hinterbliebene soviel Geld als wenn normale Stundenlöhne gezahlt worden wären??? Kirchen, die sich an dieser Ausbeutung von Arbeitslosen in Deutschland, aktiv beteiligen, denen kann ich keine moralische Integrität zusprechen und christlich ist das für mich schon gar nicht. Nun wird man mir entgegnen, daß sich doch in den letzten Jahren schon viel bei den großen Volkskirchen, der römisch-katholischen Kirche und den evangelischen Landeskirchen gebessert hat, denn bis in die 70er Jahre hinein wurden ja bekanntermaßen zehntausende Heiminsassen die in Heimen, die den Kirchen unterstanden, eingewiesen waren, aufs schlimmste ausgebeutet und mißhandelt (siehe z.B. die Homepage der Diakonie-Freistatt-geschädigten Heimkinder: http://www.heimkinder-ueberlebende.org/ - „Kinder schuften im Moor für die Kirche“), aber kann das ein Maßstab sein? Nein, die Schandtaten der beiden großen Kirchen bis in die 70er Jahre hinein sind nicht mal aufgearbeitet, geschweige denn wurden Entschädigungen für die Quälereien und die Zwangsarbeit geleistet und so gesehen sind die 1-Euro-Jobs nicht mit derartigen schlimmen Dingen in kirchlichen Heimen zu vergleichen, aber beiden ist gemeinsam, daß man am Elend der Ärmsten auch noch profitieren will und dies ist einfach nur widerlich.
Interessiert hätte mich die Sache schon, die mir ein anderer Fernsehjournalist, Joachim Jottmer, im Mai diesen Jahres anbot:
„Sehr geehrter Herr Nowack,
ich bin freier Fernsehjournalist und recherchiere gerade in Sachen Postdienstleister.
Ihre Geschichte mit dem Paket und den nicht hinreichend ausgebildeten Postagenturarbeitern ist daher für mich von Interesse.
Die letzten Sätze Ihrer Paketgeschichte treffen den Nagel wirklich auf dne Kopf:
Nächstens kommt es noch so, daß man Friseuren wie zu alten Barbierzeiten, Zähne ziehen läßt. Statt Fortschritt, in allen Dingen in Deutschland nur noch Rückschritt!“
Nach meiner Absage, daß ich nicht für die deutschen Mainstreammedien arbeiten werde, schreibt Jottmer:
„Ihre Bedenken im Hinblick auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen kann ich aufgrund eigener Erfahrungen recht gut verstehen - Meine Post-Geschichte recherchiere ich jedoch für das K1 Magazin auf Kabel 1.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Sie in dieser Angelegenheit einmal sprechen könnte. Auch, um Ihnen den geplanten Fernsehbeitrag mal zu skizzieren, damit Sie entscheiden können, ob Sie bei dieser Geschichte mitmachen wollen.“
Nun, lieber Joachim Jottmer, ich bleibe dabei, aber ich weiß, daß Sie, wie viele andere bekannte Fernseh- und Pressemenschen auch, meinen Blog lesen und da wird Sie ein Beitrag (der in Kürze hier im Blog zu lesen sein wird) interessieren und diese Story können Sie gern zum Anlaß nehmen um sie im Fernsehen zu thematisieren. Es geht um die dubiosen Geschäftspraktiken eines im anhaltischen Raumes tätigen Unternehmen der „neuen“ privaten Postdienste, mit welchem ich dieser Tage die unglaublichsten Dinge erleben mußte. Also, auch Sie, liebe Leser, am Ball bleiben und immer mal in den Altes und Neues-Blog schauen…..
Sonntag, 4. Juli 2010
Kindheitserinnerungen: Pressefest der "Freiheit", Sputnik und German Titow
Ja, ja die Kindheitserinnerungen! Die größte Tageszeitung des Bezirkes Halle, zu welchem auch Dessau gehörte, war die „Freiheit“, das Organ der Bezirksleitung der SED. Diese Zeitung veranstaltete jedes Jahr ein Pressefest. An einem einzigen dieser Feste nahm ich als Kind teil, das war 1962. Als Souvenir habe ich noch einen kleinen Pappbutton. Der gefiel mir, weil darauf das Pressemännchen der „Freiheit“ drauf war. Es stammte von dem beliebten Witzzeichner der „Freiheit“, Epper, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Epperlein .
Das Pressemännchen sitzt auf einer Rakete, dies war typisch für die Zeit um 1960, schließlich gab es zu dieser Zeit viel Begeisterung für die Raumfahrt, angefangen mit dem ersten Raumfahrzeug überhaupt, dem „Sputnik“ im Jahre 1957 und dann den ersten bemannten Weltraumflügen 1961. Erster Kosmonaut im All war Juri Gagarin, wenig später startete German Titow ins All.
Als Kind besaß ich den oben abgebildeten kleinen Sputnik aus Metall mit dem Schriftzug „Mir“ (Frieden). Er war damals ein häufiges Andenken an diesen ersten Flug ins Weltall welches man kaufen konnte. Irgendwann ist mir dieser Sputnik abhanden gekommen, nur auf dem Foto meines Onkels Werner Caulwell, einem damals bekannten Rundfunkjournalisten und Fotografen, ist er mir als Erinnerung geblieben. Mein Onkel Werner machte auch das untere Foto, welches German Titow im offenen Wagen zusammen mit Hermann Matern bei seinem Besuch in der DDR zeigt, wo Titow begeistert von der Bevölkerung bejubelt wurde.
Einen Skandal löste die DDR-Briefmarke 1961 aus, die Walter Ulbricht und German Titow im offenen Wagen bei einem Korso durch Berlin zeigte. Wahrscheinlich unabsichtlich passiert, aber auf der Hand von Titow waren schwarze Stellen die genau ein Hakenkreuz ergaben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, welchen Wirbel dies erzeugte, obwohl offiziell nie davon gesprochen wurde und solche Gespräche nur privat geführt wurden. Eine Vergrößerung dieser Marke habe ich ebenfalls für die Leser des Blogs eingescannt.
Samstag, 3. Juli 2010
Die Seerosen blühen!
Es ist mir doch immer wieder eine große Freude wenn im Garten die Seerosen blühen. Heute machte ich zwei Fotos (1. und 2. Bild) von meinem Bassin, in welchem neben einer Seerose ein kleiner Frosch sein zuhause hat. Der tauchte aber ab als er mich mit der Kamera auftauchen sah und nun ist er halt nicht drauf auf den Fotos. Seerosen haben für mich immer sehr stark etwas mit dem Jugendstil zu tun. Durch die schlingenden Formen ihrer Stiele waren sie für den Jugendstil prädestiniert, sie waren eine der typischen Blumen dieser Zeit um 1900. Meine Begeisterung für den Jugendstil bezieht sich auf vielerlei Gebiete dieser Stilrichtung. Hier mal ein Link zu einigen meiner Jugendstil-Postkarten: http://barrynoa.blogspot.com/2009/04/alte-postkarten-jugendstil.html .
In meinen Scans zeige ich zwei typische Kacheln aus dieser Zeit mit Seerosen als Motiv (3. Bild). 1896 malte William Waterhouse sein bekanntes Bild von Hylas und den Nymphen (4. Bild). Nymphen und Seerosen gehören untrennbar zusammen, sind doch beide Schönheiten und leben in Seen und Teichen. Auf dem Bild von Julius Kronberg (5. Bild) belauschen zwei Faune eine etwas zu dick geratene Nymphe, die am Ufer schläft, dies aber in Reichweite des Wassers mit einer Seerose darin. Die wohl bekanntesten und teuersten Gemälde welche Seerosen zeigen, sind die Seerosenbilder von Claude Monet (6. und 7. Bild), der aber, wie man deutlich sieht, kein Jugendstilmaler war, sondern ein typischer Vertreter des Impressionismus. Scotts kahnfahrende und badende Jungen (8. Bild) erinnern mich irgendwie an den Kühnauer See, der zu meiner Kindheit ein Eldorado für Seerosen war und wo ich oft baden ging, ich mich aber vor den Seerosen fürchtete, weil ich Angst hatte mich in ihnen beim Schwimmen zu verfangen. Nicht umsonst wird in der volkstümlichen Überlieferung den Schlingpflanzen, wozu auch die Seerose zählt, die Kraft zugesprochen, einen Menschen in die Tiefe zu ziehen. Man hatte immer mal wieder von Fällen gehört, wo ein Schwimmer sich so in Wasserpflanzen verhedderte, daß er sich nicht mehr befreien konnte und ertrank. Ob dies nun wirklich stimmt, dies entzieht sich meiner Kenntnis. Das letzte Bild ist von Karl Schmidt-Rottluff. Da ist die Seerose schon weitgehend der Realität entrückt. Die Moderne mit dem Expressionismus bricht sich Bahn.
1990 - die neue Gewerbefreiheit mit Hindernissen
Das waren Zeiten – 1990! Die Ratten verließen das sinkende Schiff. Die, die früher am wildesten die „sozialistische“ Fahne schwenkten, die wendeten sich am schnellsten. Das Wort „Wendehals“ wurde zum Wort des Jahres 1990 in der DDR. Die alten Seilschaften der SED-Sozialfaschisten funktionierten besser denn je, man sah zu wo man unterkommen konnte und nistete sich in den neuen Strukturen ein. Besonders der im Aufbau befindliche bundesdeutsche öffentliche Dienst lockte, dort schob man sich gegenseitig die besten Posten zu. Dazu hatte man die Mittel, denn man saß ja noch immer an den eigentlichen Schaltstellen. Während die normalen Bürger arbeitslos wurden, da jede Menge an Betrieben geschlossen wurden, stützten sich im wesentlichen die neuen westdeutschen „Berater“ auf die alte Nomenklatura. Wenn in einem Betrieb fast allen Kollegen gekündigt wurde, so blieben doch als letzte die alten Funktionäre und Lakaien in Amt und Würden, dies dann aber mit Gehältern die um ein vielfaches höher waren als zu DDR-Zeiten.
Sich selbständig machen war dann oft der letzte Ausweg für diejenigen die nicht zu den alten Cliquen gehörten, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Dies war aber 1990 nicht so einfach, denn beim Rat der Stadt Dessau wurde mit allen Mitteln versucht Gewerbewilligen Steine in den Weg zu legen. Dies hatte den Grund, daß diese Herrschaften es gewohnt waren, daß sie bestimmten wer ein Gewerbe bekam und wer keines und dies versuchte man auch trotz gerade von der letzten DDR-Volkskammer beschlossener Gewerbefreiheit beizubehalten. Ein gutes Druckmittel war die Vergabe von Gewerberäumen durch die Kommunale Wohnungsverwaltung. Wer da nicht zu den alten DDR-Seilschaften gehörte, dem wurde der Abschluß von Mietverträgen unter fadenscheinigen Gründen abgelehnt. Gewerberaum war damals knapp und den brauchte man für seine eigene Clique. Ich kann mich noch gut erinnern welchen Kampf es kostete den Mietvertrag für einen leerstehenden Laden in Dessau zu bekommen. Wenn der Runde Tisch nicht gewesen wäre, hätte ich diesen Mietvertrag nie bekommen, denn die Ämter waren voll in der Hand der alten DDR-Seilschaften, die mit allen Mitteln ihre Pfründe zu verteidigen wußten, die sie sich in 40 Jahren SED-Sozialfaschismus unter den Nagel gerissen hatten. Zähneknirschend mußte man mir einen Mietvertrag aushändigen und ich konnte endlich einen Laden aufmachen, welches zu SED-Zeiten einem gewöhnlich Sterblichen bekanntermaßen nicht möglich war. Wem damals eine der wenigen Gewerbegenehmigungen erteilt wurde, dies weiß jeder ehemalige DDR-Bürger…
Mein eingescannter Zeitungsausschnitt aus der Mitteldeutschen Zeitung stammt vom
19. September 1990. Das Foto zeigt mich vor meinem ersten eigenen Laden. Zu den dann nachfolgenden Ladengeschäften siehe meine Blogbeiträge
http://barrynoa.blogspot.com/2010/06/die-dessauer-amalienstrae-und-nowacks.html und http://barrynoa.blogspot.com/2009/09/bn-und-sein-kunst-und.html .
Freitag, 2. Juli 2010
Nostalgie: Zwei alte Kaffeebüchsen
Alltagsdinge beachtet man selten! So geht es mir jedenfalls. Aber irgendwann wird man durch irgend etwas auf sie aufmerksam und man sieht sie mit anderen, mit intensiven Augen. So ging es mir heute, als ich aus meiner alten Eduscho-Kaffeebüchse mir ein Hustenbonbon raus holte. Diese schöne alte Blechbüchse im Art-Deco-Stil dient nämlich mir seit Jahren als Behältnis von Hustenbonbons. Früher, so erinnere mich gut, diente sie meinem Großvater als Behältnis für seinen Tabak. Er war intensiver Pfeifenraucher und war dadurch dauernd beim Stopfen. Bedenkt man das dauernde Benutzen dieser alten Blechbüchse, dann ist ihr Erhaltungszustand noch ganz gut. Opa rauchte eine Shagpfeife und jeden zweiten Tag kaufte er eine neue Packung Tabak, Nortak-Feinschnitt, bei Zigarren-Ulrich, ein Geschäft welches sich nur eine Straße weiter von uns befand. Ist diese Kaffeebüchse nicht grafisch gut gemacht worden? Also mir gefällt sie! Sie vermittelt mir einen Hauch der Ferne und die arabischen und abbesinnischen Motive zeigen auf, daß dort die Heimat des Kaffees war.
Diese exotische Ferne vermittelt auch eine andere alte Kaffeebüchse, die, solange ich denken kann, in meiner Familie in einem Küchenschrank steht und allerlei Dinge, wie Backpulver, Vanille-Schoten und ähnliches enthält. Diese Kaffeebüchse der Marke Idee gefiel mir als Kind besonders, da auf ihren Schauseiten Landkarten waren. Und sieht man sich den letzten Scan an, dann sind die Namen von Ländern so angeordnet, daß man plastisch eine Landkarte vor Augen hat – ein origineller Einfall der Designer dieser Blechbüchse damals.
Wie meistens, zur Illustrierung, Fotos und Scans für Leser, die sich, wie ich, auch gern an nostalgischen Dingen erfreuen.
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