Sonntag, 20. März 2011

Der Dessau-Törtener Maler Paul Jacoby (1844 - 1899) und der Kaffee-Schilling-Kalender von 1939


Heutzutage geben große Firmen immer noch Kalender heraus die für ihre Produkte werben sollen. Daß dann oft Kalender hergestellt werden wo die eigentliche Produktwerbung in den Hintergrund gerät und wo die Kalenderblätter ganz andere Dinge zeigen als die Erzeugnisse der Firma, dies ist beabsichtigt, denn wer hängt sich schon einen Kalender eines Kaffeeproduzenten an die Wand, wo auf jedem Abreißblatt Kaffeepackungen oder Kaffeebohnen zu sehen sind? Einige Blätter eines alten Abreißkalenders eines Kaffeeherstellers möchte ich heute vorstellen, dies gleich im Anschluß an meinen letzten Blogbeitrag über das alte Stadtwappenalbum von Kaffee „Hag“, siehe: http://barrynoa.blogspot.com/2011/03/altes-anhaltische-stadtwappen.html .

Ein heute nicht mehr auf dem Markt befindlicher Kaffee war „Kaffee-Schilling“ der Bremer Firma Schilling &. Sohn. Von dieser Firma ist seit 1939 ein Kunstkalender mit deutschen Landschaftsbildern bei uns in Familienbesitz, aufgehoben höchstwahrscheinlich wegen eines Kalenderblattes vom Juli 1939, welches das großartige Ölbild von Paul Jacoby mit der Pötnitzer Brücke in Dessau-Mildensee zeigt, siehe Scan des 4. Kalenderblattes. Es ist nicht verwunderlich, daß meine Mutter diesen Kalender in ihrem Besitz hatte und aufgehoben hatte, war doch Paul Jacoby Dessau-Törtener und Mutters Eltern und Mutter lebten und wohnten ja in Dessau-Törten. Auch ich bin ja in Dessau-Törten geboren und wohne hier, da ist es natürlich für mich selbstverständlich diesen Kalender aufzubewahren.

Hier ein paar Daten zu Paul Jacoby aus dem Thieme-Becker-Künstlerlexikon:  Jacoby Paul (1844 Törten/Dessau - 1899 Dresden),  Jacoby studierte unter Ludwig Richter an der Dresdner Akademie, später in Düsseldorf und München, ließ sich 1881 in Dresden nieder, wo er als einer der frühesten Vertreter der sogenannten modernen Richtung der neugegründeten Sezession angehörte, Bilder in der Dresdner Gemälde-Galerie“.

Auch andere Bilder des Kaffee-Schilling-Kalenders „Deutsche Lande – Deutsche Worte“ sind sehenswert. Ich habe ein paar der Kalenderblätter für die Leser des B.N.-Blogs eingescannt die mir persönlich besonders gefallen. Unten: Schriftzug von einer alten Blechdose der Firma Kaffee-Schilling.  

Freitag, 18. März 2011

Altes: Anhaltische Stadtwappen


Ein jeder kennt wohl den coffeinfreien Kaffee „Hag“. In den 20er Jahren gab „Hag“, ähnlich der Zigarettenbilderalben, ein Album mit Stadtwappen des damaligen Deutschland heraus. Als alter Anhalter stelle ich heute die Seiten mit anhaltischen Stadtwappen vor. Schade, daß das organisch gewachsene Land Anhalt durch die Gebietsreform vor ein paar Jahren restlos zerschlagen wurde. Da wurden Landkreise gebildet die landsmannschaftlich und traditionsmäßig überhaupt nicht zusammen passen, so z.B. gehört nun Wörlitz, welches durch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich und eine fast tausendjährige Historie zu Dessau gehören muß, zu Wittenberg, oder die typisch anhaltischen Städte Köthen und Zerbst, zu Bitterfeld. Der Slogan der deutschen Einheit „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“ trifft für die künstlichen Landkreisgebilde Sachsen-Anhalts leider nicht zu.

Neben den Seiten aus besagtem Stadtwappenalbum auch noch eine Seite aus einer Werbung mit einem Gutschein für das Wappenalbum und ein altes Werbeglasschild für Hag-Kaffee.      

Mittwoch, 16. März 2011

Erinnerung an Josef Kriwer ( 1871 - 1951)


Dem Vergessen anheim gefallen – so geht es vielen Künstlern! Künstler haben noch Glück wenn überhaupt Daten von ihnen überliefert sind und z.B. von Malern Bilder heute noch jemand kennt. Es sind mitunter nicht die schlechtesten Künstler die vergessen sind und deren Werk niemand mehr kennt, geschweige denn, daß über deren Werke die Kunsthistorie etwas weiß. Ein solcher Künstler ist Josef Kriwer (21.12.1871 in Pförten, jetzt polnisch Brody geboren - 9.1.1951 in Graz gestorben), von dem ich wenig kenne, außer einer wunderbaren Radierung die ich mal erwarb. Diese ist von 1896, die der E.A. Seemann-Verlag, Leipzig drucken ließ, und die dem Jahresband von 1897 der „Zeitschrift für bildende Kunst“ beilag, und dem Abbild einer Tuschzeichnung des Auktionshauses Wendl, siehe: http://katalog.auktionshaus-wendl.com/de/cmd/d/o/119.47.2120/auk/47/p/1.  Die „encyclopédie des peintres, photographes et sculpteurs“ erwähnt, daß Josef Kriwer an den Akademien Wien und München studiert hat. Das wars dann auch, was über Kriwer zu erfahren war.

Kriwers „Schusterwerkstatt“ hat einen Charme, der positive Nostalgie in einem hochkommen läßt und dies trotz des ärmlichen und unaufgeräumten Interieurs. Es war halt ein armer Schuster, der da arbeitete, einer der seinen ebenfalls armen Mitbürgern nur wenig abverlangen konnte, wenn sie ihm ihre verschlissenen Schuhe zum ausflicken brachten. Reiche Bürgersleute oder gar Adelige werden ihm keinen Auftrag gegeben haben. 1896, eine Zeit da auch Selbständige, wie eben Schuster, bis zu ihrem Tode arbeiten mußten um leben zu können. Die gerade von Bismarck eingeführte Rentenversicherung griff noch nicht und war sowieso nur für Arbeitnehmer gedacht, siehe Exkurs aus http://altersvorsorge-rente.t-online.de/die-geschichte-der-rente-in-deutschland/id_15739976/sid_42308512/si_0/index  :

„Im Mai 1889 verabschiedet der Reichstag des Deutschen Reiches unter Führung Otto von Bismarcks das Gesetz zur Alters- und Invaliditätsversicherung. Alle Arbeiter zwischen 16 und 70 Jahren müssen nun in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Beitragssatz beträgt 1,7 Prozent und wird jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Das Gesetz sieht eine Rente ab 70 Jahren vor, wenn zuvor 30 Jahre lang Beiträge eingezahlt wurden. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt zu Bismarcks Zeiten bei 40 Jahren.“ 

Was das Bild so sympathisch macht, das ist der alte Schuster mit seinem weißem Haar, ein freundlicher, ehrlicher Herr arbeitet da fleißig. Und, daß dieser altehrwürdige Herr kein grobschlächtiger Mensch ist, dies zeigt seine Liebe zu den vielen Pflanzen an seinem Fenster, an denen er sich erfreut. Eine wahrhaft innige Radierung die einen rührt, ein Bild deutscher Realität um 1900, einen alten deutschen Mann zeigend, der zu Kaisers Zeiten nicht diese widerliche deutsche Forsche an den Tag legt, der zwar auch Deutscher ist, aber eben von einem anderen Schlag, nicht wie die große deutsche Mehrheit diesen miesen deutschen Volkscharakter hat. 

Daß so eine anrührende Radierung kein Publikum hat, zeigte ein Auktionsergebnis bei ebay, wo ebenfalls ein Exemplar dieser Originalradierung versteigert wurde, dies für nur 1,- Euro, mangels Interessenten. Wenn auch der finanzielle Wert gleich null ist, so ist mir persönlich dieses Blatt sehr viel wert.   

Dienstag, 15. März 2011

Altes: Walther Klemm´s Bilder zu "Vater Kauz auf Urlaub"

Schon 1949 illustrierte Walther Klemm (1883-1957) ein Buch der Autorin Elisabeth Joch-Jahn, "Jupp geht auf Reisen". 1951 folgte dann „Vater Kauz auf Urlaub“, welches er ebenfalls illustrierte. Dieses Buch ist ein zauberhaftes Tierbuch, welches durch die Bilder Walther Klemms ein wertvolles künstlerisches Buch wurde. Walther Klemm, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Klemm , war ein Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der 1910 ein Mitglied der Berliner Secession wurde und schon damals bekannt für seine Tierdarstellungen war, die in späteren Jahren immer lockerer wurden und noch heute sehr modern wirken.

Es ist beachtlich wie trotz widrigster Umstände in der Sowjetisch Besetzten Zone und in der frühen DDR die Kultur nach dem Krieg aufblühte und derartig künstlerisch hochwertige Bücher in Druck gingen, dies bei Knappheit an Papier und allem anderen. „Vater Kauz auf Urlaub“ wurde, wie auch schon 1949 „Jupp geht auf Reisen“, von der "Arbeitsgemeinschaft Thüringischer Verleger" herausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Walther Klemm große Verdienste um die Kunsthochschule Weimar erworben und daher wahrscheinlich das Engagement dieser Arbeitsgemeinschaft bei der Publikation von Büchern mit Illustrationen Walther Klemms.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern wann ich das Buch „Vater Kauz auf Urlaub“ von meinem Eltern bekam, aber dies muß so mit 8 Jahren (1959) gewesen sein, also etliche Jahre nach Erscheinen des Buches. Wahrscheinlich war es gebraucht erworben, denn mein Buch ist die Erstauflage. Ob aber überhaupt weitere Auflagen erschienen, dies entzieht sich meiner Kenntnis. Als Kind achtete ich weniger auf das künstlerische in den Illustrationen und auch ein Walther Klemm war mir kein Begriff. Damals faszinierte mich die Geschichte, die Abenteuer der Kauze und besonders des Eichelhähers, einem Vogel der mir auch in natura in unserem Garten ab und an begegnete, besonders im Winter an unserer Futterstelle. Erst gestern sah ich seit langem mal wieder einen Eichelhäher in meinem Garten, obwohl ja schon Frühling eingekehrt ist. Neben dem Buchcover ein paar Scans der wunderbaren Illustrationen Walther Klemms in besagtem Buch.

Montag, 14. März 2011

Neues: Bald wieder Cavori auf dem Markt?


Im Juni 2010 gab es eine interessante Meldung, ab Frühjahr/Sommer 2011 soll es wieder Hemden von Cavori geben, siehe: http://www.textilwirtschaft.de/news/topnews/pages/Hemdenmarke-Cavori-ist-wieder-da_64414.html?a=0 . Als Fan von Cavori-Hemden freut mich das, denn gerade die Cavori-Designer-Hemden des Labels „Cavori Sports“ gab es ja lange nicht mehr zu kaufen und man mußte auf gebrauchte Hemden aus den 90er Jahren bei ebay-Auktionen zurück greifen. Mir gefielen diese Designer-Hemden seit 1990. Die Verarbeitung war wirklich hervorragend, dazu beste Baumwolle, sehr solide Verarbeitung – da sitzt jeder Knopf fest und natürlich die comichaften gestickten Motive, die außergewöhnlich sind, siehe mal ein solches von meinen Cavori-Hemden in Scans und einem Foto wo ich ein solches trage (gestern fotografiert, durch das Einscannen auf dem Scanner leider faltig geworden). Wenn es wirklich stimmt, daß ein Cavori-Hemd auch in Zukunft zwischen 39 und 64 Euro kosten soll, dann ist das zwar nicht billig, aber bei der guten Qualität angemessen. Die Cavori-Sports-Designer-Hemden werden natürlich etwas teurer sein, aber da bezahlt man ja das künstlerisch Besondere mit.     

Sonntag, 13. März 2011

Neues: Kunsthandwerkliche Metallarbeiten des Dessauers Bertalan Szabo


Wer meine Straße lang spaziert, dem ist bestimmt schon das wunderbare Tor mit den Hirschen aus Metall aufgefallen, welches meinem Nachbarn gehört. Wer da nun annimmt, mein Nachbar hätte diese Metallarbeiten irgendwo bei einem Metallkünstler gekauft, der irrt. Bertalan Szabo, so heißt mein Nachbar, ein gebürtiger Ungar, der seit langer Zeit in Dessau-Törten beheimatet ist, hat seit ein paar Jahren für sich das Hobby der kunsthandwerklichen Metallgestaltung entdeckt und in relativ kurzer Zeit hat er Metallfiguren geschaffen die meisterlich sind.

Heute habe ich für die Leser des Blogs mal die Arbeiten Bertalan Szabos fotografiert die ich tagtäglich sehen kann und wo auch ich mich dran erfreue. Ich hoffe, auch die Leser des Blogs erfreuen sich daran. Aber ich teile gleich mit, daß Bert nur für sich und sein Haus diese Dinge herstellt, Nachfragen, ob er nicht auch für andere Bürger Metallfiguren herstellt, sind zwecklos, wie mir Bertalan Szabo sagte. Da sehr viele Stunden Handarbeit in jedem Objekt stecken, wäre so etwas auch kaum zu bezahlen.     

Samstag, 12. März 2011

Kultur-Nepp im Dessauer Palais Minckwitz


Ob das Palaisherr Dr. Fuchs weiß (er war nicht anwesend), was da in seinem Dessauer Palais Minckwitz sich an Kultur-Nepp abspielt und dies zu Eintrittspreisen die sich gewaschen haben – 14,- Euro oder 9, - Euro ermäßigt pro Platz? Ja das Palais Minckwitz hat schon ein schönes Ambiente, aber schäbige Gartenstühle, so wie früher in der Bahn á la 4. Klasse, die passen da wahrlich nicht rein. Ja und das Publikum, nun sagen wir es vornehm: Es war nicht vornehm! Vor mir eine liebestolle Mittdreißigern die unentwegt ihren Mann (oder war es ihr Liebhaber) den Rücken erotisch kraulte, dazu dann kein Blick auf die Bühne, die keine war, da nicht erhöht! Was man sah, das waren die Frisuren der vor einem Sitzenden. Also da hätte ich auch hinter einer Steinsäule sitzen können, und hätte nicht weniger gesehen, da nützten auch die Billig-Operngläser rein gar nichts die der Veranstalter für die hinten Sitzenden austeilte. Daß man sich mit diesen Chinagläsern sowieso die Augen verdorben hätte, das wäre sicher gewesen, bei diesen milchig-gebrochenen Gläsern .

Ja und dann das Programm: Nun die musikalische Einleitung einer Gamba spielenden Musikerin war recht ansprechend, nur das Palais hat scheinbar keine schallschluckenden Fenster und wenn Fußgänger auf der vielbefahrenen Johannisstraße vorbei kamen, dann konnte man jedes Wort verstehen was die so von sich gaben, vom Autoverkehr ganz zu schweigen. Dann die eigentliche Vorstellung, das „Paperback-Papiertheater“ mit dem Titel „ Der gern-groß werden-wünschende König und sein närrischer Berater“, ja da hatte ich mir viel versprochen, kannte man doch die schönen alten Papiertheater, wo jahrhundertelang die wunderbarsten Stücke gespielt wurden, ähnlich einem Puppentheater mit Kulissen, einem Vorhang und vielen bunten Papierfiguren. Nichts dergleichen kam! Einzig und allein ein schmuckloser Tisch stand im Raum und die Akteurin holte weiße Papierfiguren aus einem Koffer, die ähnlich wie Origami-Figuren aussahen und fing an da eine Story zu fabrizieren so wie das Kinder mit Lego-Figuren gern machen.

Schäbig, schäbig, zumal der Nepp und Etikettenschwindel perfekt wird, wenn man auf die Homepage des Papiertheaters geht, wo auf der ersten Seite mit so einem wunderbaren alten Papiertheater geworben wird, siehe: http://www.paperback-papiertheater.de . Ich hätte Ihnen, liebe Blogleser, gern Fotos von den heute Abend dort realen Figuren und dem schäbigen Tisch auf dem das Ganze stattfand gezeigt, hatte auch mich erhoben und ein wenig fotografiert (erstmalig konnte ich da überhaupt was sehen, was mir im Sitzen unmöglich war), doch da schritt der Veranstalter ein und tat kund, daß bei dieser Veranstaltung das Fotografieren nicht erlaubt sei. Daß in der ersten Reihe eine junge Frau mit dem Handy fotografierte, dies ließ er allerdings zu, aber wahrscheinlich war ihm zu Ohren gekommen wer ich sei, und da mein Blog, was die Leserzahlen anlangt, einer der meistgelesenen in Dessau ist, wurde ihm wahrscheinlich mulmig, daß ich über dieses „Theater“ im negativen Sinne berichten würde und Fotos die das belegen, die kämen da sehr ungelegen. Nun, leider muß ich deshalb die gemachten Fotos schwärzen, denn ein Veranstalter hat das Hausrecht und kann auch gegen ohne seine Erlaubnis gemachte Fotos klagen.

Na ja, das freie kritische Wort können derartige Veranstalter zum Glück noch nicht den Schriftstellern und Journalisten verbieten. Wer meinen Blog kennt, der weiß, daß ich früher selber als Veranstalter tätig war, siehe z.B. den gestrigen Beitrag über Andrea Centazzo, da ist es natürlich, daß ich über derartiges Gebaren von Veranstaltern nur mit dem Kopf schütteln kann. Also bei mir bekamen die Pressefotografen freien Eintritt und ein Glas Bier gratis, denn Fotos in den Medien über eine Veranstaltung sind immer gut - es sei denn man möchte nicht das etwas an die Öffentlichkeit dringt, sich das Publikum sagt: "Das ist mir mein Geld nicht wert!"