Freitag, 7. März 2014

7. März 1945: 85%ige Zerstörung der Stadt Dessau


Heute, am 7. März 2014, jährt sich wieder der schwärzeste Tag in der Geschichte der Stadt Dessau, der 7. März 1945, als angloamerikanische Flugzeuge die Stadt in Schutt und Asche bombten. 85 % der Stadt Dessau wurden sinnlos zerstört und über 1000 Menschen wurden durch diesen Akt der Barbarei getötet. Wenn man berechtigterweise noch heute von deutschen Kriegsverbrechen spricht und die Täter zur Rechenschaft gezogen wurden und noch werden, so mutet es ungerecht an, daß z.B. die damaligen angloamerikanischen Kriegsverbrechen nie thematisiert wurden, geschweige denn Täter angeklagt oder verurteilt wurden, ganz im Gegenteil, ein „Bomber-Harris“ wurde sogar durch Denkmäler geehrt. Es bewahrheitet sich der alte Spruch, daß Geschichte immer von den Siegern geschrieben wird.


http://barrynoa.blogspot.de/2009/03/das-bombeninferno-des-7-marz-1945-in.html







Vor 100 Jahren: Marine-Feldpost von SMS "Mecklenburg" nach Dessau-Alten



Über das SMS (Seiner Majestät Schiff) „Mecklenburg“ gibt es bei Wikipedia einen informativen Eintrag, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Mecklenburg. Das Schiff hatte im I. Weltkrieg Glück und kam heil durch diesen, wurde sogar 1916 außer Dienst gestellt und diente als Lazarettschiff. Daß auch „harte“ Matrosen auf diesem Schiff einen weichen Kern hatten, dies zeigt die von mir eingescannte Postkarte eines W. Schmidt (Maat), der am 19.9.1914, auf diesem Schiff diente. Er schickte nicht etwa eine martialische Kriegskarte an seine Frau und Kinder nach Dessau-Alten, was damals üblich war, sondern eine Postkarte eines kleinen Mädchens mit einer niedlichen Katze. Er schrieb diese Postkarte am 19. September 1914, also wenige Tage nach Kriegsausbruch des I. Weltkriegs. Das Schiff lag da in der Elbmündung, wie er schrieb.

Wenn man bedenkt, daß bis Mitte 1914 kein Mensch auf der Welt je daran gedacht hatte, daß kurze Zeit später ein Weltenbrand ausbrechen würde, ausgelöst durch eine Lappalie (Attentat auf den österreichischen Thronfolger) und ein eigentlich unwichtiges Gebiet (Serbien), dann sollte man daraus die Lehren ziehen und nicht heutzutage, genau 100 Jahre später, wieder mit dem Säbel rasseln, wegen einer weltpolitischen Nebensächlichkeit (Ukraine-Krise), woraus wieder ein Weltenbrand entstehen könnte.

Mittwoch, 5. März 2014

Coswig (Anhalt): Impressionen von der Elbseite

Auch an einem trüben Tag ist ein Spaziergang an der Elbe in Coswig (Anhalt) interessant. Coswigs Häuser zum Strom hin sind recht unterschiedlich, neben historischen Bauten und modernisierten Häusern, sind auch einige alte marode Häuser zu sehen. Das aber gerade macht den Charme Coswigs aus. Ein solcher Spaziergang ist also auch bei nicht so schönem Wetter durchaus zu empfehlen, wie nachfolgende von mir gemachte Fotos zeigen.


























 

Dienstag, 4. März 2014

Um 1900: Rabenfütterung in der Kinderwelt


Eine entzückende farbige Zeichnung mit einem Gedicht - siehe oben - welches um 1900 Kinder zur Tierliebe anhalten sollte, in diesem Fall zum Füttern von Raben im Winter. Der Rabe dort wird als Bettelmann bezeichnet, den man nicht hungern lassen soll. Schön auch, die Verse zum Schluß:

Dann kam der liebe Frühling an,

gar wohl gefiels dem Bettelmann.

Er breitete seine Flügel aus

und flog dahin weit übers Haus.

Hoch aus der Luft so frisch und munter:

„Hab Dank, hab Dank!“

rief er herunter!

Montag, 3. März 2014

"Fröhlich sein und singen" 1957: Huhn Liesbeths großer Auftritt

Daß man Haustieren Namen gibt, dies sollte wohl von Tierfreunden eine Selbstverständlichkeit sein. Das müßte schon ein mächtiger Rohling sein, der seinen Hund „Hund“ ruft oder seine Katze „Katze“ nennt. Wer Tierfreund ist und wer nicht der willkürlichen Unterscheidung von Haustieren und Nutztieren anhängt, der gibt natürlich, wenn denn vorhanden, seiner Ziege, seinem Schwein, seiner Kuh, seinen Kaninchen und seinen Hühnern auch Namen. So hielten es selbstverständlich schon meine Großmutter mit ihren 10 Hühnern und meine Mutter mit ihren 3 Hühnern und das mache ich natürlich auch.

Mein erstes Heft der Kinderzeitschrift „Fröhlich sein und singen“ (später „Frösi“) was ich bekam und noch heute besitze, war aus dem Jahre 1957 und da gab es eine ganz wunderbare Geschichte eines Jungen mit seinem Huhn namens Liesbeth. In den 50er Jahren gab es noch diesen natürlichen Umgang mit „Nutztieren“, selbstverständlich hatte das Huhn des Jungen einen Namen und selbstverständlich behandelte dieser Junge in der Geschichte von Lilo Hardel (mit ganz zauberhaften Illustrationen von Betcke) sein Huhn als Haustier und nicht etwa als seelenloses Nutztier. Diese Geschichte sollte auch erzieherisch auf Kinder einwirken, in Tieren Freunde zu sehen.

Toll auch die Quintessenz der Geschichte, daß sich ein Huhn nicht dressieren läßt im Sinne von Unterwürfigkeit, sondern einen eigenen Willen hat, den der Mensch nicht zu brechen hat. Dieserart Erziehungsziel zu einem tierfreundlichen Umgang hörte spätestens mit der Machtergreifung des Erich Honecker auf. Diesem miesen Typ an der Spitze der DDR machte es Freude tausende Tiere in seinen berüchtigten Staats-und Privatjagden abzuknallen. Honecker, ein Proletenkind, wollte durch das Nachahmen des feudalen Jagdunwesens, Macht über Leben ausüben. Es war ihm als obersten DDR-Politiker natürlich nicht "vergönnt" Menschen an der Mauer abzuknallen, dies überließ er seinen willfährigen uniformierten Vasallen, aber seine große Lust am Töten, konnte er gut an Tieren auslassen.

Wenn auch vieles in der heutigen Zeit im Argen liegt, aber wenn man z.B. Erich Honecker mit Angela Merkel vergleicht, dann liegen zwischen beiden Welten und dies nicht nur in der Politik, sondern rein menschlich. Eine Angela Merkel könnte wohl kaum großen Lustgewinn am Töten finden, welches ein Wesenszug des skrupellosen und moralisch verkommenen Honecker war.


Foto von mir aus dem Jahre 1959 beim Lesen einer Frösi auf meinem geliebten Balkon
 
Lilo Hardel: Liesbeths großer Auftritt:



  

Samstag, 1. März 2014

Karl Dantz und Max Schwimmer: Vom glückhaften Stern

Eines meiner Lieblingsbücher von Kindesbeinen an bis heute ist das Buch „Vom glückhaften Stern“ von Karl Dantz (1884-1967), siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Dantz. Illustriert ist es von Max Schwimmer (1895-1960), siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Schwimmer, der ebenfalls zu meinen späteren Lieblingsgrafikern gehörte. Erschienen ist das Buch 1927 in der Büchergilde Gutenberg, wo viele Jahre lang meine Mutter Mitglied war.

Die Illustrationen von Max Schwimmer sind zu dieser Zeit noch schwer, haben nicht viel mit der Leichtigkeit seiner Grafiken der 50er Jahre zu tun. Sie erinnern mich ein wenig an Robert Genin, einen Künstler den ich sehr schätze, siehe dazu auch meinen Blogbeitrag: http://barrynoa.blogspot.de/2008/04/100-kolumne-bn-und-robert-genin.html.

„Vom glückhaften Stern“, dieses wunderbare Kinderbuch mit Geschichten und Versen, die an das soziale und moralische Gewissen von Kindern rühren, welches sich so wohltuend von dem bourgeoisen Kinderbuchmüll abhebt, der bis jetzt die Buchhandlungen füllt, verdiente es, in großer Stückzahl wieder aufgelegt zu werden, denn es ist zeitlos. Ich liebe es nicht nur wegen der Meisterschaft des Illustrators Max Schwimmer, sondern wegen seiner poetischen und dennoch gesellschaftskritischen Ausrichtung, die voll auf der Seite der Ausgebeuteten ist, mit der Aufforderung eine ungerechte und unfreie Gesellschaftsordnung zu überwinden zu versuchen und sei es nur in kleinen alltäglichen Dingen.

In „Ins Joch gespannt“ erzählt Dantz die Geschichte eines Hundes, der wegen seiner Freiheitsliebe von einem minderwertigen spießbürgerlichen Menschen brutal „diszipliniert“ wird, von einem der selbst unter Unterdrückung zu leiden hat, der selbst „im Joch“ ist, der statt sich gegen seine Unterdrücker zu wehren, nach unten tritt, ein Phänomen welches es schon früher gab und nicht ausgestorben ist, da denke man nur an das Lumpenproletenpack, welches im Kapitalismus selber auf der untersten sozialen Stufe steht, ausgebeutet wird, welches sich aber z.B. gegenüber Obdachlosen, die noch eine Stufe unter ihm steht, als Herrenmenschen aufspielt und teilweise sogar die diffamierend „Penner“ genannten Armen kujoniert, bis hin zu Fällen wo derartige Typen Obdachlose totschlagen.

Eine weitere Geschichte die mir schon als Kind zu Herzen ging ist „Bettler im Federkleid“. Meister Tutonius fütterte natürlich hungernde Vögel und die dankten es ihm mit dem Ablegen der Scheu, so eine Elster die Tutonius aus der Hand fraß. Als Kind nahm ich mir diesen Tutonius zum Vorbild und Vögel im Winter füttern war mir dann immer eine Herzensangelegenheit. Ich möchte fast behaupten, daß diese Geschichte der Auslöser dieser meiner Einstellung war, die ich bis heute zur Vogelfütterung im Winter habe. So kann eben doch gute Kinderliteratur entscheidend Kinder beeinflussen, was sie ein ganzes späteres Leben dann „intus“ haben.

Dantz spannt dann gleich in dieser Geschichte den Bogen von dem Füttern der hungernden Tiere zu den hungernden Menschen, da einem armen Hausierer, der in der menschlichen Kälte der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft ein unmenschliches Leben fristen muß. „Das sind unsre (menschlichen) Bettler im Federkleid“, so Tutonius in der Geschichte. Dantz hatte wohl, meiner Meinung nach, sich in diesem Tutonius gesehen, jedenfalls ist das nach Kenntnis seiner eigenen Vita zu vermuten.









       

Vor 50 Jahren: "Time is on my side" (Rolling Stones)

Kinder, wie die Zeit vergeht! Es ist mir als wäre es gestern, als vor 50 Jahren, im Jahre 1964, die Rolling Stones ihren Titel „Time is on my side“ heraus brachten. Ich war damals ein mächtiger Stones-Fan und gerade die langsamen Titel der Stones gefielen mir, besonders wenn die Texte freiheitlich waren, wie eben bei:

„Time is on my side, yes it is.
Now you always say,
that you want to be free!“


(„Die Zeit ist auf meiner Seite, ja sie ist es.
Jetzt können sie immer sagen,
daß du frei sein willst!“)


Ja, frei wollten wir schon damals sein, jedenfalls die meisten meiner Freunde und die waren durch die Bank weg keine DDR-Fans. Da die Realität eine unfreiheitliche war, da blieb nur das Wegbeamen in die progressive Literatur oder die Musik, z.B. die der Stones, die man glücklicherweise im Radio (Westsender) hören und mit dem Tonbandgerät aufnehmen konnte. Schmunzeln muß ich, wenn ich mir alte Fotos von damals ansehe, wo ich mit Shirts mit Stones-Aufschriften zu sehen bin.
 
 
Diese hatte ich mir mit Textilfarbe selbst gemacht, denn zu kaufen gab es ja sowas in der DDR nicht. Ob derartige Shirts in Westdeutschland damals schon getragen wurden, dies weiß ich nicht mal. In die Schule konnte ich mit diesen Shirts nicht gehen, da wäre ich achtkantig raus geflogen. Spaß machte es aber mit Freunden so durch die Straßen zu gehen und die Spießbürger zu provozieren, denn die fühlten sich tatsächlich von diesem Schriftzug provoziert, zumindestens die SED-Typen mit kleinbürgerlicher Denkweise, die es Mitte der 60er Jahre zur Genüge gab, die schon etwas längere Haare als Angriff auf ihren „Sozialismus“ ansahen, einen Sozialismus der natürlich keiner war, sondern der Sozialfaschismus war.

Wie mit Langhaarigen in der DDR umgegangen wurde, das kann man hier nochmal nachlesen: http://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/FDJ-und-Polizei-gingen-in-Poessneck-brutal-gegen-Langhaarige-vor-307260531. Bezeichnend das deutsche kleinbürgerliche Pack welches bei den Zwangshaarschneideaktionen in der Stadt Pößneck klatschte ("Erschreckend war auch die Reaktion der älteren Bürger auf die Zwangsscherungen. "Sie standen vor dem Friseurladen und haben applaudiert", erinnert sich Kay Frotscher. Endlich komme wieder Ruhe, Ordnung und Sauberkeit in die Stadt - so die Meinung vieler Beobachter."). Diese Denkweise, die es schon zu Kaisers Zeiten, im NS-Staat und in der DDR gab, ist allerdings auch heute noch nicht verschwunden, gerade in der Bundesrepublik sind die freiheitlichen Zeiten der 70er und 80er Jahre längst vorbei und der faschistoide deutsche Spießbürger kann sich wieder ausleben, angeheizt durch die immer reaktionärer werdenden Mainstreammedien und die Politik, wobei lange Haare und anderes Outfit keinen dieser Typen mehr erregen, denn die Feindbilder des "Spießbürger-Volkszorns" wechseln, wie auch die Mode wechselt.

„Time is on my side“ von den Rolling Stones, hier zu hören :