Samstag, 21. Februar 2009

B.N. und Sybille von Olfers und Ernst Kreidolf








Ich bin ein großer Freund des Jugendstils. Es ist dies der Stil der am meisten zu mir emotional paßt. Es ist zwar nun nicht so, daß ich mich gänzlich mit diesem Stile umgebe, aber einige Möbel, Gemälde, Gläser, Porzellane, Skulpturen und Gebrauchsgegenstände sind schon aus dieser Zeit. Der Jugendstil bewirkte ja nicht nur eine Zeitenwende im Design, weg vom Eklektizismus der Gründerzeit hin zur geschwungenen Linie, sondern er leitete eine tiefe gesellschaftliche Veränderung ein, eine Jahrhunderte lange Zeit des Dunkels wurde durch diese zweite Lichtzeit abgelöst (die erste Lichtzeit seit weit über 1000 Jahren war die Zeit der Aufklärung um 1750 bis hin zur französischen Revolution und den Anfängen von Napoleon). Um 1900 setzten auch die sozialen Befreiungsbewegungen ein, es befreiten sich die Menschen von den Fesseln unnatürlicher Moral, Wohn-und Ernährungsformen. All die lichtvollen und befreienden gesellschaftlichen Neuerungen wie Freikörperkultur, freiere Sexualität, Reformbewegung, ökologischer Gartenbau und Siedlungsbau in Natur, Licht, Luft und Sonne, die Psychoanalyse, die Theosophie, die christliche Gnosis, brachen sich Bahn.

Dieses zurück zur Natur fand auch seinen Niederschlag in der Kunst des Jugendstils mit seinen Idyllen, ungezwungenen Akten in freier Landschaft mit all den Weihern, Seerosen und dergleichen. Es wurde ein neues Arkadien propagiert. Bestes Beispiel sind die Bilder eines Ludwig von Hofmann, welchen ich sehr mag. In dieser Zeit machten sich besonders Sibylle von Olfers (1881 – 1916) und Ernst Kreidolf (1863 - 1956) einen Namen als Kinderbuchautoren und besonders als Kinderbuchillustratoren. Beide Künstler schätze ich sehr und natürlich habe ich von beiden alle wesentlichen Hauptwerke, allerdings nicht im Original, sondern in Nachauflagen. Das einzigste Buch welches original aus der Zeit stammt, ist das zauberhafte Olfers-Buch „Was Marilenchen erlebte“. Dieses Buch gehörte meiner lieben Mutter, sie hatte es von ihrer Tante Martha aus München geschenkt bekommen. Als kleiner Junge blätterte ich oft in diesem Buch und ich beneidete das arme Marilenchen nicht, daß es so allein in die kalte Pracht der märchenhaften Eiswelt kam, eine Welt die aber auch faszinierend war mit all der Pracht und der nette große Schneemann, der war mir schon ein sehr sympathischer Geselle. Wie mir meine Mutter, die eine sehr freudlose Kindheit hatte, erzählte, hatte auch sie dieses Marilenchen gerührt und in eine Phantasiewelt geführt, die so anders war als die ihre, aber dennoch Parallelen aufwies was die Vereinsamung anlangt. Die kleine Erika, meine Mutter, und die kleine Marilenchen hatten da vieles gemeinsam.

Eigentlich ist ja das Hauptwerk von Sibylle von Olfers das Buch „Etwas von den Wurzelkindern“, aber dieses Buch mag ich nicht so sehr, handelt es doch von Gnomen die unter der Erde leben und diese unterirdische Phantasiewelt ist mir suspekt. Da schätze ich schon mehr die lichtvollen Gestalten in den anderen Büchern von Sybille von Olfers, all die Schmetterlingswesen und Elfen die in lichten Blumenhainen leben.

Blumen und Tiere spielen auch in den Büchern des Autoren und Illustratoren Ernst Kreidolf eine große Rolle. Neben personifizierten Schmetterlingen und Insekten sind es auch da wieder Elfen die in einer miniaturisierten arkadischen Märchenwelt Abenteuer erleben. Den werten Lesern meines Blogs, wie meistens, ein paar Scans von Titelbildern der Bücher die ich besonders mag.

Freitag, 20. Februar 2009

Zwei Ampeln und die Beseeltheit der Dinge




Nostalgie und die Liebe zu alten Dingen und zu alter Kunst sind ein ganz entscheidender Faktor in meinem Leben gewesen. Antiquitäten und persönliche nostalgische Dinge und meine Person sind quasi unis. So würde es mir nicht im Traum einfallen etwa moderne Möbel oder Wohnzubehör zu kaufen und dann etwa alte Dinge weg zu schmeissen. Erstens sind alte Möbel fast immer solider gearbeitet als neue und außerdem hängt man doch an seinen Sachen. Daß diese Mentalität auch noch im höchsten Maße der Umwelt dienlich ist, dies ist dann noch ein schöner Nebeneffekt, denn jegliche Neuproduktionen schaden der Umwelt durch Verbrauch von Ressourcen verschiedenster Art wie Wasser, Holz, Metallgewinnung. Ja sogar Unmengen an fossilen Brennstoffe werden für Neuproduktion vergeudet, die oft nicht nötig wären, wenn Menschen sich nicht dem Diktat der Industrie und des Handels unterwerfen würden und Sachen kaufen würden die sie nicht brauchen, weil sie diese schon haben und sie dies nur tun weil sie modisch sein wollen. Ein Konsument der überwiegend nur in Gebrauchtwarengeschäften kauft, vom Porzellanteller bis hin zu seiner Kleidung, der tut mehr für den Umweltschutz als Menschen die plakativ ein grünes Image vor sich hertragen, die der Demagogie der Politik und der Medien aufsitzen, daß sie besonders umweltbewusst handeln würden wenn sie ihr altes Auto verschrotten und ein neues kaufen oder die ihre alten Häuser so in Watte (Dämmung) packen, daß man in ihnen nicht mehr natürlich atmen kann und dergleichen Unsinn mehr, was nur der Wirtschaft dient.

Zwei Deckenlampen sind mir emotional ans Herz gewachsen, einmal eine alte Glasampel und dann meine alte Kinderzimmerampel aus Kunststoff, wobei letztere nicht mehr an der Decke hängt, sondern wohlbehütet in einer Sammlerkiste verstaut ist. Die Glasampel ist ein altes Familienstück. Ich erinnere mich noch genau daran wie sie schon bei meinen Großeltern mütterlicherseits im Schlafzimmer hing. Rund 120 Jahre hat sie jetzt auf dem Buckel und erfreut immer noch in ihrer Schönheit und tut treu ihren Dienst in meinem Büroraum. Die Kinderzimmerlampe tat ihren Dienst in meiner ganzen Kindheit bis in die Jugendzeit hinein. Es ist eigenartig wie sich doch die zwei Seiten der Ampel mir eingeprägt haben die in Sichtkontakt zu meinem Bett waren, der prächtige Hahn der suggerierte, daß es früher Morgen sei und man aufstehen solle mit seinem angedeuteten Kikiriki und dieser bäuerliche Gartenzaun mit seinen Utensilien der eine wunderbare ländliche Ruhe ausstrahlt, aufgehellt durch den fröhlich zwitschernden Star an seinem Nistkasten, ein Anblick der mich in meiner Kindheit anheimelte. Wäre es nicht eine Sünde und eine Schande solche Dinge weg zu werfen?

Anders ist es wenn man nicht mehr lebt, dann sind diese Dinge nur noch funktional, sind Ware, eventuell Werte auf dem Trödelmarkt, aber die Beseeltheit wäre weg, denn die besteht nur im Kontext zu seinem Besitzer, der mit Dingen Erinnerungen und Emotionen verbindet. Nicht umsonst gab man in alten Kulturen den Toten ihre persönlichen Sachen mit ins Grab, denn die Beseelung dieser toten Gegenstände hörte mit dem Tode ihres Besitzers auf. Die Seele des Toten ging in die Ewigkeit, zusammen mit den Seelenteilchen seiner materiellen Dinge die ihm im Leben etwas bedeutet hatten. Diese uralte Erkenntnis der Beseeltheit bei toten Dingen im Kontext zur Seele des Menschen ging in einigen Buchreligionen verloren. Rühmliche Ausnahmen sind da der japanische Shintoismus, der indische Hinduismus und die pantheistischen Naturreligionen. Aber auch die altorientalischen Kirchen, die orthodoxen Kirchen und der Katholizismus haben sich diese Erkenntnis in abgewandelter Form bewahrt. Ein beredtes Beispiel sind die Wallfahrtsstätten, die oft an uralten beseelten Orten entstanden, z.B. Lourdes mit seiner heiligen Grotte und seiner heiligen Quelle oder die Verehrung von Ikonen und Statuen. Ein großes Manko des Protestantismus ist und bleibt diese Ferne zu diesen emotionalen Dingen, das alleinige Gründen auf dem geschriebenen Wort und das negieren all der anderen Offenbarungen und Beseelungen durch den Heiligen Geist.

Donnerstag, 19. Februar 2009

"Mein Körper gehört mir!" - aber nicht im deutschen Gesundheitswesen!

Dr. Julius Hackethals Beschreibung des deutschen Gesundheitswesens mit dem Machtgefälle des Arztes als einem „Halbgott in Weiß“ und dem unmündigen Patienten trifft weitgehend immer noch zu. Es ist doch so, daß der Patient derjenige ist der die Dienstleistung medizinische Versorgung zu bezahlen hat und natürlich auch dann indirekt wenn er in einer gesetzlichen Krankenkasse ist, eben durch seine Beiträge ähnlich Versicherungsbeiträgen.
Daß aber der Auftraggeber und Zahler, der Patient, des öfteren außen vor und unmündig gehalten wird dies zeigt sich an vielen Kleinigkeiten.

Vorgestern musste ich eine recht unangenehme medizinische Untersuchung bei einem Facharzt über mich ergehen lassen. Das Ergebnis dieser Untersuchung bekam ich schriftlich gleich mit, im verschlossenen Umschlag - für meine Hausärztin! Typisch deutsches obrigkeitliches Gesundheitswesen, wo der Patient um den es ja geht, übergangen wird. Demjenigen der zahlt und dessen Körper es ist, wird wie bei einem Kind oder einem sich in Vormundschaft befindlichen Bürger, ein medizinisches Ergebnis vorenthalten. Allein der überweisende Arzt kann dann je nach gusto entscheiden wie er den Patienten informiert, ob er ihm eine Kopie aushändigt oder ob er mündlich das Ergebnis vorliest oder ob er bloß partiell Passagen daraus mitteilt. Ein Unding das Ganze und typisch deutsches Gesundheitswesen á la Bismarcksche Krankenkassenorder von vor 130 Jahren die damals nur die gesetzlich Krankenversicherten betraf, praktisch die Armen, die man bevormunden wollte, denn für alle diejenigen Patienten die vermögend genug waren ihre Arztkosten privat zu begleichen bestand diese Unmündigkeit nicht. Bezahlte um 1880 ein Privatpatient eine Untersuchung bei einem Facharzt, so wurde natürlich ihm das Ergebnis ausgereicht und nicht etwa seinem Hausarzt – dies unter dem Motto „Wer die Musik bezahlt, der kann auch bestimmen was gespielt wird“.

Diese Bismarcksche Denkweise hat sich erhalten, auch heute noch werden gesetzlich Krankenversicherte unmündig gehalten. Dies ist ein Anachronismus, denn ein gesetzlich Versicherter bezahlt nicht mehr wie 1880 1,20 Mark Krankenkassenbeitrag im Monat sondern oft sind es hunderte Euro monatlich, so wie bei Selbständigen. Auch wenn diese nur ein minimales Einkommen haben, so müssen diese mit ca. 340,- Euro monatlichem Beitrag rechnen. Trotz dieser enormen Summe werden sie dann wie ein unmündiges Kind behandelt und sie erhalten nicht mal das schriftliche Ergebnis einer Untersuchung sondern der Hausarzt.

Diese Vorgehensweise begründet sich auch darin, daß den „Halbgöttern in Weiß“ auch nicht daran gelegen ist, einen mündigen Patienten als Kunden zu haben, der etwa selbst im Internet recherchiert, der Zweitmeinungen von anderen Ärzten oder gar Heilpraktikern einholt, der selbstbestimmt handelt. Dies würde das bestehende Machtverhältnis zwischen Arzt und Patient ankratzen und das will man nicht. Die 68er Revolution stellte diese Machtverhältnisse infrage, es begannen Reformen und auch Bewegungen wie die der Patientenkollektive, sogar bei bis dato vollkommen unmündig gehaltenen psychisch Kranken. Auch da hieß es „Mein Körper gehört mir!“ Diese Befreiung aus dem Gehäuse der Hörigkeit der 68er und 70er Jahre ist ins Stocken geraten und vielerorts setzte eine Restauration zugunsten alter Herrschaftsstrukturen ein.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Negatives und Positives in punkto Kundenfreundlichkeit


Daß Deutschland eine Servicewüste ist, dies ist bekannt, und besonders auf die Bundesländer der ehemaligen DDR trifft dies zu. Verkäuferinnen haben immer noch diesen schnoddrigen Ton an sich, meinen sie wären diejenigen die den Kunden eine Wohltat erweisen und von dem Motto „der Kunde ist König“ haben sie noch nie etwas gehört, sehen sich eher als diejenigen an die über dem Kunden stehen. Noch schlimmer ist es bei bestimmten Berufen bestellt die sich als Diener der Bürger verstehen müssten, die aber durch ihr Verhalten unmissverständlich klarmachen, daß sie keineswegs in eine dienende Rolle schlüpfen wollen, sondern ganz im Gegenteil den Herrenmenschen hervorkehren vor dem der Bürger zu kuschen hat, Unterordnung á la Gutsherrenart wird vom Bürger verlangt. Also nichts da von wegen „Kunden“ wie es in Verordnungen heißt wenn z.B. Arbeitslose ihr verbrieftes Recht auf staatliche Gelder wahrnehmen wollen. Die Damen und Herren auf der anderen Seite des Schalters verstehen sich keineswegs als „Dienende“ gegenüber den Kunden, sondern in Habitus und Verhalten gleichen sie eher Justizbeamten die Macht ausüben wollen und dies fast immer nicht im Interesse des Bürgers, sondern im vermeintlichen Interesse der Behörde.

Allein schon der rüde Ton von „Einladungen“ an Bürger die z.B. berufstätig sind und nur aufstockende Leistungen beziehen, was ihnen genauso rechtlich zusteht wie den Angestellten und Beamten der Arbeitsämter ihr monatliches Gehalt, der spricht Bände. Da wird gleich gedroht, Leistungen zu streichen wenn man der Einladung fernbleibt und auch ansonsten klingt das ganze nicht nach einer Einladung für einen Kunden, sondern erinnert einen an Schreiben von Justizbehörden an Kriminelle, wie z.B. Bürger die sich bei ihrem Bewährungshelfer zu melden haben, ansonsten ihnen Repressionen drohen. Oft ist es so, daß dieserart „Einladungen“ Samstags eintrudeln und der Zwangstermin schon Montag früh ist, so daß z.B. ein Berufstätiger nicht weiß wie er es machen soll. Fehlt er bei der Arbeit, verliert er diese, geht er nicht zum Arbeitsamt dann bekommt er Geldleistungen gestrichen – ein Teufelskreis! Eine vorherige Abstimmung mit dem Kunden seitens der Arbeitsämter oder Jobcenter – Fehlanzeige! Dies würde ja mächtig am Selbstverständnis eines Amtes kratzen, daß man über dem Bürger steht und nicht etwa der Bürger gleichberechtigt ist.

Entscheidungen im „Zweifel für den Angeklagten“ so wie in der Justiz, die sind bei Arbeitsämtern Mangelware. Heiner Geißler brachte dies neulich in der Talkrunde bei Maischberger mit einem Vorstandsmitglied der Arbeitsagentur Nürnberg auf den Punkt und prangerte die menschenfeindliche Praxis in den Arbeitsämtern und Jobcentern an, daß man von dem früher praktizierten Grundsatz abgewichen sei, im Zweifel immer für den Bürger zu entscheiden und nicht sich dem Spardiktat der Ämter zu unterwerfen. Er führte auch aus, daß es ein Skandal sei, daß es interne Anweisungen in den Ämtern gebe, möglichst viele Geldzahlungen einzusparen und Kunden repressiv zu behandeln, man stifte dadurch die Sachbearbeiter auf den Ämtern geradezu an, Arbeitslose mit Sanktionen zu belegen oder mit Hinhaltungstaktik und Kniffen Gelder an Kunden zu verweigern.

Ähnliche Allüren legen sehr oft Bedienstete im Gesundheitswesen an den Tag. Da ist es das Ausgeliefertsein durch Hilflosigkeit bei Krankheit oder Pflege von Patienten was zu Machtausübung führt. Da gab es mal einen interessanten Bericht eines Journalisten, der jeweils 4 Wochen lang sich einmal in ein Pflegeheim begab und in ein Hotel und dann die Leistungen und den Service verglich. Für je 2.000 Euro monatlich war er einmal unmündiges Objekt, vom Personal schlecht versorgt, und der Ton des eigentlich dem „Dienen“ verpflichtenden Personals war absolut nicht zuvorkommend, sondern kommandierend von oben herab. Im Gegensatz dazu die Behandlung im Hotel, ebenfalls 2.000 Euro monatlich kostend, zuvorkommend, jeden Wunsch dem Kunden von den Augen ablesend, eben „dienend“ und dazu Essen nach Wunsch und von den Wohnverhältnissen angefangen bis hin zur kleinsten Kleinigkeit zu dem Pflegeheim ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ja und die Bezahlung war in beiden Fällen gleich! Diese Mentalität des „Nichtdienen wollen“, sondern kommandieren wollen, die ist in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens so festgemauert in der Erden wie die Glocke in Schillers berühmten Gedicht.

Umso rühmlicher erfreuen einen die Ausnahmen. So gibt es natürlich wunderbare Handelsleute und das Einkaufen in den Tabakgeschäften in der Johannisstraße oder in der Poetschstraße in Dessau-Roßlau sind ein wahres Vergnügen wegen der netten Art und dem guten Service. Genauso zuvorkommend wird man im Lebensmittelgeschäft Bönicke behandelt und über die vorbildlichen „Ärzte der alten Schule“ habe ich ja hier schon im Blog berichtet, siehe: http://barrynoa.blogspot.com/2008/08/rzte-der-alten-schule.html, wie die Hautarztpraxis von Dr. Kaste und die Augenarztpraxis von Dr. Wege. Nennen möchte ich auch den Köthener Urologen Dr. Bittner, ein geradezu großartiger Arzt wie er nicht besser sein könnte, der seine Patienten nicht unmündig behandelt, aber trotzdem durch sein Ethos des „Dienens an den Menschen“ natürlichen Respekt sich erworben hat.

Und wie sieht es bei den gewerblichen Dienstleistern aus, diejenigen die ja explizit das „Dienen“ für den Kunden auf ihre Fahnen geschrieben haben? Von „Dienen“ kaum eine Spur, schöde Abzocke ist oft das einzigste Motiv und Pünktlichkeit und Vertragstreue oft ein Fremdwort. Hat man etwa mit einem Handwerker einen Vertrag geschlossen und ein fester Liefertermin wurde vereinbart, so heißt dies noch lange nicht, daß das dann auch klappt. All diese Schlampereien und Unpünktlichkeiten aufzuzählen die ich persönlich mit deutschen Handwerkern erlebt habe, dies würde Bände füllen und wer glaubt dies wäre nur in der DDR-Zeit angesiedelt gewesen, der täuscht sich gewaltig, dies ist nur unwesentlich besser geworden heutzutage.

Aber auch da wieder rühmliche Ausnahmen. Ein Musterbeispiel für vorbildlichen Kundenservice und Freundlichkeit ist das Transportunternehmen Otto Glathe in Dessau. Dies erlebte ich gestern wieder, als ich selber nicht Auto fahren konnte und zu einem medizinischen Eingriff mußte. Da die Firma Otto Glathe neben normalen Taxifahrten sich auch auf Krankenfahrten spezialisiert hat, ist der Service wirklich erstklassig, absolute Pünktlichkeit und ein umsorgender Umgang mit dem Kunden der seinesgleichen sucht. Ich möchte mich daher an dieser Stelle für den hervorragenden Service gestern bei dem Fahrer und der Einsatzleitung der Firma Otto Glathe bedanken. Es war im Übrigen derselbe nette Fahrer, der im vorigen Jahr meine Mutter von Halle nach Dessau mit einem Krankenfahrzeug der Firma Otto Glathe gefahren hatte. Dieser Termin war damals ganz kurzfristig und sehr wichtig für meine Mutter weil sie auf keinen Fall noch länger in der Hallenser Klinik bleiben wollte. Obwohl solche kurzfristigen Einsätze schlecht zu organisieren sind, die nette Frau Glathe machte es möglich, nicht aus Eigennutz, sondern weil sie ein Herz hatte für die Situation meiner Mutter, dies im Gegensatz zu anderen Transportunternehmen die wenig Engagement zeigten unter dem Motto: „Morgen, morgen nur nicht heute!“ und „Rufen Sie doch nächste Woche noch mal an, da haben wir wieder Zeit.“

"Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen" – dieser Spruch über das Beerensammeln, den praktiziere ich ja auch hier im Blog im übertragenen Sinne. Es ist also durchaus nicht so, daß ich nur Kritik übe, sondern es ist mir ebenso wichtig, daß positive Dinge auch gewürdigt werden.

Für alle diejenigen, die ein Einladungschreiben eines Jobcenters noch nie gesehen haben, hier mal eine Kopie eines solchen. Eine Dankeschön dem Empfänger für die Verfügungsstellung desselben.

Montag, 16. Februar 2009

Unlautere Lockangebote


Es ist doch immer wieder dasselbe – da bekommt man massenhaft Werbung von den Discountern in den Briefkasten gesteckt und will man nun eines dieser Sonderangebote gleich am ersten Tag nach wenigen Stunden des offerierten Tages erwerben, dann heißt es: „Ist ausverkauft!“ Daß diese Praxis gegen gültige Handelsgesetze verstößt, dies interessiert die Discounter nicht. Es ist ja so, dass der Handel verpflichtet ist sogenannte Werbeartikel ausreichend vorrätig zu halten. Es geht also nicht, daß eine Ware in einer Filiale nur mit 1-2 Artikeln angeliefert wird, dann wäre es ein unzulässiges Lockangebot welches nur dazu da ist Kunden anzulocken, die dann andere Ware kaufen sollen, wenn sie Bescheid erhalten, dass die Ware „ausverkauft“ sei.

Heute wollte ich im neugebauten Penny-Markt in der Dessauer Heidestraße den groß beworbenen Dampfbesen erwerben und dies schon wenige Zeit nach Eröffnung des Marktes am ersten Tag der Werbung. Einen solchen Dampfbesen sah ich wohl, doch den trug die Chefin eilends aus dem Verkaufsraum in die Räume wo „Zutritt verboten“ stand, wahrscheinlich wie weiland zu DDR-Zeiten als „Bückware“ einem Bekannten zugedacht. Ich hin zur Kasse, dort mein Anliegen angebracht, doch da kam ich an die falsche. In schnödem, proletenhaften Ton servierte mich dort die junge Kassiererin ab. Neunmalklug meinte sie, daß ein Supermarkt keineswegs genug Werbeartikel vorrätig haben müsse, das wüsste sie besser. Nun, einfachste Fachkenntnisse des Handels schien diese Kassiererin nicht zu haben, wahrscheinlich eine Hilfskraft, aber trotzdem auf deutsch gesagt „die große Klappe“ und keine Ahnung daß der Kunde zuvorkommend bedient werden sollte, dies kann man von einem modernen Handel selbstverständlich erwarten, wir leben ja bekanntermaßen nicht mehr in der DDR. Die Krönung war dann noch, als sie mir einreden wollte, daß der Dampfbesen den gerade die Chefin davontrug ein „Reklamestück“ gewesen sei! Reklame machen für einen Artikel der gar nicht vorrätig war?

Nun ja, ich verlangte die Chefin, die hatte einen guten Umgangston, bedauerte, daß sie leider kaum beliefert worden war, ja und da könne sie auch nichts dran ändern. Also stimmte mein Verdacht, daß es sich mal wieder um ein ungesetzliches Lockangebot gehandelt hatte. Dies bestätigte sich als ich in dem alten Penny-Markt in der Dessauer Heidestraße ebenfalls nachfragte. Dort hatte man nicht ein einziges Stück dieses Dampfbesens bekommen, so die Auskunft der Kassiererin.

Der lange Winter und die Rabenvögel





Der Winter will und will nicht weichen. Jahrelang hatten wir uns an milde Winter gewöhnt und nun das. Es war ja schon so, daß um diese Zeit in den meisten Jahren schon die Schneeglöckchen blühten, stattdessen jetzt Eiszapfen an den Dachrennen und auch die Zweige des Forsythia-Strauches sind über und über mit Schnee bedeckt. Für die Leser ein paar private Fotoimpressionen von mir zuhause. Eigentlich wollte ich ja meine geliebten Rabenvögel fotografieren die ich jeden Tag mit Futter versorge, aber Rabenvögel sind ja vorsichtig und jedes Mal wenn ich sie mit dem Fotoapparat anvisierte, da flogen sie aufgeschreckt von dannen. Na dann eben nicht! Die meisten Bürger haben ja in den Dessauer Vororten ein Herz für Vögel und füttern. An die Rabenvögel denken allerdings die wenigsten, die sind nicht sonderlich beliebt. Für die Futterhäuschen sind sie zu groß, da bleibt dann nur das übrig was die anderen Vögel raus schmeissen. Im Gegensatz zu den anderen Vögeln sind die Rabenvögel Allesfresser und man kann durchaus Ihnen Essensreste von Fleischwaren bis Brot anbieten, das vertragen sie gut. Ansonsten haben die Rabenvögel jetzt eine harte Zeit wenn der Boden gefroren ist und wenn Schnee liegt, da müssen sie mächtig hungern und viele verhungern auch. Die kalte Winterzeit ist nur für Wohlstandsmenschen etwas, wie für die Snobs die dem Wintersport in noblen Kurorten frönen, für arme Menschen war und ist sie schon immer schlecht, denn Heizung ist teuer und so manch Minirentner muß frieren weil er sich eine warme Stube nicht leisten kann und für Wildtiere ist die „weiße Pracht“ ganz und gar nicht prächtig sondern ein „weißes Leichentuch“.
Außer heimischen Nebelkrähen sind es vor allem Saatkrähen die ich füttere. Die kommen von weit her, denn es sind welche die aus Sibirien zu uns in großen Schwärmen kommen. Die heimischen Saatkrähen ziehen im Herbst ihrerseits ein Stück südlicher. Erschreckend die Tötungslust der deutschen Jägerschaft, denn diese Rabenvögel werden zu tausenden abgeballert. Rationale Gründe dafür gibt es nicht, von wegen Überpopulation oder gar, daß man sie wie anderes Wild als Nahrung für den Menschen verwenden könnte. Es ist tatsächlich nur die Lust am Töten, die die Jäger antreibt. Da empören sich mit Recht die Deutschen über das Zugvogelmorden der Italiener und Malteser und sind letztendlich keinen Deut besser. Rabenvögel sind halt unbeliebt und haben keine solche Lobby wie die anderen Singvögel. Daß der schlechte Ruf der Rabenvögel auf Vorurteilen und Aberglauben beruht, dies ist wissenschaftlich erwiesen. Zur Information ein Link zu einer Seite die mit diesen Vorurteilen aufräumt:

http://www.rabenvoegel.de/

Faszinierende Kriminalfilme




Von 1990 bis 1992 war ich u.a. Inhaber einer Videothek. Nun die Filme die ich da anbieten mußte, weil sie von den Kunden nachgefragt wurden, die waren nicht nach meinem Geschmack. Ami-Brutalo-Action á la Schwarzenegger, Horror aus der Ami-Filmgiftküche und us-amerikanische Kriegsfilme die den verbrecherischen Angriffskrieg der Amerikaner in Vietnam verherrlichten. Dennoch kaufte ich etliche niveauvolle Filme ein, einfach um nicht nur Schmutz und Schund anzubieten. Dies war dann allerdings ein Zusatzgeschäft, denn diese Filme wurden kaum ausgeliehen, ein Zeichen wie es doch schon damals um den Geschmack der breiten Masse in punkto Kultur bestellt war.

Da ich schon lange Krimis von Agatha Christie gern gelesen hatte, bestellte ich natürlich auch etliche Romanverfilmungen von ihr, Filme die ich immer wieder ansehen kann ohne daß sie mir über werden. “Mord im Orient-Express“ - welch ein toller Film! Dieses Schwelgen in Eleganz, Nostalgie und Geheimnisvollem, dazu mit wirklichen Charakterdarstellern wie Sean Connery, Vanessa Redgrave, Wendy Hiller und John Gielgud, dies ist einmalig. Ohne die Filmmusik von Richard Rodney Bennett kann man sich den Orient-Express kaum vorstellen, die gehört einfach dazu und ist ein kompositorisches Meisterwerk, besonders in den Sentenzen als jedes Mal der Zug, gezogen von einer Dampflok, sich langsam in Bewegung setzt.

Ja und dann natürlich die Agatha-Christie-Filme mit dem einmaligen Peter Ustinov, wie „Tod auf dem Nil“, „Das Böse unter der Sonne“ und „Rendezvous mit einer Leiche“, sie sind ohne Ustinov undenkbar. Auch da wieder Starbesetzung an Schauspielern wirklich großen Formats wie Jane Birkin, Angela Lansbury, David Niven, Maggie Smith, Piper Laurie und viele andere. In allen diesen Filmen geht es vordergründig nicht nur um Spannung und Lösung eines Kriminalfalls, sondern diese Verfilmungen sind durch die Macht der Bilder zu eigenen Kunstwerken geworden, sind eben nicht nur simple Literaturverfilmungen. Es ist das Eintauchen in die nostalgische Welt des britischen Empires und da in die Welt großbürgerlicher Lebensart mit dem morbiden Hauch von Snobismus, Exzentrik und diverser Schrulligkeiten, eingebettet in Landschaften sonniger Urlaubsgefilde, die einen faszinieren.